wolte, ich sollte, an statt die Handlung meines Vaters fortzusetzen, einen Land-Junker abgeben; so liess sie demselben keine Ruh, biss er einen teil von seinem Vermögen dahin verwandt, und mir ein Ritter-Gut kauffte.
So ein grosses Verlangen auch meine Mutter hatte, wieder eine recht gnädige Frau zu werden, so erlebte sie solches doch nicht; sie fiel in ein hitziges Fieber, und starb. Mein Vater lies darüber keinen gar grossen Kummer spüren; er war zu aufrichtig, dem Wohlstand zu gefallen, sich zu verstellen.
Das erkauffte Ritter-Gut warf indessen schlechte pro Centen aus; und es kamen Jahre, da uns der Pachter eine neue Art zu rechnen lernte: bald waren es Heerzüge, bald Durch-Marsche, bald Hagel-Schlag und Misswachs, bald Unterhalt, Bau- und BesserungsUnkosten; bald andere Dinge, welche meinem Vater das null von null geht auf, in seine Bücher tragen lehrte. Er verwünschte desswegen von ganzem Herzen den Landadelichen Wind; und beklagte so sehr, als seine Flegmatische Gelassenheit es zulies, den dadurch verursachten Abgang seiner bisherigen Handels-Geschäfften. Mein Sohn! sagte er bei dieser gelegenheit zu mir, lass dich den Ritter-Wurm nicht betören: überlass dergleichen Wahn-Witz den stoltzen Land-Junckern; die lieber hochmütig auf ihrem Mist herum traben, und ihre Hoch-Adeliche Schweine füttern, als mit Demut und Vernunfft die Städte bewohnen, und ihre Capitalien in der Handlung herum lauffen lassen.
Ich hatte so viel Verstand, oder vielmehr Empfindung, von einem uns alle Gemächlichkeiten dieses Lebens verschaffenden Reichtum, dass ich meinem Vater beipflichtete. Hierzu kam auch dieses, dass, wann ich auf unserm Gut mich befand, selten ein Tag verging, dass nicht eine Anzahl ausgehungerter Edelleuten aus der Nachbarschaft, sich bei mir versamleten; welche, so bald sie nur den Schornstein von weitem rauchen sahen, wie die Sperlinge bei einer Scheuer, darin ausgedroschen wird, auf meinen Hof einfielen, und was sie nicht selbst verzehrten, ihre Knechte und Pferde auffressen liesen: sie soffen das Bier, den Wein und den Brandewein unter einander, wie den Covent, damit sie sonst ihre dürre Gurgeln zu befeuchten pflegten; wobei sie den stärksten Toback rauchten, und mich, der ich sie hatte nötigen sollen, selbst zum mit machen heraus forderten; meine natur aber konte dieses alles nicht vertragen; ich war von denen zärtlichen Wohllüstlingen, welche die grobe Schwelgereien dieser rauhen Ritter desswegen verabscheueten, weil sie allerhand Schmerzen verursachten; Ich suchte mich desswegen von einem so wilden Geschlecht los zu machen; allein diese rostige KrippenReuter wurden meiner Eingezogenheit nicht so bald gewahr, so begunten dieselbe auf die Stadt-Junkern zu sticheln; und es währte nicht lang, so sah ich mich bald dahin gebracht, dass ich mich schier mit ihnen allen hätte herum rauffen, oder mich entschliesen müssen, zu ihrer liederlichen Zunft mich zu gesellen; zuvor aber mich rein auffressen zu lassen, um mich dieser Stifts-mäsigen Vorzüge würdig zu machen.
Ich war demnach froh, als ich wieder in die Stadt in meines Vaters haus kam; und dieser war eben so vergnügt, dass ich meine junge Ritter-Hörner so glücklich auf unserm Gute abgestossen hatte. Meine Belustigungen waren hier von einer ganz andern natur: Hier kont ich mir eine Gesellschafft von jungen Leuten wehlen, wie ich selber wolte; Hier kont ich täglich in die Sing- und Schau-Spiele gehen; Der Umgang mit dem artigsten Frauenzimmer, ihre öffentliche Zusammenkünfte, der Zutritt in die beste und vornehmste Häuser, alles dieses stunde mit offen; man ergetzte sich hier auf unzehlige Arten, und nachdem die Jahrs-zeiten solches mit sich brachten. Kurz, ich genoss in der Stadt so viele Annehmlichkeiten, als ich auf dem land Verdruss, Langeweil und Ungemächlichkeit empfunden hatte.
Ich lag demnach meinem Vater selber an, diesen mir so verhasst gewordenen Ritter-Sitz wieder zu verkauffen, und das Geld dafür in der Handlung zu gebrauchen: Mein Vater tat solches, und verlohr darauf etlich tausend Taler: Zehn bis zwanzig glückliche Unternehmungen ersetzten diesen Verlust mit verdoppeltem Gewinn.
Ich verheiratete mich unterdessen an eine der besten Partien unserer Stadt: Meine Frau hatte ihre Annehmlichkeiten; ich nahm sie aber bloss des Gelds wegen: Ihr Vater war sonst von einem guten haus: und hatte nebst einem Sohn, der am hof war, nur diese einzige Tochter: Er trachtete nach Geld und Gut; die Mittel dazu zu gelangen, galten ihm gleich viel. Die natur hatte ihn zu einem bauern, das Glück zu einem reichen Mann, und der Reichtum zu einem Edelmann gemacht: Die natur liess sich dem ungeacht ihr Recht nicht nehmen; sie herrschte über den Reichtum und über den Adel, sie blickte aus allen seinen Gebehrden; er dachte, wie der Pöbel, und sprach, wie der Pöbel.
Seine Frau hatte etwas mehr Ehrgeitz: Sie beobachtete den Wohlstand, wo er nicht viel kostete, und bat immer viel Zeugen zusammen, wenn sie einen kleinen Aufwand machte: Sie und ihr Mann haderten stets zusammen. So bald sie sich nur sahen, so entdeckten sie an einander ihre Fehler, welche eines an dem andern weder ertragen, noch an sich selbst ablegen wolte.
So sahen meine Schwieger-Eltern aus: Meine Frau aber war von einer ganz andern Gemüts-Art: Ihr Bruder hatte sie stolz gemacht: Ihre ganze Aufführung war gros: sie wuste zu leben: sie