und in der besten Gesellschaft von der Welt, versprechen konte.
Endlich kam die Zeit herbei, da der Graf von Rivera seine Reise nach Panopolis antrat. Der Abschied war beweglich; er kostete so wohl der alten Gräfin, als ihren beiden Töchtern mehr als tausend Tränen. Der Herr von Bellamont begleitete ihn bis auf das erste Nachtlager. Sie schieden voneinander, nachdem sie sich nochmahlen die verbindlichste Versicherungen einer immerwährenden Freundschaft gegeben hatten.
Der Graf kam glücklich nach Panopolis und trat bei dem Herrn von Ridelo, dem Schwieger-Sohn des Herrn von Bellemont, ab. Dieser sowohl als dessen Gemahlin empfiengen den Grafen, als ob er einer ihrer nächsten Anverwandten wär. Der Herr von Ridelo war kein Mann von grossem Ansehen; er war einfältig von Gemüt, aber durchdringend von Verstand; er redete wenig; was er aber sagte, war voller Geist und Nachdenken. Er kam nicht nach hof, als wann ihn seine Geschäffte dahin forderten. Seine Frau hingegen war von einem sehr aufgeräumten Gemüt. Sie liebte die Gesellschaft und alle erlaubte Belustigungen; sie schien für die Menschen, ihr Mann aber nur für weise Menschen geschaffen zu sein. Ihre Schwester, die junge Mariana, war eine von den wachsenden Schönheiten, die bei einem stillen und eingezogenen Wesen doch weder Mangel an Feuer noch Geist hatte.
In dieser angenehmen Gesellschaft sah sich der Graf von Rivera beständig, so lang er zu Panopolis war; die verschiedene Gemüts-Art dieser dreien Personen vereinigte sich für denselben in einerlei Hochachtung.
Der Graf begab sich gleich nach seiner Ankunft zu dem König: er küsste mit Demut den Saum seines Rocks, dankte ihm für die Gnad, dass er ihn zum Cammerherrn ernennet hatte und wünschte, dass demselben seine Dienste angenehm sein mögten. Der König empfing ihn mit der grössten Leutseligkeit: er sagte, dass er sich selbst seiner erinnert und geglaubt hätte, dass eine person von seinen Verdiensten, so wohl ihm als dem Staat nützlich sein konte.
Der König war von natur nicht ganz bösartig; Er war zu keinem Tyrannen gebohren: Er hatte viel gute Eigenschaften; sie waren aber durch eine üble Erziehung verdorben worden: er war der Unordnung, der Schwelgerei und den Wohllüstigen ergeben; Er meinte nur deswegen König zu sein, um seinen Begierden desto freier nachzuleben. Die Regierungs-Last schien ihm zu beschwehrlich: Wenn er in einem Morgen zehen bis zwanzigmal seinen Namen unterzeichnen sollte, so waren dieses allzugrosse Bemühungen für einen König, der in den Gedanken stunde, die Lust der Crone sei für ihn, und die Last der Regierung für seine Räte.
Der Herzog von Sandilien, dessen oberster StaatsMinister, hatte alle grosse Eigenschaften, die ins Auge fallen und bei andern Ehrfurcht und Hochachtung erwecken. Er war von einer ansehnlichen Gestalt, und hatte etwas grossmütiges und glückliches in seiner Bildung: seine Gebehrden waren edel und ungezwungen; er war dabei überaus prächtig und wusste sich ungemein wohl zu kleiden. Es mangelten ihm aber diejenige Wissenschaften, die zu einem grossen staates-Minister erfordert wurden; Er erhielte sich auf diesem hohen Posten durch seinen Eifer für den König und durch seine Gefälligkeiten für andere. Er liess einen jeden tun, was er wolte; wo zwei StaatsBedienten sich über einige Vorteile entzweiten, da wurde die Sache durch ihn, auf Unkosten des staates, beigelegt. Er lenkte sich zu keiner Partei; sondern suchte das Haupt von allen zu sein: Auf solche Weise war einer jeden an seiner Erhaltung gelegen.
Die krieges-Leute liebten ihn, weil er ihnen viel Freiheit und Mutwillen verstattete. Die staates-Räte und Hof-Bedienten waren durchgehends mit ihm wohl zufrieden, weil er von ihnen keine Rechenschaft forderte und einem jeden in seiner Verrichtung freie Hand liess. Die Geistlichkeit verehrte an ihm einen guten Christen, weil er in ihre Glaubens-Händel sich nicht mischte: Die Gelehrten auf hohen schulen fanden auch nichts an ihm auszusetzen, weil er ihnen gute Besoldungen gab; und die Dichter, die von der Schmeichelei leben müssen, reimten sich ihm zu Ehren fast zu tod, weil er ihnen für ihre Lob-Sprüche stattliche Geschenke reichen liess.
Nur der Staat litte allein; das Land wurde bei Hof verzehret, und der Landmann, durch die schwere Geld-Erpressungen ganz entkräftet, begunte an etlichen Orten den Pflug zu verlassen, und sich teils aufs Plündern, teils aufs Bettlen zu legen. Die Pachter und Beamten aber, welche das arme Volk wie die Blut-Igeln aussogen, schleppten ihre feiste Wänste und gefüllete Beutel in die Städte und wurden zu des Landes Verderben vornehme Herren. Schifffahrt und Handlung lagen darnieder: Die Schulden wurden nicht bezahlt: der Kauffmann muste seine Waaren borgen, und die Handwerker verprassten auf den Sonn- und fest-Tägen, was sie an den Werktägen verdienten.
Den Soldaten war die Zeit und sie dem Staat zur Last; sie waren blosse Müssiggänger, und wenn sie etwas taten, so geschahe solches zu ihrem und anderer Leute Verderben. Der junge Adel lebte in der grössten Uppigkeit: wer das Herz hatte wider alle gesetz zu handeln und mit der Religion sein Gespött zu treiben, der wurde für den besten Edelmann gehalten.
In den Gerichts-Höfen sah es jämmerlich aus: viel tausend Wortfechter und Causenmacher nährten sich auf Unkosten der unglückseligen Parteien: das Recht selbst wurde durch sie in eine unendliche Verwirrung gebracht: das Geld und die Geschenke trieben allein auf einen günstigen Spruch.
In den Tempeln regierte die eingebildete Weisheit der Schriftgelehrten bis zum