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wären: er vermahnte deswegen den König, solche ja nicht anzutasten; sondern vielmehr, wie er bishero getan, als ein würdiger Beschützer der Kirchen sich fernerhin zu erzeigen. Er fügte seiner Rede die Drohungen des himmels und des Vaticans hinzu; und bedeutete dem König, dass noch alle Monarchen, die sich unterstanden hätten, dergleichen Eingriffe in die Geistliche Rechte zu tun, sich den Fluch des himmels auf den Hals gezogen und weder Glück noch Seegen bei ihrer Regierung gehabt hätten, davon er ihm hurtig alle denkwürdige Geschichten, die sich ungefehr hieher schicken mogten, aus den GeschichtBüchern anzuführen wuste.

Auf diesen so strengen Gewissens-Prediger folgte der Land-Marschall mit den Abgeordneten von der Ritterschaft. Dieser stellte ebenfalls dem König vor, dass bishero die treugehorsamste Stände alles getan hatten, was in ihrem Vermögen gewesen wär, um der Königlichen Cammer zu dem verwichenen Feldzug den benötigten Vorschub zu tun, und die siegreiche Waffen des Königs gegen seine Feinde zu unterstützen; allein, die bisherige Durchmarsche und stete Einquartirungen auf ihren Gütern und Dorfschaften, zusammt dem erlittenen Miswachs der Feld-Früchten, hätten ihre Kräfte dermassen ausgesogen, dass sie nicht im Stand wären, ein mehrers zu bewilligen, als worzu sie bereits sich verstanden hätten: ihr Majestät, der König, mögte solches alles in mildeste Erwegung ziehen, und dem schon vorhin genug gepresten Adel dero fernerweitigen allergnädigsten Königlichen Schutz huldreichst angedeihen lassen.

Der König wolte den Adel, sowohl als die Geistlichkeit, klaglos stellen; der Fürst von Kärndtenburg aber wuste keine andere Mittel zu ergreiffen, um Geld aufzubringen, als diese beide Stände mit in die neue Anlage zu setzen. Er hatte gern auch das gemeine Volk noch mit mehrern Abgaben beschweret, und neue Zölle und Accisen angelegt; allein Handel und Wandel lag bereits ohnedem schon in diesen Ländern darnieder; und wenn man den Landmann noch härter angesetzt hätte, so würde ihm kaum sein Fuhrwerk noch übrig geblieben sein, damit die nötigste Lebens-Mittel in die Städte zu bringen. Wie nun alle Dinge, wenn sie bis zu einem gewissen Grad gestiegen sind, entweder sich biegen oder brechen; so ging es auch allhier. Der Graf von Rivera hatte sich wirklich bei dem König beurlaubet: alle dessen Vorstellungen waren bisher vergeblich gewesen: der König verliess sich auf seinen staates-Minister, und dieser wolte durchaus in einer Sache nicht nachgeben, die ihm einmal sein Eigensinn zur Regel gemacht hatte. Die Anstalten zur Abreise des Grafens machten unterdessen sowohl bei Hof, als bei dem Volk ein grosses aufsehen: solche war schon auf den andern Tag festgestellet. Der Graf war gesonnen, an einen nechstgelegenen Alemannischen Fürsten-Hof sich zu begeben; unterdessen aber seinen Cheruscischen Edelmann zu Mönnis burg zu lassen; weil er aus den Umständen worin er den Licatischen Hof sah, leicht urteilen konte, dass er sich bald näher zum Ziel legen würde. Dieser Zeitblick war bereits vor der Tür: eine grosse Menge volkes sammlete sich gegen den Abend vor dem Pallast des Fürstens von Kärndtenburg. Dem Fürsten kam solches gleich Anfangs verdächtig vor, und sandt deswegen auf die Hauptwache: allein, ehe man ihm noch zu hülfe kommen konte, so hörte man ein dunkles und durchdringendes Geschrei: Es lebe der König / und sterben alle böse Ratgeber. Diese Losung wurde zugleich mit einem Hagel von Steinen begleitet, welche kein Fenster an dem Pallast des Fürstens auf der Strassen ganz liessen; und wo man nicht bei guter Zeit die Toren des Pallasts geschlossen hätte; so wär ohne Zweifel dieser Tumult auf eine völlige Plünderung desselben hinaus gelauffen; wobei die person des Fürstens am wenigsten Sicherheit würde gefunden haben; dann die Erbitterung des gemeinen volkes gegen ihn war überaus gross.

Der wütende Pöbel wurde zwar darauf von der herannahenden Wache wieder auseinander getrieben; er sammlete sich aber von neuem auf dem grossen BurgPlatz, und wiederhohlte daselbst aus voller Kehle, doch mehr mit einem fürchterlichen Gebrüll, als vernehmlichen Ton, die vorige Losung: Es lebe der König / und sterben alle böse Ratgeber. Und da er auch hier von der aufgebotenen Besatzung aus einander gejagt wurde, so hörte man doch die ganze Nacht durch diese Worte von einzeln kleinen Hauffen noch hin und wieder in den Strassen erschallen.

Der staates-Secretarius, als er sah, wo die Sachen hinaus wolten, fuhr noch denselben Abend zu dem Grafen von Rivera. Er bat ihn, morgen noch nicht zu verreisen: er sagte, dass er in den Aspecten seines Hofs einen guten Planeten entdeckte, und dass sie würden Friede machen.

Der andere Tag war kaum erschienen, so wurde der staates-Secretarius nebst den andern staates-Räten zu dem König gerufen: mittlerweile, dass der Fürst von Kärndtenburg, um der Wut des Pöbels zu entgehen sich heimlich aus der Stadt gemacht hatte. Der König befragte den versammleten geheimen Rat, was bei so gestalten Sachen zu tun wäre: dieser riete zum Frieden; nachdem er zuvor dem König die allgemeine Not und das Misvergnügen aller Stände des Reichs aufs beweglichste vorgestellt hatte.

Der König liess darauf den Grafen von Rivera nach hof bitten: man beratschlagte sich mit ihm aufs neue, wie man die Sache auseinander setzen, und die noch strittige Puncten vergleichen mögte. Der Graf aber wolte durchaus von seinem Plan, der auf einen beständigen Frieden zielte, nicht abweichen. Man fand endlich, dass die Absichten des Grafens Grund hatten, dass sie der Billigkeit gemäs waren, und dass sie den Wohlstand beider Reiche schützten. Die Articul von dem