zwölften Epistel Pauli an die Römer, und machte darüber unter andern folgende Anmerkungen.
Die Menschen, sagte er, hätten insgemein einen sehr ungleichen und falschen Begriff von dem Wort: Gottesdienst. GOtt sei ein vollkommenes und sich selbst genugsames Wesen, dem wir eigentlich durch nichts einen Dienst erweisen könnten. Seine Absichten in Ansehung der Menschen, gingen bloss dahin, sie einer immerwährenden Glückseligkeit teilhaftig zu machen: In diese Absichten müsten wir eingehen. GOtt dienen, hiess also nichts anders, als sich ihm darstellen in einem reinem Gehorsam, seinen Willen zu tun; und ihn, als das höchste Gut, zu verehren und zu lieben. Durch diese inwendige Neigung des Herzens hielt sich der Mensch in einem steten Zusammenhang mit GOTT, und zög durch seinen Geist aus ihm alles Licht, alle Weisheit und alle Tugend, die zu seiner Glückseligkeit erfordert würde; nicht anders, als wie das natürliche Leben, durch das beständige Atmen und Ziehen der Luft, sich fortführte.
GOTT wirke in der ganzen natur nach einer unwandelbaren Ordnung, dazu alle geschaffene Dinge, ein jedes nach seiner Art, ihre Bewegungen einrichten müsten: so lange die Menschen dieser Ordnung gemäss lebten, so lange blieben sie auch in der Ubereinstimmung mit dem Göttlichen Willen, und wären glückselig; so bald sie aber durch ihre Unordnungen und Ausschweiffungen sich von ihm abwendeten; so verfielen sie auch in die Strafen, damit die natur diejenigen plagte, welche die Ordnung ihres Schöpfers verkehrten.
Der wahre Gottesdienst wär also nichts anders, als die Beobachtung unserer Pflichten gegen GOtt, gegen seine Geschöpfe, und gegen uns selbst: nichts wär unserer natur zuträglicher und angenehmer, als in dem Dienst eines solchen Herrn zu stehen, der uns nur suchte glückselig zu machen.
So zerstreuet Anfangs die Aufmerksamkeit des Grafens war, so enge zog sie dieser Vortrag zusammen. Die Art womit der Fürst sich vernehmen liess, schien mehr einem vertraulichen Gespräch, als einer voraus studirten Rede ähnlich. Das leutselige, eindringende und aufrichtige Wesen, damit dieser grosmütige und fromme Herr sein Fürstliches Haus und seinen ganzen Hof-Staat zu erbauen und zu unterrichten suchte, hatte etwas ganz ungemeines.
Der Fürst ging darauf in sein Zimmer, nachdem er alle seine Zuhörer mit einer holden Freundlichkeit begrüsset hatte: Gleich darauf kam ein Cavalier zu dem Grafen von Rivera, und fragte ihn, in Aquitanischer Sprach, ob er der Halycidonischer Doctor wär? Ich bin ein Halycidonier, antwortete ihm der Graf: Ich bin sonst von Adelicher Geburt, dabei aber zufälliger Weise auch ein Arzt worden. Wolten sie nicht, fragte der Cavalier weiter, meinem Herrn die Ehr geben, und ein wenig zu ihm kommen? Der Graf wurde über dieses Zumuten ein wenig verwirrt; er wolte sich nicht gern dem Fürsten bei solchen Umständen zu erkennen geben: er erwartete den andern Tag seine Leute: er hatte unterdessen keinen Vorwand, die angebottene Ehre, um den Fürsten zu sprechen, von sich abzulehnen.
Der Fürst empfieng ihn mit der grössten Leutseligkeit: Er befragte ihn um ein und andre Neuigkeiten des Aquitanischen Hofs, wie auch, ob er den in kurtzer Zeit so berühmt gewordenen Grafen von Rivera nicht kennete? Der Graf errötete über diese schmeichelhafte Erwehnung seiner person: Er verwünschte in diesem Augenblick alle Verstellung. Ich kenne, sprach er, den Grafen von Rivera so wohl, wie mich selbst: Er wird erster Tagen hier sein: Ich bin voraus gegangen, um dessen Ankunfft Ew. Durchleucht zu melden, und die Erlaubnis bei Deroselben auszubitten, dass er einem so grosen und weisen Fürsten seine Ehrerbietung bezeigen mögte. Der Fürst war über diese Nachricht so erfreuet, dass er solche seiner Gemahlin, welche noch in demselben Zimmer war, zu wissen tat.
Der Graf wurde darauf mit zur Tafel genötiget: Das Gespräch bei derselben war teils von ihm selbst, und von dem mit dem König von Licatien geschlossenen Frieden: teils von dem Kranken, welchen er im Gast-haus unter seine Chur genommen hatte. Die älteste prinzessin sagte hierauf halb im Schertz: Sie hätte hier auch eine Milz-Schwester bei sich, sie bat deswegen den Herrn Doctor, sich ihrer ein wenig anzunehmen: Indem sie dieses sagte, winkte sie mit den Augen einer fräulein, die neben dem Grafen sass, und trank ihr mit einem vertraulichen Lächeln, die Gesundheit zu: Es lebe Riesenburg.
Diese fräulein hatte keine gar gute Farbe, ob sie gleich von einer überaus schönen Bildung war: Sie wurde rot, als die prinzessin diesen Namen Riesenburg aussprach: Der Graf sah darüber die fräulein an, und zweifelte nicht, dass sie die fräulein von Turris sein muste, als von welcher er bereits Nachricht eingezogen hatte, dass sie sich an diesem Ort finden sollte. Er konte darüber sein Vergnügen kaum bergen. Schönste fräulein, fing er ganz ernstaft an: Sie haben ein Anliegen, welches sonst nicht die ärzte zu curiren pflegen: Ich hoffe nichts destoweniger, denselben, wenn sie mir folgen wollen, wieder zu ihrer vorigen Gesundheit zu verhelfen. Der Fürst sah darüber den Grafen an, schüttelte den Kopf, und wuste nicht, was er von ihm denken sollte: Sie scheinen mir, sprach er zu ihm, ein ganz ausserordentlicher Medicus zu sein: Gleichwohl antwortete jener, ist nichts ordentlicher und natürlicher, als die Art, womit ich meine Patienten zu tractiren pflege: Ich werde, fügte er hinzu, in kurtzer Zeit die Gnade haben, Ew. Durchleucht davon ganz unverdächtige Proben zu zeigen.
Der