. Ich setzte selbst noch einige anmutige Bilder mit in den süss-gemachten Entwurf dieser uns vorgenommenen neuen Lebens-Art; worunter ich auch den Scherz mit einmengte, dass wir gleichwohl eine gewisse Verfassung machen müsten, wenn ungefehr ein Cavalier, wie der Graf von Rivera, in unseren einsamen Gefildern sich verirren mögte, wie wir denselben empfangen wolten; denn, fügte ich hinzu, da wir das alte Arcadien, bei unserm Land-Leben wieder einführen wollen, so könnte uns auch leicht der Possen wiederfahren, dass ein getreuer Schäfer bei uns sich einschleichen, und das zarte Herz meiner schönen Gräfin in neue Gefahr setzen mögte.
Sie versicherte mich, dass sie dieses am wenigsten zu fürchten hätte, weil sie nimmermehr von einer so unglückseligen Neigung, wie die Liebe wär, sich wieder einnehmen lassen würde. Wie werden wir aber von Panopolis wegkommen, fragte ich sie weiter? Meine anhaltende Unpässlichkeit, sagte sie, wird mir zu einem hinlänglichen Vorwand dienen, wieder nach Prato zurückzukehren. Meine Frau Mutter wird mir sodann leicht vergönnen, mich von da nach unserem Meier-Hof zu begeben, um dadurch sowohl den Zuspruch des Königs, als seiner Höflinge zu vermeiden.
Die Gräfin eröffnete darauf dieses Vorhaben dem Herzogen: er willigte ungerne darein, sie wieder von sich zu lassen; denn er liebete sie sehr; sie wuste ihm aber solche Vorstellungen zu machen, und sich dabei so mutlos zu gebehrden, dass er sie endlich wegreisen liess. Er hat uns seit dem öfters in unsrer Einsamkeit besucht, und seiner Basen, da er gesehen, dass ihre Gesundheit sich hergestellet hatte, des Königs halber sehr angelegen; allein, sie bat ihn beständig, ihre Ruhe nicht zu stöhren, und stellte ihm dabei vor, dass ihre Gemüts-Art, sich zu nichts weniger als zu einer Königin schickte. Der Herzog sah wohl, dass dieses nur blosse Ausflüchte waren; er muste sich aber damit abweisen lassen. Je hochmütiger sich hierbei ihr Herz gegen den König erklärte; desto gütiger war solches, wenn sie des Herrn Grafens sich erinnerte. Dieses geschah so oft, dass ich öfters darüber mit ihr scherzte: sie sprach von nichts lieber, sie erkundigte sich um alles, was man von ihnen sagte, und was ihnen begegnete.
Wir erhielten einsmahl die Nachricht, dass sie bei dem letzten Haupt-Treffen in grosser Lebens-Gefahr gewesen wären: wir lasen solches in den gedruckten Zeitungen. Dieses setzte die Zärtlichkeit meiner Gräfin in ungemeine Bewegung. Ach! seufzete sie, wenn nun der Graf geblieben wär, würde ich mir die Schuld davon nicht beizumessen haben? er wär nimmermehr solcher Gefahr ausgestellt worden, wenn des Königs Eifersucht ihn nicht suchte aus dem Weg zu räumen. Ach, unglücklicher Graf! fügte sie hinzu, hätte ich ihn doch nie geliebet.
Als sie nun bei ihrer Zurückkunft die Nachricht erhielt, dass sie an die Herzogin von Salona sich würden trauen lassen, so hatte sie wieder eine andere Art von Bekümmerniss; und allem Ansehen nach wird das Vergnügen, welches sie jetzt empfindet, den Herrn Grafen noch frei zu wissen, sie doch nicht völlig beruhigen.
Die Gräfin und der Herr von Greenhielm gesellten sich darauf wieder zu dem Grafen: dieser hätte gern die Gräfin bis auf ihren Meier-Hof begleitet; allein die Umstände wolten es nicht erlauben. Er ging deswegen mit ihr und Asmenien nur bis ein Stückwegs vor den Flecken: die Luft war nach der damahligen Zeit schon ziemlich rauh: diese beide Damen aber waren derselben nicht mehr so entwöhnet, als das Frauenzimmer in den Städten. Der Graf und die Gräfin konnten sich einander bei dieser gelegenheit ihre Regungen nicht bergen. O, wie beredt waren hier ihre Augen! wie schön schmeichelte die Liebe! wie schmerzte der Abschied! wie grausam schien ihnen der Zwang, damit sie sich verstellen mussten! der Graf küsste darauf der Gräfin die Hand, und brachte sie auf ihre Gutsche: sie hatte die Augen voll Tränen, und in dieser mehr als zärtlichen Bewegung schieden sie von einander.
Der Graf war unterwegs immer in tiefen Gedanken: der Herr von Greenhielm scherzte darüber mit ihm. Der Graf bekante ihm seine Empfindlichkeit: er hielt dafür, dass wir Menschen über die Regungen unseres Herzens nicht Meister wären: doch müste die Tugend und die Redlichkeit allen unordentlichen Ausschweiffungen Maass und Ziel setzen.
Endlich kamen diese beide Herren nach Toscana, wo sie unter den zärtlichsten Versicherungen einer immerwährenden Freundschaft und Hochachtung von einander Abschied nahmen. Der Herr von Greenhielm verfolgte seine Reise nach Scandinavien; der Graf aber, nachdem er in Toscana die nötige Pässe erhalten, begab sich an den Licatischen Hof, nach Mönnisburg.
Er wurde von dem König auf das leutseligste empfangen, und hatte das Glück, sich über eine Stunde lang allein mit ihm zu unterreden. Der König verwunderte sich, dass der Graf in verschiedenen Umständen besser, als er selbst, von den Angelegenheiten seines Reichs unterrichtet war.
Ich komme, sagte der Graf zu demselben, Ew. Majestät gleiche Vorteile vor dero Reiche und Völker anzutragen, als ich für diejenige meines allergnädigsten Königs zu erlangen suche. Ich weiss, dass die Rechte der Majestäten heilig sind, und dass der Krieg für das einzige Mittel gehalten wird, ihre Streitigkeiten aus einander zu setzen; dieses Mittel aber ist immer der grössten Gefahr unterworfen: man muss endlich doch wieder Friede machen, und diese notwendigkeit zwinget sodenn die streitende Machten, dasjenige nach vielem Blutvergiessen einzugehen, was sie zuvor mit weit