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Koch mit einer ganz trocknen Art heraus sagte, von Herzen lachen; und als Hippon darauf seine gewöhnliche Stelle hinter ihm, bei dem Mundschenk einnehmen wolte, befahl ihm der König, weil er die Küche so Medicinisch besorget hatte, dass er auch mit essen sollte. Die andere Herren wurden angewiesen in einem von den sogenannten Pavillons zu speisen.

Der König ass, ohneracht der wenigen Tractamenten, mit so grossen Appetit, dass seine beide Gesundheits-Räte ihm darin Einhalt tun mussten. Nach der Tafel liessen sie, weil es gut Wetter war, des Königs Jagd-Wagen anspannen, und fuhren mit ihm nach dem Wald, wo der Graf einiges wild hatte zusamen treiben lassen: im Holz liessen sich die Jäger mit ihren Jagd-Hörnern hören, und der König schoss ein paar Rehböck. Den Abend hatte der Graf ein paar vortreffliche Sängerinnen, nebst einigen Königlichen Virtuosen zu einer Cammer-Music bestellet, wobei der König sich überaus vergnügt bezeigte.

Der Graf unterhielt sich bei dieser gelegenheit eine Weile mit dem alten Einsidler in seinem Zimmer allein. Er empfieng von ihm die beste Lehren, und fragte ihn in den wichtigsten Dingen um Rat. Der Einsidler warnete ihn insonderheit vor der Ehrsucht, als der allergefährlichste Neigung grosser Geister; sie müssen sich, sprach er zu demselben, als ein Werkzeug in der Hand der Göttlichen Vorsehung betrachten; ohne sich selbst deswegen im mindesten etwas von dem guten Fortgang einer Sache zuzuschreiben, noch sich darüber selbst zu schmeicheln. Dann dieses trennet den Menschen von GOtt; und ausser GOtt ist der Mensch eine arme und elende Creatur.

Der Graf war in diesem Fall nicht wie andere junge Leute, die, wenn sie ein blindes Glück erhoben, solches ihrer eigenen Vortrefflichkeit zuschreiben, und in dieser Einbildung so weit gehen, dass sie meinen, sie wüsten bereits alles; und hätten deswegen nicht nötig, dass man sie noch unterrichte. So grosse Eigenschaften auch in dem Grafen sich beisammen fanden, so hatte er dennoch an sich selbst und an seinen Verrichtungen noch vieles auszusetzen: er bekannt solches dem frommen Einsiedler: Ich habe wohl, sprach er, gute Meinungen und Absichten; allein, ich bin noch weit vom Ziel: ich bin oft mit mir selbst so wenig zufrieden, dass ich schier darüber den Mut verliehre.

Dieses ist wohl, mein liebster Graf, antwortete ihm Pandorest, in gewissen Absichten gut; allein, sie müssen sich dabei wohl in acht nehmen, dass dieses Misfallen ihrer selbst nicht zu weit gehe: es steckt öfters ein subtiler Hochmut darunter verborgen, welcher nur deswegen mit sich selbst nicht zufrieden ist, weil uns gewisse Gaben und Vollkommenheiten mangeln, damit man gerne sich gross machen, und sich selbst wohlgefallen mögte. Die währe Weisheit entdecket uns die Abhänglichkeit von GOtt, und unser eigen Nichts: sind wir einmal so weit gekommen, so wird es uns wenig Kummer machen, ob wir wenig oder viel Gaben besitzen: wir sind zufrieden, so lang wir uns einfältig und aufrichtig an GOtt halten; er mag uns zu etwas grosses, oder auch zu nichts in dieser Welt gebrauchen: seine Absichten sind die Regeln unseres Lebens; und wie er uns solche zu erkennen gibt, so müssen wir uns ihnen auch hingeben. Die Einflüsse von oben, welche alles Gute in uns beleben und hervorbringen, mangeln niemals bei einem rechtschaffenen Eifer, der die Redlichkeit unseres Herzens zum grund hat.

Als diese beide Herren also mit einander redeten, erschallte im grossen Saal die Music. Der Graf nahm daher Anlass den Einsiedler zu fragen, was er von den gewöhnlichen Lustbarkeiten des Hofes hielte, und ob er wohl meinte, dass ein guter Christ, ohne Verletzung seines Gewissens, daran mit Anteil nehmen könnte. Wenn dergleichen Ergötzlichkeiten an und für sich selbst unschuldig sind: antwortete dieser, so sehe ich nicht, was man dadurch bei GOtt verdienen sollte, wenn man sich ihrer entäussern wolte. Ein jedes Alter und ein jeder Stand aber hat seine gewisse Ergötzlichkeiten, die ihm eigen sind; je älter man wird, je mehr verliehret man davon den Geschmack. Die Sinnen nutzen sich nach und nach ab, und werden stumpf: das zärtliche Gefühl, die Empfindungen der Lust, die Stärke der Einbildungs-Kraft verschwinden; und man kan mit dem alten Barsillai die stimme der Sänger und Sängerinnen nicht mehr unterscheiden. Unterdessen aber gönnte dieser doch solche Freude noch gerne seinem Sohn, und liess ihn auch mit dem König David nach hof ziehen.

Es sind, fuhr Pandoresto fort, verschiedene Arten der Belustigungen: einige sind ihrer natur nach unschuldig, und werden, nachdem man sich derselben bedienet, entweder gut, oder böse. Sie sind gut, wann sie die Gesundheit des Leibes befördern, den Geist ermuntern, und das Herz mit edlen und grossmütigen Regungen erfüllen: sie sind böse, wenn sie das Gegenteil wirken, und diejenige heilige Ordnung stöhren, welche GOtt in allen unsern Handlungen will beobachtet wissen. Die beste Sachen in der Welt können durch einen verkehrten und unordentlichen Gebrauch böse werden: die Strafen folgen hier dem Verbrechen auf dem fuss nach; GOtt strafet dergleichen Laster und Ausschweifungen nicht: sie rächen sich selbst, und strafen die Ubertreter der Göttlichen Unordnungen mit einem ihrem Verbrechen gemässen Leiden: Lasterhafte Leute machen auch die unschuldigsten Ergötzlichkeiten böse: ihnen ist nichts eine Lust, wo die Sünde solche nicht schärfet und abscheulich macht. Die natur eines vernünftigen Menschen ist ihnen dazu nicht empfindlich genug: sie müssen dabei die Menschheit ausziehen, die