mein trockenes Bezeigen loss werden konte.
Sie sehen hier mein wertester Herr Graf, einen Hofmann, der durch eine den Höfingen so ungewöhnliche Aufführung, sich, an einem sonst schlüpfrigen Hof, länger in Günst gehalten hat, als andere mit allen ihren Verstellungen und Künsteleien. Ich verheiratete endlich meine älteste Tochter an den Herrn von Ridelo, und erhielte für meinen Tochtermann eben diejenige Vorteile, welche mir ehedessen der alte Vetter übertragen hatte.
Ich geniesse nunmehr der Ruh aus dem land, wo ich gleichsam zwischen der Welt und dem Himmel einen Mittel-Stand finde: Ich suche mir darinnen die Angelegenheiten der einen gering, und die Bestrebung nach dem andern desto wichtiger zu machen. Meine Feinde haben mich vergessen, und meine Freunde haben meiner nicht mehr nötig. Meine Frau und mein noch unerwachsener Sohn nebst seinem Lehrmeister sind mir zur Gesellschaft genug; meine beide Töchter werden sie zu Panopolis antreffen. Wenn man alles in der Welt hätte, was man wünschte, so würden sie so weit nicht reisen müssen, ihnen diejenige Freundschaft zu erkennen zu geben, damit sie bisher ihren Vatter beehret haben.
Der Graf von Rivera war durch diese Erzehlung des Herrn von Bellamont in seinen redlichen Absichten nicht wenig gestärket; er umarmte denselben, indem er ihm und seinem Haus eine beständige Freundschaft schwur.
Sie waren nicht weit mehr fortgefahren, so kamen sie in eine Gegend, wo die natur schiene ihre seltsamste Schönheiten vereiniget zu haben: Man sah von der einen Seiten hohe Gebirge, welche unten mit wilden Sträuchen und Gebüschen bewachsen waren, und oben einen kahlen mit allerhand färbigten Steinen bedeckten Wipfel zeigten. Man entdeckte darzwischen tiefe Abgründe und fürchterliche Hölen, wo hin und wieder grose überhängende Stücke Felsen sich abzureissen und in Grund zu werfen droheten. Auf der andern Seiten stürzte sich ein wasser-Fall, von einer steilen Höle, als ein lichter Strahl herunter, der hernach über verschiedene Abhänge mit einem sanften Rauschen sich fortwälzte; und endlich nach einem schlänglichten Umschweif in ein liebliches Tal sich ergosse; wo man in einer halbstündigen Entfernung den schönen Wohn-Sitz des Grafens von Rivera auf einem flachen Land-Strich liegen sah.
Der Graf hatte hier am Fuss der Gebirge unter den weit sich ausstreckenden Aesten einer alten Ulmen, ein offenes Gezelt aufschlagen lassen; wo dessen Frau Mutter und beide Gräfinnen Schwestern, der neu ankommenden Gesellschaft erwarteten. Die Gemahlin und der junge Sohn des Herrn von Bellamont waren bereits da angekommen. Die alte Gräfin, nachdem sie diese ihre Gäste auf das freundlichste empfangen hatte, gab darauf dem Herrn von Bellamont ihr Missvergnügen zu erkennen, dass er ihren Sohn beredet hätte, nach Hof zu gehen. Er entschuldigte sich darüber so gut er konte. Ich erkenne mich, gnädige Frau, sagte er, in so weit straffällig: ich habe dem Herrn Sohn den Rat gegeben, der wahren Ehr und dem Trieb seiner eigenen Tugend zu folgen; ich leide aber selbst darunter, weil mich dessen Entfernung der angenehmsten Gesellschaft beraubet, die ich bissher bei meinem Land-Leben genossen habe.
Hierauf kamen auch die beide junge Gräfinnen und baten den Herrn von Bellamont, mit denen beweglichsten Gebehrden, ihrem Herrn Bruder einzureden, dass er sie nicht verlassen mögte. Er wusste sich nicht anders von ihnen losszuwickeln, als dass er ihnen sagte, sie hätten ihren Herrn Bruder nicht recht lieb, weil sie ihm sein Glücke nicht gönneten. Das ist wohl ein grosses Glück, versetzte darauf die älteste Gräfin, mit einem verächtlichen Ton, hier ist mein Bruder sein eigener Herr, und bei Hof muss er einen Diener abgeben; hier steht ihm alles zu Gebott, und dort muss er selbst gehorsamen; hier ist er sicher und von uns allen geliebt, und dort schwebet er in täglicher Gefahr, gehasst und verfolgt zu werden. Nein, nein, geliebter Bruder, sezte sie mit Tränen in den Augen hinzu, wir lassen euch nicht weg; unser Vergnügen ist mit dem eurigen so genau verbunden, dass wir nicht ruhig sein können, so lange wir wissen, dass ihr in Gefahr lebet. Der Graf schien von den lebhaften Vorstellungen seiner Schwester gerührt; er veränderte aber desswegen sein Vorhaben nicht, seinem Beruf zu folgen und nach hof zu gehen.
Das Gespräch wurde darauf allgemein; Man sezte sich zur Tafel; zwei Jäger stiessen in ihre krumme Hörner, wo der Wiederhall ihre Töne nicht allein nachstimte, sondern auch halb verlohren wieder zu rück brachte: Sie verwechselten, solche mit einer neu erfundenen Art von Feld-Schalmeien, derenheller laut zugleich zärtlich und durchdringend war. Ein sanftes Murmeln des nah vorbeifliessenden Bachs, welcher zwischen Rohr und Steinen durchrieselte, schiene die gekünstelte Töne der Blasenden noch zu übertreffen. Die stille Bewegungen der hier sich selbst belustigenden natur verdienten noch mehr Aufmerksamkeit. Von weitem braussete der von den Bergen sich herabstürzende wasser-Fall. Die in den Gebüschen verstekkte Vögel vermengten damit ihre muntere Kehlen, und besangen gleichsam die Ehre des Schöpfers und die Schönheit der natur. Unsere Zuhörer vergassen nicht ein so unschuldige Ergötzlichkeit zu preisen; sie beklagten nur die Entfernung ihres geliebten Grafens, welche sie nun als unvermeidlich vor sich sahen.
Man verbrachte auf solche Art nach dem Mittagsmahl noch einige Stunden in dieser angenehmen Einöde. Endlich brach die Gesellschaft auf, und begab sich zusamen nach Rivera. Der Herr von Bellamont, seine Gemahlin und sein Sohn hielten sich daselbst einige Tage auf, und genossen bei der höflichsten Bewirtung, alle Lustbarkeiten und Veränderungen, die man sich an einem so angenehmen Ort