Bescheidenheit abforderte.
Der Graf bereuete hier seine Ubereilung, ohne deswegen Mutlos zu werden. Er richtete die Augen nach seinen anrückenden Völkern, und hoffte, sie würden ihn durch ihre Tapferkeit befreien, doch ehe noch diese kamen, brach von der Seiten ein Trupp Reuter ein: dieses geschah mit einem solchen Mut und mit einer so schnellen Gewalt, dass der ganze Hauffen dadurch erschüttert wurde. Der Graf nahm hier den kurtzen Zeit-blick in acht, und riss einem neben ihm haltenden Unter-Officier, der die Augen furchtsam nach den einbrechenden Reutern hinschlug, den Degen aus der Faust. Ein Cuirassierer, der dieses wahrnahm, zuckte deswegen sein Schwerd auf ihn, und würde ihm damit den Kopf gespalten haben, wo der eindringende Fremdling nicht zum guten Glück ihm entgegen gerannt und mit seinem Degen den Sreich aufgefangen hätte. Der Graf schlug eben die Augen nach ihm und meinte ihn zu erkennen, als die Unordnung und die Hitze des Gefechts, den einen hier, den andern dahin trieb. Die andringende Völker des Grafens brachen zu gleicher Zeit ein: es ging allentalben an ein grausames Würgen und Niedermetzeln. Das Pulver war meist verschossen: hier galt nichts als eine hurtige Faust, und ein beherzter Mut; so bald aber erklärte sich nicht der Sieg für den Grafen, so rief er seinen Soldaten zu: schonet, o ihr tapfere Aquitanier! schonet eure überwundene Feinde; und vergiesset nicht unnötig Menschen-Blut.
Indem er dieses sagte, sprengte er mit seinem Pferd einem Dragoner entgegen, und unterbrach einen Streich, den derselbe auf einen feindlichen Befehlshaber gezogen hatte. Dieser fochte nur, um mit dem Degen in der Faust zu sterben: sein Pferd war bereits von vielen empfangenen Wunden schon niedergesunken; ein ihm an der Seiten fechtender junger Officier, schrie deswegen dem Grafen mit ängstlicher stimme entgegen: ach! grossmütiger Uberwinder! ach! schützen sie doch meinen General, und retten ihm das Leben. Der Graf erkante diesen Herrn sogleich für denjenigen Anführer, dessen Gelassenheit er vor der Spitze seiner Truppen bewundert hatte. Mein Herr, rief er ihm zu, sie schonen ihres Lebens, und gönnen mir die Ehre mein Gefangener zu sein. Alsobald reichte ihm derselbe seinen Degen, und dieses mit einem so gelassenen Wesen, dass der Graf dadurch in dem Innersten seines Gemüts gerühret wurde: er befahl diesen Herrn und den ihn begleitenden jungen Officier seinen Leuten, und verfügte sich mit gleicher Geschwindigkeit zu den übrigen Hauffen.
Alles war noch in der jämmerlichen Beschäftigung Blut zu vergiessen. Der Graf tat solchem aller Orten Einhalt, und liess die Uberwundene zu krieges-Gefangenen machen. Die Feinde bedeckten teils das Feld, teils wurde ihnen auf der Flucht nachgehauen. Die Nacht brach darüber ein: die Aquitanier hatten nicht nur den Sieg erfochten, sondern auch viele Beute gemacht. Die Licatier zogen sich zwar wieder in ihre Linien; allein der Tag war noch kaum angebrochen; so packten sie auf und suchten ihre Sicherheit in den Gebürgen.
Nachdem der Graf allentalben bei seinen Völkern die Ordnung hergestellet sah, verfügte er sich noch denselben Abend zu dem Fürsten von Voltera, und wünschte ihm Glück zu der gewonnenen FeldSchlacht. Der Fürst umarmte ihn mit den liebreichsten Gebehrden, er sagte zu allen umstehenden Herren und Befehlshabern, dass sie nechst GOtt, dem Grafen von Rivera den Sieg zu danken hätten. Man bewillkommte sich einander bei dieser gelegenheit, als ob man lange Zeit von einander wär abwesend gewesen: der Graf fiel aus einen Armen in die andere. Seine Freunde, und dieses waren meist alle Befehlshaber, ermüdeten ihn gleichsam aufs neue durch ihre Umhalsungen. Nie war ein Soldat mehr geliebet worden, nie war auch einer liebreicher gewesen. Man drang sich um ihn herum; man gab ihm tausend Lobsprüche. Jeder wolte ihm zeigen, wie viel er auf ihn hielte. Der Graf von Lesbo hingegen wurde wenig beklagt: er war ein unfreundlicher und hochmütiger Mann gewesen, der sich nur hatte fürchten, aber nicht lieben gemacht.
Der Graf fand unter allen denen, die ihn begrüsten, denjenigen nicht, welchen er mit der grössten sehnsucht zu sehen verlangte: er rühmte deshalben öffentlich den grossmütigen Beistand, den ihm ein Unbekanter erwiesen hätte, und bat, indem er sich an die Umstehende richtete, derselbe möchte sich ihm zu erkennen geben. Ein Hauptmann, der eben von ihm kam, sagte, man habe ihn in des Grafens Gezelt gebracht, weil er stark verwundet wär. Der Graf erblaste über diese Nachricht, und eilte, nachdem er sich bei dem Fürsten beurlaubet hatte, zu diesem tapfern Fremdling.
Er fand ihn auf einem Ruh-Bett, und die WundAerzte um ihn herum: der Fremdling hatte sich verblutet, und war sehr matt: so bald er den Grafen sah, reckte er die beide Aerme nach ihm hin, und wolte sich aufrichten. Der Graf erkante ihn alsobald für den Freiherrn von Riesenburg, den er in der Hitze des Gefechts und in seinen kurzen Haaren sogleich nicht erkant hatte. Er warf sich mit innigster Bewegung um seinen Hals und wuste nicht, ob er mehr der Freude, einen so werten Freund hier zu finden, oder dem Schmerzen, ihn so hart verwundt zu sehen, bei sich Raum lassen sollte. Die Wund-ärzte gaben indessen gute Hoffnung, weil sich keine Wunde tödtlich fand; sie sagten aber, dass man dem Verwundeten müste Ruh lassen.
Der Graf wolte hierauf auch noch seinen grossmütigen Gefangenen sehen; man berichtete ihm aber, dass