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genau untersuchen, ob sie auch also für einander sich schicken, dass von ihnen eine gute, friedliche und erbauliche Ehe zu hoffen sei? Wo nicht, so werden sie mit ihrem Vorhaben entweder ganz, oder bis auf eine gewisse Zeit, darin sie die an ihnen gefundene Mängel verbessern können, abgewiesen.

Wie Wir nun besorget sind, allen bösen Ehen, so viel als wir können, durch obgemeldte Anstalten, vorzubauen; so sehr sind wir auch darauf bedacht, die zwischen Eh-Leuten aus Missverstand, oder Gebrechen, eingerissene Zwietracht und Uneinigkeit zu heben. Hier gibt es nun leider auch unter uns, wegen der allen Menschen anklebenden Schwachheiten und Mängeln, noch viel zu tun. Allein, die glückliche Einrichtung und allgemeine nachbarliche Verträglichkeit unserer Einwohner schlichtet dergleichen Misshellichkeiten, ohne dass man es viel gewahr wird. kommt es damit zu öffentlichen Ausbrüchen und Aergernissen, so werden sie vor das Eh-Gericht, welches aus den vier obigen Aeltesten bestehet, gefordert, und gestalten Umständen nach, wenn sie nicht in der Güte sich, vergleichen wollen, zu Tisch und Bett geschieden; In welchem Fall ihnen eine besondere Ordnung wegen der Teilung ihrer Güter, wegen der Auferziehung ihrer Kinder, und wegen ihrer ganzen LebensArt, zu beobachten vorgeschrieben wird.

Es ereignen sich auch wohl gewisse Fälle und Umstände, da zwei beeinträchtigte Eh-Gatten gänzlich, als wären sie nie getraut gewesen, von einander geschieden werden; Diese Ursachen aber müssen überaus erheblich und wichtig sein; Wie wir dann von einer solchen Eh-Scheidung ungefähr vor einem Jahr das erste Exempel hie erlebet haben.

Wir halten im übrigen scharf auf Zucht und Ordnung; und weil wir grobe Verbrechen hier gar nicht dulden, so suchen wir solchen durch eine gute Auferziehung der Jugend, und durch ein vernünftiges friedliches Betragen der Ehleuten, so viel als möglich ist, vorzubauen. Wir halten dafür, dass es nicht nur für Ehleute selbst ein groses Unglück sei, wenn sie übel miteinander leben; sondern dass der Wohlstand des gemeinen Wesens gleichfalls mit darunter leide; weil derselbe sich auf eine gute Haushaltung der Verehlichten gründet.

Der Graf bewunderte diese kluge Anstalten, welche der Fürst, wie er sagte, nur zur probe einer Möglichkeit entworfen hätte, um damit ein Exempel zu geben, wie noch viele Sachen in dem gemeinen Wesen, zur Befolgung der Göttlichen Absichten, und zur Glückseligkeit der Menschen in diesem Leben könnten verbessert werden; wo anders unsere Vorurteile nicht zu stark wären, und sich bei den Menschen mehr aufrichtiger Eifer zum Guten fände.

Der Graf antwortete hierauf, dass zur Verbesserung der zeiten und der Menschen zuforderst ein allgemeiner Friede in der Christenheit zum Grund müste geleget werden; in Ansehung, dass es mit der inneren Verfassung eines staates zu keinem ruhigen Bestand kommen könnte, so lange man noch immer die Waffen in Händen haben müste, um sich gegen auswärtiger Gewalt zu schützen! Nach der Tafel unterhielt sich der Fürst ins geheime mit dem Grafen, und verlangte von ihm zu wissen, wie und auf was Weise er dafür hielt, dass ein allgemeiner Friede in Europa aufzurichten wär. Der Graf erklärte sich hierauf, dass dieses unter andern ein Geschäfte sei, welches ihn, nebst der Begierde, einem so grosen und weisen Fürsten persönlich aufzuwarten, an seinen Hof gezogen hätte. Er für sich hielt die Sache nicht für ganz unmöglich; wenn nur einige der mächtigsten Fürsten und Staaten zusammen tretten, und die Sache in reiffe Uberlegung ziehen wolten; Dann, es wäre gewiss, dass der Krieg den wenigsten noch sei vorteilhaft gewesen, und stünd daher zu vermuten, dass ihnen allen der Friede lieber sein würde.

Der Graf überreichte hierauf dem Fürsten seinen hierüber gemachten Plan, davon der Haupt-Inhalt am Ende dieses Werks wird zu finden sein.

Der Graf meinte, die Teutonische Fürsten sollten unter sich den Anfang von einem solchen Bündnüs machen, weil sie bei ereignenden Fällen, wenn ihre benachbarte Könige zu mächtig werden sollten, am ersten dürften mit untergesteckt werden. Er riet ihnen deshalben, sich auf das genaueste mit den Licatischen, Virinischen, Cimbrinischen und Scandinavischen Höfen zu verbinden; in welchem Fall er gleichfalls die Sachen an dem Aquitanischen Hof dahin zu bringen hofte, dass sein König, als einer der Mächtigsten, diese Bündnüs mit eingehen und solche aufs beste unterstüzen sollte; da sie sodann ganz Europa das Gewichte geben und andere Völker in solche Umstände setzen könnten, dass sie froh sein müsten, wenn man auch sie in dieses Bündnüs mit einschliesen wolte.

Der Fürst, als er diesen Plan des Grafens mit vielem Nachsinnen durchgangen hatte, sagte er zu demselben, seine Vorschläge wären gut; allein, es stünden solchen ganz unüberwindliche Hindernisse im Weg, die er schwerlich würde heben können: Ich meine, erklärte sich der Fürst, die Menschen selbst. Diese widerstreben, aus einer unerforschlichen Quelle des Verderbens, ihrem eignen Wohlsein, und stürzen sich gleichsam vorsetzlich ins Verderben.

Ich will ihnen aber, Herr Graf, fuhr der Fürst fort, unterdessen zeigen, dass ich sie liebe und ihre Ratschläge hoch schätze: Der Fürst von Calesia, als das Haupt unsers Hauses, ist einer der mächtigsten Fürsten des Teutonischen Reiches: Er kan, im Fall der Not, über sechszehen tausend Mann ins Feld stellen: Er hegt viele Freundschaft für mich, und lässt sich öfters auch meine gutmeinende Ratschlage gefallen. Ich will ihn, und unsere andere durchs Blut oder ErbVerbrüderung verwandte Fürsten-Häuser, zu einem solchen Bündnüs, als sie vorschlagen,