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dieser den König unter den linken Arm, mittlerweile, dass derselbe sich mit dem rechten auf einen Cammerherrn stützte; und brachte ihn solchergestalt in einem guten Pelz-Mantel eingewickelt in die Gutsche.

Es war zu gutem Glück einer von den schönen Herbst-Tagen, die der angenehmsten Sommers-Zeit nichts nachgaben. Der König hatte noch kaum das freie Feld erreichet, so warf er schon seinen Pelz von sich, und bekam ein wenig Farbe: man hatte die Gläser an der Gutschen bishero zugehalten: die Sonne brannte von aussen durch dieselbe, dass der König anfieng warm zu werden. Der Graf liess deswegen das Fenster auf der Seiten, wo er sass, herunter, und dem König bekam die Luft nicht übel.

Die Pferde lieffen unterdessen in einem starken Trab fort: so sanft auch die Gutsche in Riehmen und in Federn hieng, so machte sie doch einige Erschütterungen; zuweilen setzte es auch ein wenig unsanfte Stösse. Nicht wahr, fragte der Graf im Scherz den Herrn Hippon, welcher neben ihm, gegen über dem König sass, diese Stösse sind gut? man findet eine solche Arznei nicht in allen Apoteken. Der König muste darüber lachen. Ihr seid mir wahrhaftig ein possierlicher Doctor, sprach er zu dem Grafen: ich finde mich wirklich ein wenig leichter; nur ist mir der Kopf etwas schwindelich: das macht, erwiderte der Graf, weil Ew. Majestät sich bisher der Luft entwöhnet, und lange nicht aus dero Zimmer kommen sind: doch kan man jetzt ein wenig sachte fahren: Er rief damit einem an dem Schlag reitenden Edelknaben, und befahl, dass der Gutscher die Pferde nur einen Schritt sollte gehen lassen.

Nachdem der König andertalb Stunden gefahren war, liess der Graf ein wenig halten, und dem König zur Erfrischung einen Trunk von einem roten Wein, welcher in der Gegend von Bontacko wächset, und für den gesundesten gehalten wird, mit einem Biscuit reichen. Der König liess sich solches gut schmecken, und wurde immer munterer.

Im Fahren beobachtete der König die schöne Gegend, besonders war er sehr vergnügt, längst dem breiten Strohm, unter einer langen Baum-Allee nach Bellahai zu fahren. Als sie den Garten dieses prächtigen Schlosses erreichten, fragte der Graf den König, ob er nicht Lust hätte, ein wenig auszusteigen? der König sagte ja, wenn es ihm anders der Graf, als sein ausserordentlicher Leib-Doctor, erlauben würde. Er stieg damit aus der Gutsche, lehnte sich im Gehen auf den Grafen, und bedankte sich für dessen guten Rat, indem er sich weit besser befände, als die vorige Tage.

Man trug eben die rare Gewächse und PomeranzenBäume in ihre Winter-Behausung: der König freuete sich, darunter einige zu bemerken, die so voll der schönsten Früchten hiengen, dass ihm solches kaum natürlich schien. Der Gärtner und seine Leute sahen nicht so bald den König ankommen, so liefen sie hinzu, und brachten ihm allerhand rare Gewächse und Blumen entgegen. Die Freude und Entzückung, womit sie solches taten; und die übel-gesetzte, aber wohlgemeinte Wünsche, die sie für des Königs Gesundheit ausstiessen, gefielen demselben wohl; er befahl ihnen dafür ein Geschenke zu reichen.

Der Graf liess unterdessen die wasser springen: Ein Chor der besten Waldhornisten, die er voraus gesandt hatte, stiessen nach der Kunst in ihre Hörner; und wechselten darauf ihre lang sam-gezogene Töne mit dem hell-durchdringenden Klang der Clarinetten; welche mit dem angenehmen Rauschen der spielenden wasser eine süsse Harmonie machten.

Es war noch eine kleine Stunde von diesem LustSchloss bis nach der Einsiedelei: Die Demmerung begunte einzubrechen, und die Abende waren bereits kühl. Der Graf erinnerte demnach den König die Reise weiter fortzusetzen: und seinen Pelz-Mantel wieder um sich zu schlagen.

Sie kamen damit nach der Einöde, welche aus einem Haupt-Gebäude, einer Capelle, und zwölf kleinen Häusern bestund: deren jedes nur einen Vor-Saal, ein Zimmer und ein Cabinet hatte. Das Schloss lag in der Mitte auf einer kleinen Anhöhe: es war mit einem wasser-Graben und einer breiten Gallerie umgeben: eine schier unendlich scheinende Aussicht in eine ganz offene Landschaft schilderten den Augen die entzückenste Gegend: von hinten war das Königliche Gehege, welches mit vielen Schneesen bis nach Bellahai durchhauen war. Das Gebäude hatte in der Mitte ein grosses rundes Dach, durch welches das Licht in einen achteckigten Saal herunter fiel: auf diesen Saal stiessen vier Zimmer mit eben so viel Cammern; welche allesammt auf die sinnreichste und anmutigste Art ausgezieret waren.

Der König war beides sowohl von dieser unvergleichlichen Aussicht, als von den gemachten Anstalten des Grafens, angenehm gerühret: er sah den Untergang der Sonnen und die einbrechende Nacht mit vergnügten Augen an: die anmutige Stille, so in dieser Gegend herrschte, war ihm eine süsse Abwechselung mit dem unruhigen Getöse seines Hofes: der Graf bat ihn, sich auf eine Ruhbank zu legen, und seine Sinnen so lang in einen angenehmen Schlummer zu versenken, bis es Zeit sein würde zur Tafel; zu gehen: der König liess sich alles von seinem neuen Leib-Arzt gefallen: er streckte seine Glieder auf dieses gemächliche Gestelle: es brannte ein kleines Feuer im Camin, einige Wachholder-Stauden krachten darinnen mit einem blitzenden Funkeln, und durchdrangen mit ihrem lieblichen Geruch die noch übrige Feuchtigkeiten des Königlichen Schlaf-Gemachs.

Alles war still, niemand kam in das Zimmer, worinn der König lag: doch