Frieden und dem darauf sich gründenden Bündnis wurden demnach zu Papier gebracht, ausgefertiget und unterzeichnet.
Die Abreise des Grafens litt also hierdurch noch einigen Aufschub. Der König fand ein Vergnügen, mit demselben sich in vertrauliche Unterredungen einzulassen. Er verehrte ihm darauf nebst andern Kostbarkeiten sein Bildnis, welches reich mit Diamanten besetzt war, und versicherte ihn dabei seiner besonderen Gnade und Hochachtung.
Das eilfte Buch.
Der Graf von Rivera nahm darauf von Mönnisburg seinen Weg durch den grossen Hercynischen Wald, nach einem Cheruscischen Fürsten, der zu Argilia eigentlich seinen Wohn-Sitz hatte; sich damahls aber an seinem neuerbauten Ort Christianopolis aufhielt.
Der Fürst, der Ort und die Einwohner hatten etwas so einnehmendes und ungewöhnliches, dass der Graf durch die Beschreibung, welche ihm sein Cheruscischer Edelmann davon machte, bewogen wurde, alles selbst in Augenschein zu nehmen.
Der Fürst war ein Herr nahe bei die fünfzig Jahren: er hatte einen Prinzen und zwei Prinzessinnen, davon ins besondere die älteste, von ungefehr achtzehen Jahren, ein Ausbund aller Schönheit und Tugend war: die Fürstin, ihre Frau Mutter, hatte derselben sowohl, als ihren andern beiden Kindern, die beste Erziehung gegeben: sie war selbst ein Muster einer tugendhaften Frauen. Der Fürst übertraff dieselbe noch in der Stärke des Geistes, in dem Mut und in den Wissenschaften.
Er war gebohren mit allen Vorzügen des Leibes und des Geistes, welche wir der natur zuschreiben; die aber bei ihm nichts anders, als besondere Gaben einer gütigen Vorsehung waren; denn an statt, dass überhaupt die Menschen mit einer angeböhrnen Neigung zum Bösen auf die Welt kommen, so machte bei ihm die Neigung zum Guten seine ganze Gemüts-Art aus. Wer wolte sagen, dass GOtt nicht auch zuweilen, obgleich sehr selten, dergleichen Menschen lies ans Tages-Licht kommen, wenn er durch sie besondere Dinge zu wirken vor hat?
Diese vortrefliche Gemüts-Art wurde bei ihm durch eine nicht weniger glückliche Auferziehung formiret. Man zeigte ihm, wie er alle seine Gaben bloss allein zur Verherrlichung seines Schöpfers und zum Dienst anderer Menschen anzuwenden verpflichtet wär. Man unterwies ihn zu dem Ende in allen solchen Wissenschaften, welche ihn zur Erkäntnis GOttes, der Welt und der Menschen führten: zu der ersten brachten ihn die Lehren vom Glauben; zu der andern die Welt-Weisheit; und zu der dritten die Erfahrrung. Seine getane Reisen an die meiste Europäische Höfe, sein Umgang mit allerhand Leuten; und endlich, sein Fleiss in den Wissenschaften und in den Geschäften selbst, vermehrten um ein grosses, was GOtt durch die natur in ihn gelegt hatte.
Es hafteten dem ungeacht in seiner Seel gewisse Zweifel, in Ansehung der so vielerlei Secten und Meinungen in der Christenheit, welche ihn oftmals sehr beunruhigten: er wuste lang nicht, was er davon denken und zu welcher er sich eigentlich halten sollte; er hatte zwar unter allen hier und dar noch gute aufrichtige Leute gefunden; sie waren aber gegen die Bösen so viel als nichts zu rechnen. Das Verderben war allgemein, und es schien, als wolte darin keine Kirche und kein Volk dem andern einige Vorzuge gönnen.
Als sein Herr Vater starb, hatte er noch kaum das zwei und zwantzigste Jahr erreichet; er muste sich also der Regierungs-Last unterziehen, in einem Alter, welches andere Fürsten-Kinder den blossen Lüsten und Ergötzlichkeiten wiedmen. Er und sein Land waren der protestirenden Kirche zugetan. Er wolte bei dem Antritt seiner Regierung und bei seinen noch jungen Jahren keine Neuerungen anfangen; gleichwohl aber schien ihm der Hass, der in seinem land gegen andere Religions-Verwandte herrschte, weder Christlich noch vernünftig. Er konte nicht leiden, dass man sich im Christentum über blosse Kirchen-Gebräuche und Meinungen trennen und deswegen einander alle Christliche Liebe versagen sollte; da sie doch allesamt einen GOtt, einen Heiland und einerlei Gesetz erkannten. Er hielt dafür, dass ein Christ ein weit geduldigeres, liebreicheres und einfältigeres Wesen haben müste, und dass alle diejenige, welche so heftig gegen einander um die Wahrheit des Evangelii stritten, dieselbe am wenigsten kennen müsten, indem sie schnurstracks das Gegenteil täten, was uns Christus und seine Apostel lehreten.
In diesen Betrachtungen war er lang unschlüssig, wie er in seinem Land ein solches Kirchen-Wesen, nach dem Sinn des Evangelii, ohne Spaltung und Sectirerei einführen mögte. Es fanden sich in seinem land eine gewisse Art Leute, die sich für besser und heiliger, als andere hielten, und deswegen mit denen, die da kirchlich, das ist, dem äusserlichen GottesDienst zugetan waren, keine Gemeinschafft haben wolten. Diese hoften, der Fürst würde ihren Einbildungen Glauben beimessen und sich zu ihnen schlagen. Anfangs hatte auch der Fürst sich wirklich von dem Schein ihrer äusserlichen Frömmigkeit einnehmen lassen; zumahl weil sie wider alle Sectirereien sich erklärten und blosserdings an die Lehren des Heilandes sich zu halten vorgaben. Es war aber nicht lang, so erkante der Fürst bei näherer Untersuchung, dass diese Leute selbst die gröste Sectirer waren: und dass sie zugleich solche Unordnungen und Verwirrungen im gemeinen Wesen stifteten, dass er sich vor ihnen mehr als vor allen andern zu fürchten begunte.
Sein wichtigstes Anliegen war also, eine Gemeine von solchen Leuten aufzurichten, welche nach den pur lautern Lehren Christi, ihr Leben und ihren Wandel zu führen Vorhabens wären: sie mögten auch von einer Secten sein, wie sie wolten. Allein, es ereigneten sich gleich Anfangs dabei solche Schwierigkeiten, dass er alle hoffnung verlohr