geringeren Kosten, und mit Erhaltung der gemeinen Ruh, hätten tun können.
Dass die öffentliche Versammlungs-Plätze, wo man die Zwistigkeiten der Potentaten zu erörtern pflegt, nicht allemahl einen gewünschten Ausgang haben, solches zeiget die Erfahrung. Es sind insgemein dabei zu vielerleiy Leute, die darunter ihren Nutzen finden, wenn sie die Tractaten fein weit hinaus spielen: die Herren Rechts-Gelehrten kommen auch dabei mit in die Anfrage, und wo diese erst mit einander sich in einen Feder-Krieg verwickeln, da ist der Knote nicht anders mehr, als durch einen Gordianischen SchwerdStreich zu lösen. Bei solchen Tractaten muss man über dem stets neue Berichte von den Höfen einholen: der Rang und die Vorrechte der hohen Häupter verursachen auch öfters ein unnützliches und weitläuftiges Gezäncke; wodurch die Gemüter der Regenten mehr zum Krieg, als zum Frieden gereitzet werden. Es kommen unterdessen auch allerhand Zwischen-Fälle, welche die Unterhandlungen verwirren, oder doch wenigstens aufhalten: Zeit und Unkosten gehen darüber verlohren, und keiner weiss, woran er ist.
Diese und dergleichen Umstände, fuhr der Graf fort, haben meinen allergnädigsten König bewogen, an Ew. Königl. Majestät, mich in möglichster Eile abzusenden, und mich dahin zu bevollmächtigen, dass alles, was ich in dero höchsten Namen mit Ew. Königlichen Majestät schliessen würde, für genehm, und ausgemacht sollte gehalten werden.
Der König bezeigte hierauf dem Grafen, dass es ihm lieb wär, dass der Aquitanische Hof ihm wegen der mit ihm obschwebenden Streitigkeiten einige Friedens-Vorschläge wolte tun lassen; und war ihm dazu die person des Herrn Grafens um so viel angenehmer, weil er bisher viel gutes und rühmliches von ihm gehöret hätte.
Als nun der Graf darauf seinen Vortrag getan und dessen Vorstellungen auch dem König einzuleuchten schienen; so bat er den König, solche näher zu überlegen und ihm die Gnade zu erweisen, die Sache selbst, nach seiner eignen hohen Einsicht, mit ihm abzutun; allein, der König wolte sich darauf in keine Wege mit dem Grafen einlassen; sondern verwies ihn disfalls lediglich an seinen obersten staates-Minister, den Fürsten von Kärndtenburg.
O ihr stolze Beherrscher dieser Erden, dachte hier der Graf bei sich selbst, seid ihr denn nur deswegen der Völker Herr und Haupt, um eure Tage in Wollust und Müssiggang zuzubringen? Er bedauerte heimlich diesen Monarchen, dem die natur Vernunft und Gaben genug verliehen hatte, seine Staaten selbst zu beherrschen, und der aus blosser Weichlichkeit, welche von der Gewohnheit und einer üblen ErziehungsArt herrührte, sich aller Geschäften entschlug; und nur deswegen König war, weil auch seine Vorfahren waren Könige gewesen; gleich als ob man mit der blossen Geburt, zugleich auch die Weisheit bekäm, Völker zu regieren.
Der Graf von Rivera muste sich also gefallen lassen, mit seinen Friedens-Vorschlägen zu dem Fürsten von Karndtenburg zu gehen. Dieser hatte zwar Einsicht und Verstand; allein, noch weit mehr Einbildung und Hochmut: ein stolzes aufgeblasenes Wesen begleitete alle seine Handlungen: seine Geburt, sein Glück, sein Gestalt, seine Würde und sein Pracht, gaben ihm das Ansehen einer ungemeinen Hoheit, welche so wohl der Hof als das Volk verehrte, und die gewisser massen der König selbst fürchtete. Niemand unterstund sich also ihm entgegen zu reden: was er wolte, das muste geschehen: Man konte noch sicherer den König selbst beleidigen, als ihn.
Weil der Graf ihn gleichsam war vorbei gegangen, indem er sich mit seinen Vorschlägen gerad an den König gemacht hatte; so gedachte jetzt der Fürst demselben die Wichtigkeit seiner person recht in die Augen zu stellen. Der König hatte den Grafen mit der grössten Leutseligkeit empfangen; hier aber machte ihm der Minister eine spreustige Mine: er warf den Kopf, welcher in einer grossen auf beiden Seiten über den Bauch herunter hängenden staates-Perrucke eingehüllet war, aus Hochmut so weit zurück, als die Majestät des Monarchens, aus Freundlichkeit, vor dem Bevollmächtigten eines grossen benachbarten Königs, sich geneiget hatte. Der Graf zeigte dem Fürsten hierüber nicht die geringste Empfindlichkeit: seine Gebehrden waren von natur frei und ungezwungen: er konte so wenig niederträchtig, als lächerlich-hochmütig sein. Er sah bald, dass er bei diesem Minister nicht viel ausrichten würde. Der Geist dieses Fürsten kam ihm um so viel kleiner vor, je grösser und schwülstiger derselbe sich seinen Augen darstellte: Selten, dass ein so aufgeblasener körper die Herberge einer weisen Seele ist.
Der Graf durchging dem ungeacht mit ihm die Ursachen, die den Krieg zwischen den beiden Cronen veranlasset hatten, und zeigte ganz natürlich, wie solche am leichtsten zu heben, und ein dauerhafter Friede mögte geschlossen werden; allein, der Fürst wolte alles besser wissen, und konte nicht leiden, dass sich der Graf anmassete, so viel Verstand zu haben; er verwarf dessen ganzen Plan, und wolte durchaus in allen Stücken nachgegeben haben.
Der Graf muste also hier auf andre Mittel sinnen, seinen Zweck zu erreichen: er sah wohl, dass in solcherlei Geschäften, ganz ohne List nicht wohl fortzukommen war. Der Endzweck macht öfters eine Sache gut, oder bös. Der Graf hatte die beste Absichten von der Welt. Er wolte niemand schaden, sondern vielmehr, wenn es in seiner Macht stünde, aller Menschen Wohlfahrt befördern helfen.
Er war nicht der Meinung, seinem König fremde Völker zu unterwerfen; er suchte es nur dahin zu bringen, dass er seine eigne in Ruh und Friede beherrschen mögte. Er hielt