übernehmen. So eitel ich auch sonst mogte gewesen sein, so hatte ich doch nicht Hoffahrt genug, mich ohne Müh zu einer dergleichen probe zu verstehen; dem Professor aber war es um ein gutes Geschenk zu tun, welches er sich von meinem Vater vermutete, wenn er unter dem Namen seines Sohnes, dessen gelehrte Arbeit ihm zuschriebe. Das Mittel, mich zu einem Respondenten zu machen, war von ihm leicht ausgesonnen; Er hatte schon, wie er mich dessen versicherte, manche Doctores gemacht, die lange nicht so viel verstanden hätten, wie ich; Dieses gab mir wirklich einen gewissen Hochmut, dass ich glaubte, es könnte auch wohl möglich sein, dass ich mehr wüste, als ich mir einbildete.
Die Disputation wurde überaus prächtig auf meine Unkosten gedruckt, und mit einem nicht gemeinen Titul meinem Vatter zugeignet. Die Zeit kam herbei, dass ich den Cateder besteigen sollte; ich hatte die Disputation nicht einmal ganz durchlesen, und wuste von ihrem Inhalt, und was ich den Opponenten antworten sollte, kein einziges Wörtgen; allein, ich hatte alles sehr künstlich im hut liegen, was ich vorzutragen und zu reden hatte.
Ich machte die Eröffnung von dem ganzen Gepränge, dann anders war es nichts, mit einer sehr zierlichen Anrede, welche der Herr Professor aufgesetzet hatte; ich las solche mit einem grosen Ansehen von dem Cateder herunter. Meine zu dieser Handlung erbetene Gegner liessen sich darauf gleichfalls mit einem wohl ausgesonnenen Glückwunsch vernehmen: sie priesen an mir den Wert solcher Wissenschaften, die ich nicht hatte: und ich verlas ihnen hinwiederum dargegen solche Höflichkeiten, die sie eben so wenig, als ich die ihrigen, verdienten. Alle unsere Sätze und Gegen-Sätze, die wir uns einander machten, waren mit Numern bezeichnet: auf Numero eins, antwortete ich, Numero ein, auf Numero zwei, mit zwei, und so fort; und wenn ja auch einer eine Numero verfehlet; so blieb desswegen der andere doch in seiner Ordnung; es mogte auf einander passen oder nicht; es hatte solches nichts zu sagen; dann wegen des hin und wieder lauffenden jungen volkes und des Geräusches, welches sie mit ihrem Plaudern und ihren Reverenzen machten, konte man kaum das wenigste von diesem gelehrten Streit-Spiel vernehmen. Als auch dabei ein ausserordentlicher Wiedersacher sich meldete, so wies der Professor denselben für mich ab.
Nach diesen abgelegten Proben meiner Gelehrsamkeit, lies ich den Abend darauf die meiste Professores, den vornehmsten Adel, zunebst meinen Opponenten und Tisch-Purschen in einen Garten bitten, und tractirte sie daselbst aufs beste. Ich kan sagen, dass ich dabei noch mehr Ehr einlegte, als auf dem Cateder; ich hatte mir den besten Wein dazu von haus kommen lassen; es wurden eine Menge speisen aufgetragen; der ganze Garten war mit Lichtern erhellet: wir hatten Paucken, Trompeten Music und kleine kanonen. Die Professores, weil sie stark mit dem Kopf zu arbeiten pflegen, konnten den Wein nicht so wohl wie die Studenten vertragen, sie wurden am ersten trunken. Es fand sich darunter ein Lehrer der Griechischen und Römischen Altertümer, der sich zu Ehren der alten Weltweisen, deren Gesundheiten man ihm zubrachte ganz viehisch besoff. Andere trunken vor lauter Vertraulichkeit Brüderschaft mit uns; und dass an diesem Schmauss ja nichts fehlete, so gab es auch zuletzt Händel; man hatte aber aus nötiger Vorsicht, die Degen schon bei Seiten geschafft. Da also einer der jungen Helden seinem vom Wein erhitzten Mut an seinem Wiedersacher nicht kühlen konte, so mussten es die Teller und die Gläser entgelten, die er teils auf die Erden, teils in die Fenster schmiss.
Ich kam darauf wieder nach haus, und wurde von den Meinigen als im Triumph eingeholet; meine Mutter war mit mir ungemein vergnügt, und hatte desswegen mit meinem Vatter ein hartes Wort-Gefecht, weil er sich kurz darauf bei Tisch unterstanden hatte, mir zu sagen, ich hätte gleichwohl ein wenig besser haushalten sollen; dann sechs tausend Taler, die ich in drei Jahren hätte darauf gehen lassen, wären so geschwinde nicht verdienet, und müsste er manchen Brief dafür schreiben.
Es ist doch gleichwol, sagte sie unter andern, nichts groses und edelmütiges in einer Kaufmännischen Seele; was ist doch verächtlicher und niederträchtiger, als ein solcher Mensch, der nicht weiss, wie man für sein Geld sich Ehre machen soll. Fritz hat schon ein höheres Gemüt als sein Papa; er hält auch mehr auf die Ehre, als auf das Geld; und darin schlägt er seiner Mama nach. Meine Vorfahren haben nur auf Ehr und Adel gesehen; Es ist wahr, dass sie durch ihr grossmütiges Wesen sind Güterlos worden. Allein, sie hatten dargegen allentalben den Ruhm, dass sie zu leben wüsten; und wenn sie hätten voraus sehen sollen, dass eins von ihren Nachkommen dermaleinst so unglücklich sein würde, wie ich, und einem Kaufmann heiraten, sie hätten sich darüber halb zu tot gegrämet.
So lebhaft wuste sich bei dieser gelegenheit der adeliche Schmerzen meiner Mutter auszudrucken:
Mein Vater, der nur von einer alten guten Stadt-Familie entsprossen war, unterstund sich nicht, in einer so wichtigen Streit-Sache meiner Mutter zu wiedersprechen; er war dergleichen Zänkereien bei ihr gewohnet; er trug also sein Creutz mit Gedult.
Ich hatte unterdessen auch meine Reisen getan, welche ihm so teuer als meine Studenten-Jahre zu stehen kamen: Ich war damahls ungefehr vier und zwantzig Jahr alt, und weil meine Mutter