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. Majestät allmählich wieder in die Ordnung, sprach er zu dem König. Der Tee mit einigen frisch-eingemachten Pomeranzen-Schalen war zum Frühstück bereit. Der König ging dabei im Schlafrock in diesem kleinen Lust-Gebäude herum: er sah von aussen die anmutigste Gegend, und von innen die sinnreichste Gemählde, welche mit den nachdrücklichsten Sinnbildern, und Lebens-Regeln bezeichnet waren. Der Graf machte den König unter andern folgende beobachten:

Ein springendes wasser, dessen in die Luft schiessender Strahl eine Crone in der Höhe erhält: mit dieser Unterschrift; Er erhält. Vermutlich weiset dieses Sinnbild, sagte der Graf, auf die Göttliche Vorsehung, welche gecrönte Häupter, durch ihre verborgene Macht, in der Höh erhält, ohne welche sie sonst leicht zu Boden stürzen.

Ein von einem Felsen sich herab-stürzender Bach, welcher ein Mühl-Rad treibet, mit den Worten: Lebendige wasser treiben. Der Graf erklärte dieses Sinnbild, dass das Leben und die Gesundheit des Menschen in einer fortdaurenden Bewegung, und in dem steten Zufluss reiner und frischer Säfte bestünde. Stille wasser, sprach er, haben insgemein schädliche Dünste; da im Gegenteil rauschende Bäche, die sich von hohen Felsen in die Täler ergiessen, für die gesundeste gehalten werden. Immer stille liegen, macht den Menschen dickblütig; immer rennen und lauffen erschöpfet die Kräfte. In einer ordentlichen Bewegung aber bestehet das geheimnis der Gesundheit. Die Gemüts-Ruh müssen wir in uns selbst suchen, sie können von aussen nicht in uns. Angenehme Zufälle erfreuen; widerwärtige betrüben; beide aber stöhren nicht leicht unsere Gemüts-Ruh, wenn einmal das Triebwerck unserer natur in Ordnung ist.

Das dritte, worüber der König selbst eine Auslegung verlangte, war ein Feld voll allerhand Waffen und Rüstungen, in dessen Mitte ein geharnischter Plock stunde, wobei sich Pallas in den Wolken zeigte: mit der Umschrift: Was nutzen diese / wo jene abwesend ist?

Dieses erkläret sich leicht, antwortete der Graf; die Waffen bedeuten Macht und Stärke; wo aber die Weisheit, welche hier durch die Pallas vorgestellet wird, abwesend ist; da kan mit allen Waffen und verkehrten Anstalten nichts ausgerichtet werden. Dieses neben stehende will fast eben dieses sagen: Es ist ein mit vollen Seegeln durch die Meeres-Wellen streichendes Schiff, welches nur von einem Steuermann regieret wird: die Worte sind: Einer regieret alles. Dieses kan unmittelbar von GOtt, mittelbar aber von einem Regenten verstanden werden, wo das versehen eines einzigen Menschen oft viele tausend unglücklich macht; nicht anders, als ein unverständiger Steuermann, der sich mit so viel Menschen und Gütern, die er auf seinem Schiffe hat, in den Grund seegelt.

Was bedeutet dann, forschte der König weiter, dieses vortrefliche Geschirr, da so viel Leute nach einander kommen, und was sie in ihren Gefässen tragen, hineinschütten; welches aber alles unten wieder durchläuft, und von Kröten, Eidexen, Schlangen und anderem Ungeziefer aufgelecket wird? Die Unterschrift lautet: Wir füllen vergebens. Dieses, allergnädigster König, hat wohl eine nachdenkliche Bedeutung. Der schöne Topf, den Ew. Majestät hier sehen, ist dero Schatz-Cammer: die Leute, die Most und Oel hinein schütten, sind dero Untertanen: das Loch, wo unten alles durchlauft, zeiget eine üble Haushaltung; und die daherum sich einfindende Ungeziefer, sind die viele Schlemmer und Müssiggänger, die sich an dero Königl. hof befinden.

Genug, Graf, sprach der König, ihr solt mir heute kein Sinnbild mehr auslegen: ich sehe ihr seid ziemlich aufgeräumt, mir die Wahrheit zu sagen. Wolte GOtt! versetzte der Graf, mit einer demütigen Gebehrdung, ich könnte Ew. Majestät nur so viele und wichtige Wahrheiten sagen, dass sie mögten gesünder, ruhiger und der glückseeligste Monarch in der Welt werden: dieses ist der einzige Zweck von meinen freien Reden. Der König druckte hierauf den Grafen mit einer herzlichen Bewegung an seine Brust: redet nur mit mir, sprach er, als mit eurem Freund: ich sehe wohl, dass ihr aufrichtig seid, und es gut mit mir meinet.

Nachdem der König hierauf mit dem Grafen ein paar Partien auf dem Biliard gespielet hatte, kam Herr Hippon mit seinen Magen-stärkenden Tropfen, und bat den König solche einzunehmen.

Als dieses geschehen, liess der König sich ankleiden, und ging wieder in den grossen Saal, darin seine bei sich habende Hof-Bedienten, nebst einigen Herren und Räten sich befanden. Der König aber behielte, weil er Chur-mässig leben sollte, niemand bei sich zur Tafel, als den Grafen von Rivera, und den Cammerherrn, der die Aufwartung hatte. Die Tafel war klein, und mit wenig speisen besetzt. Fette Suppen, Fricasseen, Pasteten, Torten, Fische, MehlMilch-Back- und Zuckerwerk, zusammt dem Obst, welches der König überaus liebte; imgleichen dicke, süsse und schwere Weine, die jenseit der Gränze von Itrurien wachsen, und von keiner leichten volatilischen natur sind; alles dieses war hier nicht zu finden.

Der König, als er diese so mager-besetzte Tafel mit Nachdenken betrachtete, und seine liebste speisen nicht mit dabei fand, fragte den Mund-Koch, wer die Küche so schlecht bestellet hätte? dieser antwortete, der Herr Graf von Rivera habe ihm den Küchen-Zettul gegeben, und der Herr Doctor Hippon hätte selbst ihm kochen helfen. Der König muste über diese Nachricht, die der Mund-