-Gefahr: zwei grosse Eiss-Stücker kamen auf das Schiff, worinn ich war, angeflossen: ich rettete mich zusamt dem Volk, so darauf war, auf den Boot, welchen wir auf das Eiss zogen: wir sahen kurz darauf die beide grosse Eiss-Stücker zusammen stossen, und hörten mit einem entsetzlichen Krachen unser Schiff zu trümmern gehen. Ich war in einen guten Pelz gewickelt; ich legte mich samt dem geborgten Volk auf Stroh, damit wir das Boot ausgefüllet hatten, und liessen uns in GOttes Namen auf dieser schwimmenden Eiss-Insul forttreiben. Wir fanden endlich, dass sie sich nicht mehr bewegte, wir hatten damit Hoffnung an Land zu kommen.
Es war Nacht: einige Boots-Leute machten sich fackeln von Stroh, und gingen bei nah eine gute Viertel-Meile auf dem Eise fort: es war abgeredt, uns ein gewisses Zeichen zu geben, wenn wir ihnen nachkommen sollten: wir hörten diese Losung, und machten uns darauf hinter unser Boot, welches wir immer weiter fort stiessen, bis es Tag wurde: wir hatten uns stets Nord-wärts gehalten. Ein anhaltendes SchneeGestöber hatte Erd und Meer für einander unkentlich gemacht. Die sich an einander abgeschliffene Eissschollen hatten öfters einen Strich von einer Höhe formiret, auf welche der Wind den Schnee so hoch zusammen getrieben, dass man solches für ein Gestade hielt.
Endlich sahen wir eine Kirch-Spitze und nechst derselben ein kleines Dorf: wir leerten damit unsern Boot aus, und jeder schleppte, was er gerettet hatte, auf das Land. Wir fragten die Einwohner, wo wir wären? sie nanten uns den Namen einer kleinen Insul, von welcher wir, wie sie sagten, in einigen Stunden auf Schlitten gemächlich über das Eiss nach Nicopia kommen könnten. Ich säumte mich nicht, und liess mich mit diesem schnellen Fuhrwerk dahin bringen. Ich kam den andern Tag nach Königsholm, und fand daselbst meine beide Geschwister wiederum bei meiner Basen.
Mein Vergnügen war ungemein, sie, nach so viel ausgestandener Gefahr, wieder zu sehen: ich fand ihre Lebens-Art sehr geändert: meine Schwester fuhr nach hof, mein Bruder ging mit den verständigsten Leuten um, meine Base empfieng in ihrem haus die ansehnlichste Besuche: alle lebten dabei auf eine ehrbare und Christliche Weise; die meiste gespräche, die bei den Besuchen vorfielen, waren, wo nicht erbaulich, doch von unschuldigen Dingen: man hörte weder die Leute durchlassen, noch über die Religion spotten; sie genossen der zeitlichen Güter nach der Ordnung GOttes, und betrachteten solche als Gaben, darüber sie ihm Rechenschaft geben müsten.
Ich kam nach hof und wurde dem König vorgestellet: er liebte die Soldaten; gelehrte Leute aber waren bei ihm in Verachtung: er hatte in seinen jungen Jahren greuliche Pedanten zu Lehrmeistern gehabt; daher war ihm die Einbildung geblieben, dass er meinte, die Gelehrten glichen allen seinen Lehrmeistern. Ich weiss nicht, was dem König an mir gefiel: er schenkte mir, aus eigner Bewegung, eine Hauptmanns-Stelle: dieses war etwas ganz ungewöhnliches; denn die gröste Gnade, die er einem Jungen von Adel zu erzeigen pflegte, war diese, dass er ihm eine Fahne gab, und muste man noch dazu von unten auf dienen: ich wurde von allem befreit, meine in Pannonien getane zwei Feld-Züge wurden mir für getane Dienste angerechnet.
Ich hatte von natur eine grosse Neigung zum Krieg: ich tat meine Dienste mit Freuden, ich gedachte hier gutes zu stiften, und den gemeinen Meinungen, welche statt der wahren Tapferkeit und Grossmut, die Unbarmherzigkeit, den Frevel und die Toll-Kühnheit zur Tugend machten, allmählich durch den Sinn zu fahren: ich furchte mich nur allein vor solchen Händeln, die auf einen Zweikampf hinaus liefen: ich hielt solchen durchaus nicht für erlaubt: betrachtete ich ihn von Seiten der Religion, so stunde das Anatema darauf: hielt ich ihn gegen die burgerliche gesetz, so war er verbotten; urteilte ich davon nach der Vernunft, so fand ich diese Handlung toll und unsinnig: prüfte ich solchen nach der wahren Ehre, so bedünkte mich nichts schändlicher zu sein, als etwas zu tun, das wider die Religion, wider die gesetz und wider die Vernunft stritte: ich verabscheute demnach eine Tat, die mir durchaus unchristlich, frevelhaft und närrisch schien. Ich bat mir deswegen in solchen Fällen, die ich doch mit aller möglichsten Sorgfalt zu vermeiden suchte, des Königs besonderen Schutz aus, und verursachte damit zugleich, dass die Duell-Verbotte bei uns sehr geschärfet wurden.
Nebst meiner Hauptmanns-Stelle, machte mich der König auch zu seinem Cammer-Junker, dass ich mich also bei hof aufhalten muste: ich hatte bereits meine fünf und zwanzig Jahre zurückgeleget, als meine Base und meine beide Geschwister mich zu bereden suchten, dass ich mich verheiraten sollte. Ich war bisher nach meinem freien Wesen, welches mir durch meine Reisen noch natürlicher worden, mit allerhand Frauenzimmer umgegangen; ich hatte aber keines darunter gefunden, welches meinem Herzen eine wahrhafte leidenschaft geben konte.
Ich liebte etwas grossmütiges und zärtliches: Unsere blanke Nordische Gesichter hatten wenig von dieser Gemüts-Art: sie waren wohl schön genug; es mangelte ihnen aber an Geist. Ich konte mich dabei nicht lang aufhalten: mein herz blieb gar zu ruhig, und ich stunde in dem Wahn, wenn ich mich heiraten sollte, so müste es aus Liebe geschehen. Diese Einbildung kam mir hoch zu stehen.