1740_Lon_068_83.txt

vermeinte Arzt fasste darauf die fräulein bei der Hand: Ihr Puls gehet sehr schnell, sagt er, sie sind beweget: Ich werde ihnen ein Pulver geben, die Wallungen in ihrem Geblüt niederzuschlagen: Morgen wird ihnen besser sein. Man stunde damit von der Tafel auf. Ich sehe, sagte der Fürst, zu dem verstelleten Grafen, dass sie heute mit unserm Frauenzimmer werden zu tun haben. Morgen werde ich mir auch eine Stunde ausbitten, mit ihnen zu sprechen. Er ging damit nebst der Fürstin, seiner Gemahlin, und dem jungen Prinzen in sein Zimmer, und liess den Grafen mit seiner ältesten Prinzess in und der fräulein in dem Vorgemach.

Diese beide Damen fanden den vermeinten Arzt freier als die ärzte sonst in diesen Ländern zu sein pflegten: Er sah vollkommen wohl aus: Er scherzte mit der grössten Anständigkeit, und hatte dabei solche Manieren, die ganz vornehm waren.

Ihr Gnaden, redete er die fräulein an, werden mir etwas zu gut halten: Die Medici bei uns sind sehr freie Leute: sie werden mir ein wenig beichten müssen: Ich sehe, dass ihr Durchleucht die Prinzessin sie lieb haben: sie wollen, dass ich ihnen helfen soll: man kan aber kein Ubel aus dem grund heben, dessen Ursprung man zuvor nicht wohl weiss. Indem er dieses sagte, ergriff er wieder der fräulein ihre Hand, und besah darin ihre Lineamenten. Ist es nicht wahr, schöne fräulein, fuhr er fort, sie lieben einen gewissen Cavalier, und sind in ihrer Liebe, nicht, wie sie es wünschen, glücklich. Die fräulein schien über diese allzu grose Freiheit des fremdem Doctors ungedultig zu werden, und wolte ihre Hand wieder zurück ziehen; allein, der Graf hielt solche fest: Nein, nicht so, gnädige fräulein, sprach er zu derselbigen, mit Ungedult werden sie meiner nicht los; und weil sie mir nichts bekennen wollen, so will ich ihnen selbst die gute Wahrheit sagen. Werden sie mir aber solches ungnädig nehmen, so dürften sie damit mit ihr Geblüt noch mehr erhitzen, und also ihre Cur desto schwerer machen.

Die Prinzessin lachte von Herzen über dieses Spiel, und bat den vermeinten Arzt, darin weiter zu gehen. Der Graf fuhr also fort, und sagte der fräulein, sie mögte sich verstellen, wie sie wolte, so säh er doch so viel aus ihren Lineamenten, dass ihr eigentlicher Beruf gewesen wär, in ein Closter zu gehen; dass sie aber durch eine darzwischen gekommene Neigung für einen vornehmen Cavalier darin seie gestöret worden; O das ist nicht natürlich! rief darüber die Prinzessin aus. Der guten fräulein zitterten die hände: sie sah den Grafen mit ganz erschrockenen Augen an, und fing an sich vor ihm zu fürchten.

Der Graf merkte solches: er lachte heimlich darüber: Nur ein wenig Mut gefasst, gnädige fräulein, sprach er zu derselben, ich bin so gefährlich nicht, als sie meinen. Hie Haben sie fuhr er fort, als er ihr wieder in die Hand sah, einen zwar widerwärtigen Planeten: sie haben ihren Liebsten vermutlich durch einen Zweikampf verlohren; Allein, dem ungeacht, so verspricht ihnen die Vereinigung des Saturni mit der Venere noch vieles Glück: Ihr Liebster lebet noch, sie werden ihn auch wieder finden: und wenn sie mir glauben wollen, so soll er durch meine Kunst erfahren, wo sie sich aufhalten, und sich selbst hier vor ihren Augen stellen.

Der guten fräulein wurde über diesen Reden noch banger: sie konte kein Wort sprechen, sie zweifelte gar nicht, dass der vermeinte Doctor ein Zauberer sein müste. Der Graf versicherte sie dargegen, dass alles ganz natürlich zuging; und sollte morgen oder übermorgen der Graf von Rivera selbst für ihn gut sprechen.

Darf ich mich nun auch unterstehen, sagte hierauf der Graf, indem er sich zu der Prinzessin wand, und Ew. Durchleucht ungemein glückliche Planeten, welche ich auf dero schönen Stirn erblicke, in dero hohen Hand bewundern? Sie sind, Herr Doctor, antwortete sie ihm mit einer freundlichen Mine, ziemlich verwegen: sie zeigte ihm damit, wiewohl nicht ohne einige Schamröte und Verwirrung, ihre Hand.

Hier machte der Graf grose Augen, und tat, als ob er lange nicht recht mit der Sprach heraus wolte: endlich senkte er das eine Knie zur Erden; O grose prinzessin, rief er aus, mit einem Geheimnüs-vollen Ton; Ich sehe hier eine der grössten Königinnen der Welt vor mir stehen: Ew. Durchleucht erlauben mir, Deroselben meine tiefste Ehrerbietung zu erkennen zu geben: Sie werden den machtigsten Tron beherrschen, ihren Gemahl und ihr Volck glückselig machen, und ihre Durchleuchtigste Nachkommen bis auf die späteste zeiten fortpflanzen. Dero Weisheit, Dero Tugend, Dero Gottesfurcht werden auch schon hier in diesem Leben ihre reiche Belohnung finden; Sie werden die Vollkommenste unter den Königinnen, wie die Schönste unter den Frauen sein.

Eine so schmeichelhafte Prophezeiung und die edle Gebehrden, womit der Graf solche aussprach, verursachten bei der Prinzessin allerhand Nachdenken. sollte wohl, gedachte sie bei sich selbst, ein vornehmer Herr mir diese Maskerade spielen? Ja, ja, ganz gewiss ist unter diesem verkappten Arzt eine andere person verborgen. Die prinzessin hatte deswegen für denselben eine gewisse Ehrerbietung, die sie sich nicht entbrechen konte, ihm auch darin zu erkennen zu geben, dass sie ihm seine allzufreie Aufführung nicht allein nicht verwies; sondern auch im Scherz ihm diese Antwort gab, dass, wo