stunde die Tür davon offen, wo im Vor-Gemach ein Cammerdiener aufwartete. Der König war in einen tiefen Schlaf gefallen, und genoss einer so süssen Ruh, als er in langer Zeit nicht gehabt hatte. Es war noch eine Stunde vor Mitternacht; der König schlief noch immer. Man fragte den Grafen, ob man ihn nicht zur Abend-Mahlzeit aufwecken sollte? Mit nichten, sagte dieser, der Schlaf ist dem König gesunder als das beste Essen. Endlich erwachte derselbe eine Stunde nach Mitternacht: er fragte sogleich nach dem Grafen: und als dieser kam, rief er ihm entgegen: er hätte unvergleichlich geschlafen, und fänd sich nun ganz erquickt: er fügte hinzu, dass er wohl etwas essen mögte. Wenn Ew. Majestät, war darauf des Grafens Erinnerung, sich für dissmahl mit einer Tasse Schocolad, und einem Biscuit begnügen wollen, so geschähe mir eine Gnade. Ei! Ei! sprach der König! was seid ihr vor ein unbarmherziger Doctor. Ich muss euch nun wohl folgen. Der Graf riet ihm darauf mit einem kleinen Spiel sich so lang zu belustigen, bis der Schlaf wieder kommen würde. Der König aber bat den Grafen, ihm einige Umstände von dem letzteren Feld-Zug zu erzehlen.
Der Graf war erfreut, dass der König durch diesen Befehl ihm gelegenheit gab, seine gute Meinungen und Absichten demselben zu erkennen zu geben. Doch wuste er seine Reden so geschickt einzurichten, dass sie mehr ein Gespräch, als eine blose Erzehlung waren; Er sagte dem König das wenigste von sich selbst, und von dem, was er verrichtet hatte: er zeigte ihm, wo man gefehlet, und wie dergleichen Fehler hinfüro könnten vermieden werden. Dem König mangelte es weder an Verstand noch Einsicht; die Bescheidenheit des Grafens gefiel ihm wohl: er wuste, wie sehr er demselben wegen seiner erwiesenen Tapferkeit und Klugheit verbunden war.
Der König wolte etlichmachl von der Gräfin von Monteras zu sprechen anfangen; allein, das Andenken davon war ihm noch zu empfindlich: er konte ohne äusserste Gemüts-Bewegung sich nicht wohl ihrer erinnern. Der Graf gab ihm endlich selbst Anlass von ihr zu reden. Ich wär nun, sagte er, wegen Ew. Majestät Gesundheit ausser Sorgen, wenn ich nur auch hoffen könnte, deroselben Gemüts-Ruh wieder in guter Verfassung zu sehen.
Ich verstehe euch, Graf, versetzte der König, wo ihr hinzielet: ihr werdet mir verzeihen, was mich meine heftige Liebe zu der Gräfin von Monteras in Ansehung eurer, hat tun machen. Wie ich höre, so ist sie auf einem ihrer Land-Güter, und lebet von der Welt in einer abgezogenen Stille; dergestalt, dass sie ganz nicht mehr soll zu bewegen sein, einigen Besuch, weder von mir, noch meinen Cavallieren anzunehmen.
Dieses sollte mich glauben machen, antwortete darauf der Graf, dass Ew. Majestät sich desto leichter entschliessen würden, dero Königliche Neigung auf eine Prinzessin zu wenden, welche mit mehr Erkäntlichkeit, als die Gräfin von Monteras, die Gunst eines so grossen Königs zu verehren weiss.
Die Gräfin von Monteras, erwiderte der König mit einem Seufzer, scheinet mir allzu liebens-würdig, als dass ich sie so leicht sollte vergessen können. Wenn dieselbe Ew. Majestät auch vergnügt machen könnte, war des Grafens Antwort, so wolt ich deroselben diese Neigung keineswegs wiederraten; allein, so ist dieselbe, aller ihrer Vorzügen und guten Eigenschaften ungeacht, doch weder von einer solchen Geburt, noch von einer solchen Gemüts-Art, dass sie sich auf den Aquitanischen Tron schicken sollte. Könige und Fürsten pflegen immer hierinn einen gewissen Wohlstand zu beobachten, welche ihrer Hoheit und denen Umständen eines Königlichen Hauses gemäss ist.
Ich verstehe euch, Graf von Rivera, unterbrach hier der König mit einiger Bewegung, ihr wolt sagen, die Gräfin schicke sich besser für euch? Ich sage dieses nicht, erklärte sich hierauf der Graf, ich denke jetzt nur allein auf das Vergnügen meines Königes. Ich läugne nicht, dass ich die Gräfin liebe; allein, ich kenne die Pflicht, womit ich Ew. Majestät verbunden bin; ich werde nichts tun, was derselben zuwider ist.
Weil der Graf vermerkte, dass dieses Gespräch des Königs Empfindlichkeit noch allzuzärtlich rührte, so lenkte er solches auf die Angelegenheiten des staates. Ew. Majestät, sagte er, würden wohl tun, wenn sie einen Gesandten an den Licatischen Hof zu schicken, sich gnädigst wolten gefallen lassen. Es ist nötig, dem König dieser uns benachbarten Völcker, gewisse, für beide Cronen vorteilhafte Friedens-Vorschläge zu tun, bevor die Sachen noch in grössere Weitläuftigkeiten ausbrechen, und die Licatier durch neue Bündnisse zu mächtig werden mögten. Der Graf, um dem König zu zeigen, dass er nur darauf bedacht sei, ihm und dem Staat zu dienen, bat denselben, dieses Geschäfte ihm anzuvertrauen.
Der König liess sich zwar den Vortrag des Grafens gefallen, doch bezeigte er ihm auch, dass er seiner Gegenwart nicht gerne lang beraubet sein mögte, und dass er nicht eher ihm erlauben könnte, diese Reise anzutreten, als bis er wieder zu seiner völligen Gesundheit gelanget sein würde.
Gegen Morgen empfand der König wieder eine Neigung zum Schlaf; man kleidete ihn aus, und legte ihn zu Bette: er schlief, wiewohl nicht so gut als auf der Ruhebank. Nach 10. Uhr stunde er wieder auf. Der Graf war bald bei der Hand. Nun kommen Ew