an Zahlung zurück nehmen sollte. Ich ersann den Namen von einem fremden Grafen, der den Wechselbrief sollte ausgestellet haben, und setzte, als ob ich solchen erhandelt hätte, meinen Giro drauf. Der Wechsel hatte sechs monat zu lauffen: ich hatte indessen einige Capitalien eingezogen: da er also wieder zurück kam, zahlte ich solchen, und gab dem Juden seine Jubelen wieder.
Nach diesem gehabten Schrecken nahm ich mir ernstlich vor, mein Hauswesen anders einzurichten: ich brachte meine Frau dahin, dass sie darein willigte; Allein, unser Gesind war einmal an die Unordnung, und dass alles in unserm Haus voll auf ging, gewohnet. Es gedachte, wir wären doch gleichwohl so reiche Leute, und es schicke sich gar nicht für uns, dass wir auf alle Kleinigkeiten sollten sehen: es schob also neben her, was es konte, und wenn man es drüber zur rede setzte, so gab es lose Worte; es meinte, alle Kisten und Kasten wären bei uns mit Geld angefüllet; und glaubte wohl gar, man täte GOtt einen Dienst daran, wenn man solches unter die Leute bringen, und damit unsern Geitz bestrafen hülfe.
Meine Frau konte das Wort Geitzig nicht leiden: man hätte sie lieber sonst was gescholten. Wenn man geitzig ist, waren öfters meine Gegen-Vorstellungen, so zehret man nicht immer vom Capital. Wir haben bisher unser Gesind so wohl gehalten, dass sich unsere Nachbaren über uns beschweret, wir verdürben ihnen das ihrige, und führten in der Stadt alle Missbräuche ein. Wir erweisen allen Leuten Höflichkeiten, wir tractiren, wir leben kostbarer als andere; wir schenken hier, wir schenken dort, und dennoch werden wir für geitzig gescholten: wir müssen wohl in einem seltsamen Zeichen geboren sein.
Nichts tut mir leider, beklagte sich hier meine Frau, als dass mein eigener Beicht-Vatter, der Herr Magister Ulrich, seit einem Jahr mir immer den Geitz vorwirft. Wann ich ihm sage, wir lebten viel stiller und eingezogener als vor dem, so spricht der andächtige Mann: was ist aber daran schuld, meine liebe Frau von Güldenblech, ist es nicht der liebe Geitz? er weiset mich darüber in mein eigen Herz: er will, ich soll mich darüber prüfen; ich besinne mich: ich erschrecke: ich denke, weil der fromme Mann es sagte, so könnte es auch wohl sein, dass ich geitzig wäre, ohne dass ich es wüste. Dieses macht mir eine abscheuliche Furcht; denn ich möchte nicht gern zu dem reichen Mann kommen, davon er mir so offt das Evangelium vorhält.
Ei Lotte, sprach ich, du und dein Seel-Sorger, ihr seid beide nicht klug. Es schickt sich wohl für ihn, dich des Geitzes halben zu bestrafen, der du die gröste Verschwenderin bist. Er selbst ist für den grössten Geitzhals in dieser Stadt ausgeschrien: man sagt, er habe den ganzen Keller voll Wein und ganze Böden mit Früchten, und wuchere damit trotz allen Wippern und Kippern: er tut kein Capital unter sechs vom hundert aus, und läst sich die Zinse voraus geben. Noch neulich hat er einen armen Mann von Haus und Hof getrieben, dass sich die ganze Christenheit darüber ärgern mögte. Zahlt einer nicht auf stunde und Ziel, so jagt er die Notarios, die ihm umsonst dienen, hinter ihm drein: da ist keine Barmherzigkeit: Zahlung oder Execution. Die Richter schämen sich oft selbst über dessen unchristlichen Rechts-Eifer. O welch ein schädlicher Mann ist ein solcher BauchPriester.
Dieser Mann, der doch noch immer seinen fetten Beicht-Pfennig von uns bekam, tat uns viel Schaden; ohne dass ich eine andere ursache davon zu geben wüste, als dass wir ihn nicht mehr so fleissig, wie sonst, zur Tafel hohlen liessen; dann er liebte einen guten Bissen, und trug seinen gesunden Appetit gern zu gast. Er machte uns schier alles Gesinde aufrührisch. Wenn ihm eines davon begegnete, oder solches zu ihm ins Haus geschickt wurde, so fragte er solches aus, wie es ihm ging, und brachte demselben die Gedanken bei, wann es solche noch nicht hatte, dass es bei kargen Leuten diente. Ja, ja, sagte er zu ihnen, Kinder, ich weiss schon, wie es in eurem haus aussiehet. Doch habt Gedult und versündiget euch nicht. Es ist schwer, seufzete er dabei, dass ein Reicher ins Himmelreich komme; ihr aber seid arm. Armut hat eine grose Verheissung: Armut schändet nicht; Aber der Geitz, der Geitz ist eine Wurzel alles Ubels.
Dieses Evangelium war unsern Dienstboten recht: sie taten ohnedem schon was sie wolten. Wir dienen nicht als Sclaven, sagten sie, man muss uns auch eine kleine Veränderung gönnen. Was der Mund verzehret, ist nicht gestohlen. Der Herr Informator und die Frantzösin hatten immer Zuspruch: diese hatte die Schlüssel zu Küch und Keller, also konte sie vielen Leuten etwas zu gute tun: Diener, Mägde, Lackayen, Hof- und Bauers-Leute; alle wünschten ihr tausend Glück und Seegen, wegen ihrem guttätigen Herzen. Meine Frau aber, und ich wurden mit den sinnreichesten Lasterungen angestochen, wenn wir uns so viel heraus nahmen, und uns nach ein- und dem andern zu fragen unterstunden.
Die Mägde gingen nicht mehr als Mägde, sondern als wohlhabende Burgers-Töchter gekleidet; sie wolten deswegen auch nicht mehr Mägde heissen. Ich versah es einmal gröblich,