1740_Lon_068_87.txt

hatte gute Manieren: sie spielete das Clavier, sie sang, sie redete Aquitanisch und Ligurisch, sie kleidete sich wohl. Kurz, ich hatte eine galante Frau, und wuste nicht, dass ich sie hatte: ich hasste sie nicht, dann sie war nicht zänkkisch; ich liebte sie aber auch nicht, weil sie meine Frau war: sie hätte können leichtfertig sein, ohne, dass ich viel würde darnach gefragt haben, dann ich hatte mich einmal mit ihr auf einen solchen Fuss gesetzt, dass wir uns das Leben nicht wolten einander sauer machen: sie sollte ihre Gänge und ich die meinige gehen: Wir hielten den schlimsten Frieden auf diese Art für besser, als den gerechtesten Krieg. Wir lebten bei diesem Vergleich zusammen ziemlich vergnügt. Die Aufhebung des Zwangs und der Verstellung gab uns für einander eine gewisse Zuneigung, die unsern Ehstand glücklich machte.

Das erste Jahr waren wir noch bei ihren Eltern allein, da ich es bald mit meinem wunderlichen Schwieger-Vatter, bald mit der Schwieger-Mutter, bald mit beiden zugleich aufnehmen und mich mit ihnen herumkeiffen muste Ich fing gleich darauf meine eigene Haushaltung an, und bezog meines Vaters Haus, der mir zugleich mit demselben auch seine ganze Handlung übergab, und einige Jahre hernach mit Tod abging.

Meine Schwieger-Eltern machten es auch nicht lange: der Vatter hatte beständig das Podagra; und wurde dadurch verhindert, seiner Frauen aus den Augen zu kommen, und auf seinem Hof, den er bei der Stadt hatte, zu leben. Er sass in seiner und die Frau in ihrer stube; doch assen sie mit einander; da denn der erste bis zum letzten Bissen mit Zank und Disputiren in den Magen gestossen wurde: Dem Alten kam darüber die Gicht in die Gedärme, dass er starb. Meine Schwieger-Mutter lebte darauf noch etliche Jahre bei uns im Haus, und ärgerte sich grausam, da sie sah, wie wir so vornehm Haus hielten.

Ich war damahls durch den Tod meines Vaters und Schwieger-Vaters ein Mann von einem überaus grossen Vermögen. Wann ich auch meine Einkünfte jährlich nach meinen Capitalien nur zu vier vom Hundert anschlug, so hatte ich dennoch bei zehen tausend Taler einzunehmen.

Ich dachte demnach nicht, dass meine Ausgaben und kostbare Haushaltung den Grund eines so grossen Vermögens erschöpfen, noch vielweniger mich gar übern Haufen werfen sollten. O wie grosse Ursachen haben nicht die Alten uns vor der Unordnung und Verschwendung zu warnen!

Ich hatte noch kaum fünf- bis sechszehen Jahre in der Eh gelebet; so stiess ich auf den Grund, und mein Haus-Wesen ging, gleich einem voll-beladenen Schiff, zu scheitern.

Wie dieses zuging, wuste ich bei den ersten Stösen selber nicht; ich habe nur, seit dem ich mich flüchtig von Haus, Hof, Güter, Weib und Kinder machen müssen, die Zeit gehabt, solches zu überlegen und mir die Sache begreiflich vorzustellen.

Da ich neun Jahr geheiratet war, hatte ich acht Kinder, einen Haus-Präceptor, eine Französin, vier Mägde, drei Bedienten auf der schreibe-stube, und nebst dem Gutscher noch zwei Diener in Liberei, die Näherin und andere Beiläuffer nicht zu rechnen; Als hierauf auch der älteste von meinen Söhnen begunte die zehen Jahre zu erreichen, so kamen dazu die Sprach-Music- und Exercitien-Meister. Auf meinem Hof hatte ich einen Verwalter mit Weib und Kindern: Einen Gärtner mit Weib und Kindern: Einen Wingerts-Mann mit Weib und Kindern, ohne das andere Gesind zu rechnen: Alle diese Leute hatten wieder andere Leute an sich: alle nährten sich aus meinem Beutel; und verliesen sich auf ihren guten Herrn. Ich und meine Frau liebten die Gesellschaften und die Lustbarkeiten: Wir hatten also genug zu sorgen, wie wir uns und die Kinder kleiden, wie wir tractiren und die Zeit sonst vergnüglich hinbringen wolten. Auf diese Weise lebten wir beständig fort: Der Zirkel unserer Ausgaben vergröserte sich mit dem Anwachs unserer Kinder.

Meine Frau war in allen galanten Wissenschaften erfahren; aber sie verstund keine Haushaltung: Ihre Eltern keiften ehedessen vom Morgen bis an den Abend mit ihrem Gesinde, sie niemals: es war ihr alles recht; sie wolte, dass alles vergnügt sein sollte, und konte nicht einmal leiden, dass das Gesind untereinander zankte; Nun, nun, sagte sie, Kinder, seid nicht so böse, vertragt euch, ich will euch lieber etwas schenken.

So viel Weibs-Leute ich im haus hatte, so viel Liebhaber muste ich auch mit unterhalten: Die Freiheit, der Müssiggang, der Uberfluss, machte sie allesamt üppig. Nur die Französin hatte ihr Alter züchtig; aber auch dargegen eigennützig gemacht: Sie sah die Unordnungen in meinem haus; schwieg dazu still und fischte im Trüben: ich muste ihr solches als eine Höflichkeit bezahlen; dann sie sagte, sie schonte der Ruh der Madame, und mögte ihr nicht alle Verdrieslichkeiten vorbringen.

Wir hatten solchergestalt das beste Gesind in der Stadt: man stellte uns allen Herrschaften zum Exempel vor: Knechte, Mägde und Laqueien errichteten nach der Art, wie wir es hielten, ihre neue RechtsVerfassungen und Gesinds-Ordnungen.

Meine Bedienten auf der schreibe-stube taten auch was sie wolten: Mein Buchhalter schnitt die beste Rohren für sich: er teilte die gute Posten mit mir, und schrieb mir die bösen allein auf. Der Cassirer war ein Haupt-Vogel: er brachte mir die schlimste MünzSorten in