da ich zu einem Diener sagte, er sollte eine Magd rufen: das Kinder-Mensch hörte solches: die Magd, wiederholte sie spöttisch: ich heise nicht Magd: sie kam damit ganz murrisch ins Zimmer; meine Frau merkte bald, dass ihr was fehlte: sie sagte deswegen zu mir, als das Mensch wieder weg war: heise doch das arme Ding nicht Magd. Wie, fragte ich voll Verwunderung, ist sie denn keine Magd? Ja, sprach sie, aber es klingt den hochmütigen Dirnen zu hart: sie können nicht leiden, wenn man sie so nennet: sie sprechen, sie wären nicht leibeigen. Wie soll man sie dann nennen, fragte ich weiter; bei ihren Namen, antwortete meine Frau, Dosgen, Fickgen, Louisgen und dergleichen. Ich konte mich in diese Sachen nicht mehr schicken. Ich sah, dass meine Leute dabei sich ihrer gewöhnlichen Arbeit zu schämen begunten; also, dass man ihnen andere Leute dazu halten muste.
Ich hatte sowohl in der Stadt, als auf dem Land, kostbare Gebäude geführt; meine Lust-Gärten kosteten mich viel zu unterhalten, und brachten nichts ein; ich hatte in meinem haus täglich mehr als dreissig Menschen, die aus meiner Küche zehrten; ohne die Gäste, Beiläuffer, Reib-Wasch-Näh- und Sudel-Weiber zu rechnen.
Hierzu kamen noch so viel andere Leute, die alle keinen Pfennig ins Haus brachten, sondern nur immer haben wolten: darunter waren auch diejenige, welche die Rechte und die Gesundheit der Menschen studiret hatten. Ich war in meinen Handlungen nicht vorsichtig genug gewesen; ich hatte zu viel Zerstreuungen und andere Gedanken im Kopf. Ich trauete zu leicht, und wurde oft betrogen: dieses verdross mich, ich wolte Recht haben, ich klagte darauf; so bald aber gerieten nicht die Sachen unter die Advocaten, so ging insgemein das Capital verlohren, und ich muste noch jährlich die Zinsen davon, mit samt den ProcessKosten, zu Ehren der eingeführten Gerichts-Ordnungen, nachsetzen.
Die ärzte und Apoteker gingen bei mir auch nicht leer aus. Die unordentliche Lebens-Art, und die Unmässigkeit meiner Leute machten mein Haus zu einem halben Spital. Ich hatte beständig kranke Kinder und krankes Gesinde; sie sahen so blass und so mager aus, dass es einen erbarmte. Der Doctor kam schier alle Tage: er verschrieb die köstlichste Artzneien, und Gold-Tincturen. Die Wund-ärzte vergossen des Jahrs über eine Menge Blut in meinem Haus. Die Apoteker-Zettul wurden zu ganzen Büchern, man schrieb mir zu Ehren alles teurer auf, als andern Leuten: es hies: der kans bezahlen.
Bald waren Hochzeiten, bald Leichen, bald Kindtaufen, bald Gevatterschafften, bald Gastereien, bald andere Ceremonien bei mir. In allen milden Steuren und Collecten, wurde mein Namen oben an gesetzt. Ich hatte über alles dieses, von halb Jahr zu halb Jahr, schier an alle Gattungen von Künstlern und Handwercks-Leuten Rechnungen zu zahlen; sie übersetzten meistens darin ihre Arbeit, wolt ich ihnen etwas abziehen, so klagten sie, sie wären arme leute, die Arbeit würde ihnen sauer, ich wär ein reicher Herr; es hiese wohl, je reicher, je karger.
Anfangs ging mir in meiner Haushaltung so vieles nicht drauf, da ich aber hernach anfieng zu bauen, und viel auf kostbaren Hausrat, auf Jubelen, Silber-Geschirr, Mahlereien und dergleichen zu verwenden, so schmolzen binnen sechs Jahren über fünf und zwanzig tausend Taler vom Capital, wobei wenigstens eine gleiche Summa auch nach und nach in der Handlung verlohren ging. Die Ausgaben wurden immer gröser, die Einnahmen kleiner, und die zeiten schlechter. In den folgenden Jehren gingen wieder zwanzig bis dreissig tausend Taler drauf, und blieben mir wohl eben so viel zweiffelhaffet und böse Schulden zurück. Das Unglück kam hernach mit den Banco-Briefen, worüber der Krieg einfiel, und damust ich wieder ein groses Capital mir abschreiben.
Als ich hierauf anfieng, und wolte meine kostbare Haushaltung ein wenig einziehen, so hatte ich wohl noch hundert tausend Taler übrig; allein, die Helft davon stack in Haus und Gütern und allerhand Effecten, die ich nicht benutzen konte. Das übrige lief zwar noch in der Handlung herum, ich hatte mich aber dabei sehr versteckt: fünf und zwanzig tausend stunden noch bei dem Fürsten von Sardost, und ich hatte kaum das Drittel mehr einzunehmen, als ich ausgeben muste. Dem ungeacht hätt ich noch eine Zeitlang fortkommen, oder durch eine gänzlich verbesserte Einrichtung meines Hauswesens mir wieder aufhelfen können; Allein, so starb zu meinem Unglück der Fürst von Sardost. Der Fürst zahlte sonst überaus richtig: er hätte mich nimmer fallen lassen; so bald aber war er nicht tot, so hiess es, der Prinz wär noch minderjährig, und die Cammer könnte nicht zahlen.
Die von dem Fürsten ausgestellte Wechsel-Briefe liefen demnach aus Mangel der Zahlung zurück: andere Briefe wurden dargegen auf mich gezogen, die ich zahlen muste. Meine Casse wurde damit leer. Ich hatte Credit nötig; ich stellte deswegen meine eigne Wechsel aus, und liess solche auf den vornehmsten Handels-Plätzen herum lauffen: Dieses Mittel tat gut; aber nicht lang; nach Verfliesung eines halben Jahrs kamen meine Briefe wieder auf mich zurück: ich sollte zahlen: Es war unterdessen kein Geld weiter eingekommen: man gab mir acht, man gab mir vierzehen Tage Sicht; Die Zahlung mangelte! Die Wechsel