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Diese ihre Glückseligkeit aber war von keiner langen Dauer. Der Stuhl zu Rom tat sie in den Bann; man überzog sie hin und wieder mit starken KriegsHeeren: teils ergriffen die Waffen, sich ihren Feinden zu widersetzen; teils flohen in einsame Gegenden; noch andere blieben, wo sie waren, und verehrten GOtt im Verborgen. Die ersten machten ihre Sachen nicht gut; sie wurden überwunden, gefangen, getödtet und zerstreuet. An den Orten, wo unsre Vorfahren sich aufgehalten hatten, liess man sie eine Zeitlang in Ruh. Man hat uns keinem fremden Gottesdienst gezwungen: wir haben uns still für uns gehalten, und uns dabei als getreue Untertanen, in allem, was nicht die Freiheit unseres Gewissens verletzet, der weltlichen Obrigkeit und guter Policei unterworfen. Weil aber durch unsern Wandel, und durch die Bücher der Heil. Schrift, die wir verborgen bei uns hatten, viele unserer Nachbarn gerühret wurden; dergestalt, dass sie die Irrtümer ihres vermeinten Gottesdienstes einsahen; folglich davon sich frei und loszumachen suchten; so wurde dadurch die Geistlichkeit wider uns aufgebracht. Man zog uns ein; und weil wir die Sache nicht läugnen mogten: so erging endlich an uns das Urteil, dass wir unsere Güter binnen drei Monaten verkauffen, und hernach das Land räumen sollten; welches wir auch ohne alles Murren taten, und uns hieher verfüget haben, in der hoffnung, Ew. Hochfürstl. Durchleucht werden nicht allein uns, sondern auch unsere Brüder, deren noch viele im land zurück geblieben sind, gnädigst aufzunehmen und einen freien Gottesdienst uns zu verstatten geruhen.
Der Fürst von Argilia sagte diesen Leuten, sie sollten sich morgen wieder bei ihm melden; er wolte die Sache überlegen. Er hatte über dasjenige, was er vernommen, ein tiefes Nachdenken: er fand, dass diese Leute so dächten und glaubten, wie er: ihm blieb also kein Zweiffel übrig, eine Gemeine nach Art dieser Vandalischen Männer aufzurichten. Er entwarf davon den Plan, und als sie wieder kamen, erklärte er ihnen sein Vorhaben.
Ihr sollet, meine liebe Freunde, sprach er zu ihnen, nicht allein bei mir den verlangten Schutz, sondern auch eine solche Gewissens-Freiheit geniessen, dass ihr einen Tempel eurem GOtt, welcher auch der meinige ist, zu Ehren, hier auf diesem Platz bauen sollet. Hier habt ihr Holz, so viel ihr wollet; hauet die Bäume um, verbrennet ihre Wurzeln, bauet euch Häuser, Scheuren, Stallungen, Gärten und Felder; ziehet euch Wiesen für euer Vieh, grabet euch Brunnen und leitet das wasser aus dem nah vorbeifliessenden Bach durch eure Höfe: einige Stunden von hier werdet ihr auch Kalk, Sand und Steine finden: ich will euch die Plätze anweisen, wohin ihr bauen sollet: ich will euch selbst alles entwerfen und angeben; und wann ihr solche Christen seid, als ihr von euch sagt; so will ich meine wohnung selbst unter euch aufschlagen, und mit euch denselben GOtt verehren, der euch zu mir gebracht hat.
Die Vandalische Männer dankten dem Fürsten; und liessen alles auf den Willen GOttes, dessen Knechte sie wären, ankommen.
Die Zahl dieser aus ihrem Land vertriebenen Wanderer belief sich ungefehr auf zehen bis elf HausGefäss. Der Fürst hatte vier bis fünfhundert müssige Soldaten; diese liess er zusammt so vielen Landleuten aufbieten, und durch dieselbe auf zwei bis drei Meilen den Wald aushauen. Die zum Bau tüchtige Stamme liess er auf Haufen legen, und dabei allen und jeden von seinen Untertanen, wie auch Fremden, auf zehen Jahr, Freiheit von allen Abgaben verkündigen, welche sich an diesem Ort häuslich niederlassen, und der neuen Policei sich mit unterwerfen wolten. Wobei er ihnen das benötigte Holz, sammt andern in dasiger Gegend befindlichen Bau-Materialien umsonst abfolgen liess.
Es meldeten sich darauf so wohl Handwerker als Land-Leute, denen er die Plätze und die Art, wie sie bauen sollten, anwies. Die erste bekamen zu ihren Häusern weniger Raum, als die andern, welche wegen ihres Feld-Baues und der dazu gehörigen Viehzucht auch einen grösseren Platz, als jene, vonnöten haben. Alle Häuser wurden zwei Stockwerk hoch aufgeführet, und zu zwei Haushaltungen eingerichtet: zwischen jeder wohnung wurde nach der Strassen zu, ein Platz zu einem Hof gelassen; an welcher von hinten ein Garten von einem Viertel- oder halben Morgen sties.
Mitten durch die Strassen wurden kleine Wasserleitungen gezogen, die ihren Abfluss in einen grossen Canal hatten, welcher zu der Haupt-Strasse dieses Orts bestimmet war: dieser Canal hatte sechszig Werk-Schuh in der Breite: die auf beiden Seiten herlauffende Strassen waren jede von ebenmässiger Breite, und längst dem Canal mit gleichstämmigen jungen Linden-Bäumen besetzt: die Häuser, die dahin gebauet wurden, waren für wohlbegüterte Leute, und für den Adel, an jedes von diesen Gebäuden konte man nebst einer völligen Hofraite auch Gärten von drei bis vier Morgen in die Länge anlegen: dergestalt, dass die Häuser, nach der Strassen zu, das Ansehen einer schönen Stadt, nach dem Feld zu aber die Annehmlichkeit der lustigsten Land-Güter hatten.
Am Ende dieses Canals sah man den Fürstlichen Pallast: er war vordeme nur ein Jagd-Haus, nun aber zeigte sich solcher mit zwei prächtigen Seiten-Flügeln vergrössert, und wurde von der ganzen Fürstlichen Familie bewohnet. Ein dickes Gehölz bedeckte diese Burg zur rechten und zur linken Seiten; von hinten aber hatte sie über einen grossen wohl angelegten Garten, die