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die Einnahm, verwechselte mit Vorteil die guten, die er empfangen hatte, blieb der Cassa bei jeder Abrechnung etwas schuldig, und machte sich also ein artiges Capital. Meine andere zwei Bedienten hiengen an liederlichen Weibs-Leuten, denen sie alles zusteckten, was sie teils vom Postteils vom KostGeld zurück legten. Kurz, mein ganzes Hauswesen war so beschaffen, dass ich nach einer Matematischen Ausrechnung keine gewissere Mittel hätte gebrauchen können, um zu verderben.

Es war um diese Zeit, als ich grosen Verlust durch allerhand Zufälle und Banckerutten litt, dergestalt, dass ich meine Casse auf einmal erschöpfet sah. Hier bekam ich die erste Empfindung von einer Furcht: Ich fing an zu glauben, dass es nicht unmöglich wär, mit meinem grosen Reichtum zum Fall zu kommen. Diese Vorstellung machte bei mir keinen geringen Schrecken.

Ich ging in dieser Bestürzung zu einem alten Vetter, den ich zuvor wegen seiner geringen Aufführung wenig geachtet hatte, und begehrte von ihm einen Vorschuss von zehen tausend Talern. Er hatte sich durch seine ordentliche Haushaltung und glückliche Verrichtungen ein groses Geld gesamlet. Er hätte mir am besten helfen können; er schlug mir aber meine Bitte ab: ich wurde darüber verwundert. Wie! fing ich an, der Herr Vetter will mir nicht einmal zehen kahle tausend Taler auf einige Monate Sicht, gegen meinen Wechsel-Brief, creditiren? Der Herr Vetter wird excusiren, war seine Antwort, meine Casse ist dermahlen mit einer so grosen Summe Geldes nicht versehen. Ei! Herr Vetter, sagte ich, wie kan das möglich sein? Noch viel möglicher versetzte jener, als dass des Herrn seine Casse nicht stärker als meine sollte beschossen sein; denn nach dessen Aufführung muss er weit mehr Geld haben als ich. Ich bin nur ein schlechter Mann: ich halte weder Gutsch, noch Pferde, noch Laquayen, noch Hofmeister und Mamesellen, wie der Herr Vetter: ich gehe nur mit gemeinen Leuten um, und kleide mich weder in Sammet noch Seiden, weder in Gold noch Silber: ich habe kein Cabinet von Mahlereien, Antiquitäten, Büchern, Kupferstichen, Medaillen und dergleichen: ich habe keine Palläste und kostbare Gärten: ich tractire keine grose Herren, wer mit mir essen will, der muss mit bürgerlicher Hausmanns-Kost vorlieb nehmen. Kurz, Herr Vetter, ich bin gegen ihn zu rechnen nur ein schlechter Mann, und ich muss es für einen Scherz aufnehmen, dass er Geld bei mir suchen will.

Dergleichen Pillen gab mir dieser ehrliche Vetter ganz trocken zu verschlucken: ich konte kaum alle einnehmen, noch vielweniger darauf antworten: sie waren mir gleichsam auf die Luft-Röhre gefallen. Ich setzte mich hurtig wieder in meinen Wagen, und fuhr nach Haus.

Meine Frau, die leichtsinnigste aber beste Creatur von der Welt, sah mich mit verblasten Angesicht und niedergeschlagenen Augen in mein Cabinet gehen: sie konte niemand betrübt sehen; sie folgte mir nach; die Gefälligkeiten, die ich für sie hatte, und die Zeit, die wir zusammen in vergnügter Ehe gelebt hatten, gaben ihr für mich eine Art von Freundschafft, die, wenn sie mich leiden sah, auch etwas zärtliches hatte: was ist dir, Fritz? so nannte sie mich, wie siehest du so fürchterlich aus? geh, du machst mir angst, was ist dir begegnet? Lotte, sagte ich zu ihr, wir müssen anders haushalten, oder wir sind verlohren. Nichts als dieses, gab sie mir zur Antwort, ich dachte, es wäre dir sonst ein Unglück begegnet. Was wilt du denn noch mehr als verderben? fragte ich sie. Wie so, sprach sie, bist du denn so viel schuldig? Man ist mir zwar noch mehr, als ich andern schuldig, fuhr ich fort; allein, die Gelder bleiben mir aus, und ich soll zahlen. Kanst du denn nicht, fragte sie weiter, so lange borgen, bis dir die Gelder eingehen? Dein Oheim Lipsart, der reiche Geitzhals, fuhr ich ungedultig heraus, hat mir den Credit rund abgeschlagen, und mich noch dazu mit meiner Haushaltung weidlich hergenommen.

O! erwiderte meine Frau, das hätte ich dir wohl voraus sagen wollen: es ist keine so Jüdische und niederträchtige Seele in der Welt: er hat mich nie leiden können. Ich weiss dir einen bessern Anschlag: Gestern war der Jud Amschel bei mir, und hatte unvergleichliche Perlen; unter andern zeigte er mir zwei Armbänder, die ganz auserlesen, und mit Brillanten nach einer Art, die ich noch nie gesehen habe, durchzogen waren: er forderte dafür zwei tausend Taler: ich sagte, das wäre teuer, ich hätte jetzt kein Geld. Au weh! ihr Gnaden! kein Geld! sprach der Jude; wolt ihr zwanzig tausend und mehr Taler haben? den Augenblick sollen sie da sein.

Ich kennte den Juden, und liess ihn den andern Morgen kommen; er brachte seinen ganzen Cram von Juwelen mit. Amschel! sagte ich zu ihm, ich soll einem gewissen grosen Herrn zwölf tausend Taler schiessen; ich brauch aber mein Geld in der Handlung: wisset ihr mir keinen Anschlag? der Jud erklärte sich, wenn der grosse Herr für ein paar tausend Taler Juwelen annehmen, und ich den Wechselbrief indosiren wolte, so könnte er die übrige zehen tausend Taler bald schaffen. Der Handel wurde richtig: ich nahm für zwei tausend Taler Juwelen; doch mit dem Beding, dass er solche allenfalls mit zwei hundert Taler Verlust wieder