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ihm der Fürst von Voltera seinen Adjutanten, und liess ihm sagen, dass er sich eilends zurückziehen sollte, um den lincken Flügel zu unterstützen.

Neue Schwierigkeit, neue Verwirrung für einen so jungen Befehlshaber. Der Graf seufzete heimlich, dass er einen Posten verlassen sollte, den er mit so vielem Blut erfochten hatte. Dieser Abzug erforderte so viel Kunst und Klugheit, als der gefährlichste Angriff. So viel Glieder sich zurück zogen, so viel Feuer mussten sie aushalten. Der Feind schloss sich immer hinten an; sobald aber hatte der Graf nicht das freie Feld gewonnen, so liess er seine Reuter dem nachsetzenden Feind sich entgegen stellen, und seinen Völkern damit den rücken bedecken.

Er stiess damit glücklich wieder zu dem linken Flügel: dieser stunde in vollem Feuer, und wehrte sich tapfer. Des Grafens Soldaten waren ziemlich abgemattet: viele gingen nur mit verdrosnen Mut wieder an den Feind. Brüder! sagte er deswegen zu ihnen: wir dürfen heute nicht eher ruhen, als bis wir gesieget haben; darum müssen wir fechten; aller bisher bezeigter Mut würde vergebens sein, wo wir das Feld räumen sollten.

Der Graf liess darauf seine Fuss-Völker sich in viereckigte Haufen schliessen und die Bajonetter aufstossen, er selbst aber unterstützte mit seiner Reuterei diejenige Regimenter, welche am meisten Not litten. Die Feinde hielten solches für einen Entsatz, und suchten sich deshalben in so guter Ordnung, als sie konnten, zurück zu ziehen.

Der Graf, da er sah, dass der linke Flügel nichts mehr zu befürchten hatte, kam eben zu dem Fürsten von Voltera, da dieser die Nachricht erhielt, dass der ganze rechte Flügel geschlagen, und in voller Flucht begriffen wär. Der Graf, der mehr auf den Sieg erhitzet, als durch die Strapazen ermüdet schien, bat den Fürsten, ihm einen teil von seiner Reuterei, welche noch gar nicht gefochten hatte, zu vertrauen: er wolte damit die Flüchtigen aufhalten, und sie wieder suchen an den Feind zu bringen. Der Fürst bewilligte solches und gab ihm, nebst seinem Regiment Dragoner, auch drei Compagnien vom Königlichen haus.

Wer nie die Regungen einer grossmütigen Tapferkeit in seinem Busen gefühlet hat, der kan sich auch keine Vorstellung von dem lebhaften Vergnügen machen, welches der Graf bei dieser gelegenheit empfand. Seinem darnieder liegenden Verfolger zu hülfe zu kommen, die beste Truppen anzuführen, und damit dem Feind den schier erfochtenen Sieg wieder aus den Händen zu reissen; dieses waren solche Umstände, deren Annehmlichkeiten nur allein die Seelen grosser Helden kennen.

Das ganze Feld bedeckte bereits eine Menge, teils gewürgter, teils noch sterbender körper: viele, die sich durch die Flucht zu retten suchten, und in vollem Schrecken den Fusssteigen zueilten, schwammen hier teils durch die Canäle und Teiche, teils blieben in den Sümpfen und Morästen stecken; die meisten aber stiessen auf den mit frischen Völkern anrückenden Grafen. Wie, Verzagte! schrie er ihnen mit männlicher stimme entgegen, wo wolt ihr hin? seid ihr Soldaten, und wollt euch lieber durch eine schändliche Flucht retten, als euer Leben für den König wagen?

Dieses beherzte Zureden tat eine gewünschte wirkung: der Graf sammlete allentalben die zerstreuete Hauffen, und brachte sie wieder unter ihre Fahnen: sie bekamen alle einen neuen Mut zu fechten: keiner weigerte sich dem Grafen zu folgen. Er setzte sich an die Spitze und führte sie an den Feind.

Der General Lesbo hatte sich unterdessen, zu seinem Unglück, mit einigen vornehmen Befehlshabern, bereits in die Flucht geworfen: er war mit ihnen in einen schwarzen Sumpf geraten: einige feindliche Husaren, welche hinter ihnen drein jagten, schossen auf sie: eine Kugel traff den unglücklichen General und stürzte ihn vom Pferd, welches von der Bürde seines schweren Reuters nicht sobald sich befreit fand, so suchte es sich durchzuarbeiten, und trat in dieser ängstlichen Bewegung seinen eignen Herrn in den Sumpf.

Der feindliche linke Flügel hatte inzwischen durch die Begierde Beute zu machen, an einigen Orten schon die Glieder gebrochen. Es währte aber nicht lang, so setzte er sich wieder; und weil er ebenfalls mit frischer Mannschafft unterstützet wurde, so fiel er mit verdoppeltem Mut auf den Grafen; er fand aber dismahl einen ganz andern Widerstand. Die Aquitanier hielten das Feuer aus, als ob sie dessen bereits gewohnet wären. Der Graf hatte unterdessen dem Fürsten die Nachricht geben lassen, dass es nun Zeit sein würde, mit einigen Regimentern dem Feind in die Flanken zu gehen, und ihm damit Luft zu machen. Da nun der Fürst dieses mit gutem Fortgang tat, so brachte man den Feind dadurch in völlige Unordnung.

Nur ein Hauffen war noch übrig, der nicht weichen noch wanken wolte. Der Graf stiess darauf mit einigen freiwilligen Edelleuten, welchen die Ehr-Begierde Lust zum Fechten gab. Der Anführer dieses feindlichen Truppes schien darüber ganz kaltsinnig: er sah, dass diese mutige Streiter ihrem Volk, das ihnen folgte, ziemlich weit vor rannten; er spielte ihnen deswegen einen Streich, dessen sie sich nicht vermutet hatten. Er liess sie in die Mitte seines Hauffens sich einstürtzen, und damit hurtig wieder die erste Glieder sich schliessen. Da sich der Graf in dieser Falle sah, war er äusserst betroffen; er suchte sich mit dem Degen in der Fast durchzuschlagen; allein seine Gefährden hatten bereits den Mut verlohren; er wolte deswegen nicht als ein Unsinniger fechten; sondern gab sein Seiten-Gewehr einen von den Befehlshabern, der ihm solches mit der grössten