, den er in der Hand hielt, ins Herz zu stossen; indem aber sah ich ihn mit einem erblassten Angesicht und mit halb geschlossnen Augen, ganz im Blute vor mir liegen. Ich fuhr über dieses schreckhafte Traum-Bild dermassen auf, dass ich erwachte. Als ich die Augen öfnete, stunde ein Bedienter von meinem Bruder mit einem Mägdgen vor mir.
Gnädige fräulein, redete mich der Diener an: Ich habe hier ein kleines Fuhrwerk mit einem Pferd gemietet: Ihr Herr Bruder ist verreiset: Ich habe dem Verwalter und seiner Frauen gesagt, ich hätte Befehl, sie nach den Minoriten zu bringen. Sie machen sich deshalben hurtig auf, ich wag es dieselbe in Freiheit zu setzen. Als die Verwalterin hierauf in das Zimmer kam, redete dieser Mensch hart und etwas unehrerbietig mit mir, damit sie keinen Verdacht auf ihn werfen mögte.
Ich hatte ganz keinen Anstand, diesem Menschen mich anzuvertrauen; Er war mit in Monaco gewesen, und schien mit Verdruss einem so wilden Herrn, wie mein Bruder war, zu dienen. Ich glaubte, GOtt hätte ihn mir zu meiner Rettung zugesandt. Ich kleidete mich also an, und setzte mich zu dem Weibs-Bild auf die Schäse. Wir fuhren in möglichster Geschwindigkeit bis auf die nechste Post: Der Diener hatte die Vorsichtigkeit gehabt, und solche voraus bestellen lassen. Wir fanden also die Pferde schon auf uns warten.
Der Diener und das Mägden erzehlten mir unterwegs das ärgerliche und gottlose Leben meines Bruders: Sie sagten, dass er mit drei von seinen Leuten diesen Morgen nach den grenzen von Austrasien verreiset wär, und vor drei Tagen schwerlich wiederkommen dürfte: Sie hätten sich deswegen seine Abwesenheit zu Nutz machen wollen, um sich aus den Händen eines solchen Unmenschen zu retten. Sie fragten mich darauf, wo ich wolte, dass sie mich hinbringen sollten? Ich meinte nach Monaco zu meiner Frau Mutter; Der Diener aber widerriet solches; weil ich daselbst meinem Bruder am ersten wieder in die hände geraten würde. Sie müssen sich gnädige fräulein, sprach derselbe, an einen ganz fremden und unbekanten Ort begeben; massen ihr Herr Bruder alles in der Welt tun wird, sie auszuforschen und wieder in seine Gewalt zu bekommen. Das Mägdgen gab mir darauf folgenden Anschlag.
Ich habe, fing sie an, ehedessen bei einer herrschaft gedienet, wo eine Magd aus Vandalien war: diese erzehlte mir vieles von einem neu angelegten Ort, nechst an dem Hercynischen Wald, wo viele ihrer Befreundten sich hätten niedergelassen, die des Glaubens halber aus ihrem Land wären vertrieben worden. Dieser Ort hiess Christianopel, und seie eine Zuflucht für alle Fremde, die sich eines ehrbaren, frommen Lebens beflissen. Ihr sei unterdessen der Dienst bei dem Freiherrn von Turris als sehr einträglich angetragen worden, sie wär aber noch keinen monat als Beschlieserin in diesem gottlosen haus gewesen, so hätte sie um alles Gut und Geld darin nicht länger verbleiben mögen. Der gegenwärtige Bediente hätte sich dabei an sie gemacht, um mit ihr in verbottener Liebe zuzuhalten: sie hätte ihm aber ins Gewissen geredt, und durch die Vorstellung des ganz abscheulichen Lebens, das sowohl der Herr als das Gesind in der grössten Sicherheit führten, ihn so weit gebracht, dass er sie nach Christianopel zu bringen versprochen hatte, wo sie sich einander heiraten wolten. Weil sie nun bei diesem Vorfall zugleich mir einen wichtigen Dienst zu leisten hoften, so hätten sie keinen Anstand gehabt, solches in GOttes Namen zu wagen.
Ich konte mich auf diese Reden so gleich nicht entschliessen, was ich tun sollte. Die Vorstellung, meine liebe Mutter, in der sie meinetwegen betroffenen grosen Bekümmernüs, zu verlassen, schien mir ganz nicht mit meiner Schuldigkeit überein zu stimmen; wenn ich aber darbei die grose Gefahr mir vor Augen stellte, worinn ich sie und mich von neuem stürzen würde, wenn ich wieder nach Monaco zurück kehren sollte; so fand ich für ratsamer, mich zuvor in Sicherheit zu bringen, und hernach an dieselbige zu schreiben.
Ich entschloss mich also meinen Führern zu folgen: sie brachten mich an diesen mir so sehr gepriesenen Ort: ich fand hieselbst, was ich suchte, und mehr als ich jemahls hoffen konte. Ihre Durchleucht, der Fürst und die Fürstin, empfiengen mich, nachdem ich ihnen meine begebenheiten erzehlet, mit solcher Leutseligkeit und Liebe, dass ich solches in meinem ganzen Leben mit zulänglicher Dankbarkeit nicht zu erkennen weiss. Ich hatte darauf das unverdiente Glück, dass mir meine gnädigste Prinzessin ihre besondere Gewogenheit schenkte, dadurch sie mein ganzes Herz mit solchen zärtlichen Banden an sich verknüpfet hat, dass ich nunmehr bei aller meiner zu hoffenden Glückseligkeit doch niemahl recht ruhig sein werde, wenn ich von ihr entfernet leben muss.
Die Prinzessin küsste hier die schöne Mariane, zum Zeichen ihrer herzlichen Liebe; welche ihrer Erzehlung noch dieses hinzu fügte, dass sie sich bishero vergeblich nach dem Herrn von Riesenburg hätte erkundigen lassen; weil vermutlich dessen Herr Vater, der ihrer beider Heirat nicht gern sähe, die Briefe müste unterschlagen haben. Sie wär auch so bald nicht hier angekommen, so hätte sie ihrer Frau Mutter, wie auch der Gräfin von Iserlo, ihrer Base, von allem, was ihr begegnet wär, ausführliche Nachricht gegeben; und dargegen von ihrer Frau Mutter den traurigen Tod ihres Bruders vernommen: sie hätte die arme Seel dieses unglücklichen Menschen beweinet, zugleich aber auch die Gerechtigkeit GOttes bei diesem Zufall bewundert: Ihr Schwager sei darauf mit ihrer Schwester der Mutter ins Haus