brachte sie in ein nah-gelegenes Haus. Der Graf drang mit dem Volk dahin. Ein Jäger stellte sich vor die Tür und wolte niemand einlassen: der Graf aber, welchen ein verborgener Trieb aufgebracht hatte, fragte ihn nicht lang: er fasste ihn bei dem Arm und schlenkerte ihn so hurtig von seinem Posten weg, dass dieser nicht wuste, wie ihm geschah. Er kam damit in das Zimmer, wo diese Schöne der andern Dame im Schoose lag: wie gross war nicht dessen Bestürzung, als er hier die Gräfin von Monteras und Asmenien erkannte. Der Hut war der Gräfin abgefallen: ihre Haare hiengen in einer natürlichen Unordnung um ihr erblasstes Angesicht: Die Brust war etwas mehr als sonst entblöset: niemals hat man etwas reitzendres, niemals etwas schöners gesehen: der Graf war für Entzückung ausser sich: er lag zu ihren Füssen, und hatte sie an ihre beide hände gefasset: auf welche sein Mund alle leidenschaft, die er empfand, abzudrucken schien. Die Gräfin kam darauf wieder zu sich selber: ihre halb-gebrochene Augen öffneten sich. Ach, Herr Graf! sagte sie mit einer schwächlichen stimme, warum kommen sie an diesen Ort? Ich meinte sie nimmer wieder zu sehen.
Gnädige Gräfin, gab der Graf zur Antwort, ein unerforschliches Schicksal, und nicht einiger Vorsatz, führet mich hieher, um ihnen, vor meiner Abreis aus diesem Königreich, noch diejenige Ergebenheit zu bezeigen, damit ich dieselbe unendlich verehre. Wie, Herr Graf! versetzte die Gräfin, voller Verwunderung, wie schicket sich denn diese Reise für einen Verlobten der Herzogin von Salona? Ich! antwortete der Graf, ich ein Verlobter der Herzogin von Salona? wer hat Ew. Gnaden dieses Gedichte vorgesagt? die Gräfin antwortete: Mein Oheim der Herzog von Sandilien; welcher mich zugleich versichert, der Herr Graf würden nach geendigtem Feldzug unfehlbar mit dieser Herzogin sich vermählen. Der Graf beteuerte ihr, dass er von keiner Verbindung, weder mit der Herzogin von Salona, noch mit einer andern, etwas wisse; und dass es ihn wunder nehme, wie die Gräfin nicht besser von den Neuigkeiten des Hofes unterrichtet wär. Die Herzogin von Salona seie mit einem Alemannischen Prinzen versprochen: ihn selbst aber hinderte eine grausame Pflicht, ihr von dem Zustand seines Herzens nähere Nachricht zu geben.
Der Graf hatte seine meiste Leute mit dem Gepäck voraus geschicket; sein bei sich habendes Gefolg bestund nur aus einigen Leib-Dienern: bei diesen erkundigte sich das neugierige Volk nach ihrem Herrn: der Graf aber hatte ihnen bereits verbotten, dass sie ihn nicht sollten zu erkennen geben.
Weil es Mittag war, wolte das Land-Volk gern ihre Gräfin speisen sehen. Jung und Alt hatten sich darauf gefreuet: man verehrte sie wegen ihrer Leutseligkeit in der ganzen Gegend, nicht weniger als die Heiden eine ihrer Gotteiten. Der Graf und die Gräfin hatten sich einander so viel zu erzehlen, dass sie nicht so bald sich wieder trennen wolten; sie gingen deswegen zusammen in dasjenige Haus, wo man für die Gräfin das Mittagmahl bereitet hatte. Die junge Baurendirnen lieffen mit ihren Eltern neben her. Ach, was ein schöner Herr! ach, was ein schönes Paar! hörte man sie von allen Seiten ausrufen.
Es war für die beide frembde Herren mit aufgedeckt. Der Herr Caplan und ein Beamter hatten die Ehre, die Gräfin an der Tafel zu bedienen. Diese sowohl, als der Graf, konnten ihre Neigungen vor so vielen Augen, die auf sie gerichtet waren, kaum verbergen: sie waren allzuvergnügt beisammen zu sein: ihre Blicke sagten sich solches einander mit einer ungemeinen Lebhaftigkeit. Der Caplan, der ein starker wohl ausgemästeter Bruder war, und dem die Wollust aus seinem dicken roten Kopf mehr als die Geistlichkeit leuchtete, beobachtete diese geheime Verständniss: er bekümmerte sich deswegen am meisten zu erforschen, wer dieser vornehme Herr wär. Er erfuhr aber weiter nichts, als dass er ein Befreundter von der Gräfin sei.
Die Dorf-Music mit ihrem Dudelsack liess sich darauf vor dem haus hören: man stunde von der Tafel auf: die vergnügte Bauern-Jugend schloss wieder ihren Reihen, und sang darunter mit Freuden ihre unschuldige Hirten-Lieder.
Während dieser Kurzweil bezeigte der Graf ein grosses Verlangen von der Gräfin zu vernehmen, wie es ihr seit der Zeit ergangen wär, als er sie zum letztenmahl in Prato gesehen hätte; und was sie bewegte, so einsam in dieser Gegend auf einem abgelegenen Meier-Hof ihr Leben zuzubringen. Die Gräfin hatte gleiche Begierde auch des Grafens begebenheiten zu wissen: sie erzehlten sich solche einander; der Graf vergass nicht, einige Umstände mit in seine Erzehlung zu setzen, daraus die Gräfin die Beständigkeit seiner Liebe urteilen konte; die Gräfin aber hielt ihre Schamhaftigkeit zurück, dem Grafen alles dasjenige zu entdecken, was sie bisher seinetwegen gelitten hatte: Asmenie nahm deswegen hier das Wort.
Nachdem meine Gräfin, begunte dieselbe ihre Erzehlung, von ihrer Krankheit wieder so gut als genesen war, und nur verlangte wieder zu ihrer Frau Mutter nach Prato zu gehen; so brachte ihr der Herzog von Sandilien die Nachricht, dass zwischen dem Herrn Grafen und der Herzogin von Salona eine Heirat im Vorschlag wär, damit dem König die auf sie geworfene Eifersucht aus dem Sinn mögte gebracht werden.
Wir hörten kurz darauf von eben demselben, dass diese Heirat so gut als richtig sei. Meine Gräfin könnte darüber ihre Empfindung nicht bergen: sie liebt den Herrn Grafen auf eine