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war bei diesem Angriff voller Mut, und zweiffelte nicht, sein Anschlag würde glücklich von statten gehen: Brüder, sprach er zu seinen Soldaten: ihr seid von verschiedenen Fahnen, wir dienen aber alle einem König: lasset uns brav tun, so werden uns andere beneiden, dass man uns ihnen hat vorgezogen, um dem Feind die erste Schläge anzubringen.

Die feindliche Reuterei stürmte mit einem starken Feuer auf den Grafen: er wehrte sich tapfer: gleich darauf aber fielen die im Lager hinterlassene Völker dem Feind in rücken, und machten damit dem Grafen Luft. Wie der Feind sah, dass die Aquitanier ihr Lager vollig verlassen hatten, fiel er darauf los. Die Soldaten, in Hoffnung, Beute zu machen, wichen aus ihren Gliedern und zerstreueten sich zwischen den noch zurückgebliebenen Zelten und Wägen. Als die in dem Gehölz versteckte Aquitanier solches sahen, brachen sie hervor und hieben alles darnieder. Hier hatte der Graf gewonnen Spiel: der Soldat fochte mit Lust unter einem Anführer, dessen Beispiel sie zur grössten Tapferkeit anfrischte: alle Befehlshaber taten ihre Schuldigkeit: man drang den Feind zusammen, und brachte eine Horte durch die andere in Verwirrung: teils warfen sich in die Flucht, teils wurden niedergehauen: die wenigsten erreichten ihr Lager: die darin zurück gebliebene Besatzung, durch die Hauffen der Flüchtigen geschreckt, tat schlechten Widerstand: der Graf bemächtigte sich derselben ohne Müh: und nachdem er einen vollkommenen Sieg erfochten hatte, kam er mit seinen Leuten wieder zurück in das Haupt-Lager.

Niemand war darauf übler zu sprechen, als der General von Lesbo: er nannte diesen Sieg ein versehen des Feindes, und ein ungefähres Glück des Grafens; welches aber doch keinen Nutzen hätte: weil der Graf seinen Posten nicht behauptet; sondern gleichsam vor seinem überwundenen Feind geflohen wär.

Der Graf beklagte sich hingegen bei dem Fürsten von Voltera, dass er ihm die versprochene Hülfs-Völker nicht gesandt hätte. Der Fürst zuckte darüber die Achseln und warf die Schuld auf den Grafen von Lesbo, welcher solches deswegen nicht hätte für gut befunden; weil er dafür gehalten, die Feinde suchten nichts anders, als sie mit einem teil ihrer Armee in das Gebürge zu locken, und auf solche Weise ihre Macht zu trennen; gleichwohl, antwortete der Graf hierauf, mit einiger Empfindlichkeit, hat man für gut gefunden, mich mit drei tausend ehrlichen Männern dahin zu senden, welche man zusammen in die Pfanne würde gehauen haben, wenn ihnen GOtt und ihr Mut nicht durchgeholfen hätte.

Die Feinde, welche unterdessen den Pass durch die Gebürge offen fanden, liessen wenig Tage darauf ihr grobes Geschütz darüber setzen; und rückten mit ihrer ganzen Macht vor Menipol.

Im krieges-Rat wurde gefragt: ob man den Feind, mittlerweil, dass er mit Eröfnung der Lauf-Gräben beschäftiget wär, angreiffen, und ihm eine Schlacht liefern sollte? die meisten rieten solches: der Herr Graf von Rivera, fing einer der ältesten Obristen an, hat uns einmal die Bahn gebrochen, und den Licatiern gewiesen, dass sich die Aquitanier nicht vor ihnen fürchten: man muss ihnen mutig unter die Augen rükken; weil sie die Schläge noch fühlen, und nicht warten, bis sie selbst kommen, solche an uns zu rächen. So verdriesslich dem General Lesbo diese Anmerkung in den Ohren schallte, so konte er doch nichts dargegen einwenden: schier alle Befehlshaber stimmten damit überein: die ganze Armee rückte also dem Feind entgegen.

Es war eine grosse Fläche, auf welcher die beide Heere füglich sich ausbreiten, und einander nach allen Regeln der Kunst herum treiben konnten: beide zeigten sich in Schlacht-Ordnung; sie stunden einander sich lange im Gesicht, ohne dass weder der eine, noch der andere teil die mindeste Bewegung machte. Endlich sahen die Aquitanier, dass ein teil des feindlichen linken Flügels sich nach einem Flecken hinzog; hinter welchem das Licatische Lager stunde. Dieser Flecken wurde für einen Posten gehalten, dem nicht wohl beizukommen war. Ein breiter Teich mit einem dicht-bewachsenen Hayn umschlung denselben bei nahe rings herum. Das Erdreich war, wegen der vielen Sümpfen, hin und wieder mit tiefen Canälen durchschnitten, und schien die Annäherung einiger Truppen unmöglich zu machen.

Nichts destoweniger so wurde dem Grafen von Rivera aufgetragen, er sollte den Feind mit einigen Regimentern von diesem Posten abzutreiben, und solchen zu behaupten suchen. Schwere Unternehmung, welche auch den erfahrensten krieges-Obristen würde zu schaffen gemacht haben.

Er hatte dismahl meist alte Truppen und lauter Officiers die ihm zugetan waren, nebst seinem eignen Regiment, bei sich: er besetzte alsofort, nachdem er zuvor die Lage von der ganzen Gegend aufgenommen hatte, alle Zugänge nach dem Flecken, und legte einen teil seines Fuss-volkes in die Gebüsche. Der Eingang des Orts war mit spanischen Reutern und mit Karren gesperret. Der Graf wuste solche hurtig in Brand zu stecken, und darauf mit drei Feld-Stücken den Pass sich völlig zu öfnen.

Der Feind, als er hier ein wenig das Feuer ausgehalten, zog sich zurück, und besetzte einen stark-ummauerten Kirchhof. Das Gefecht wurde hier ernstaft und blutig: kein teil wolte dem andern weichen: es blieben beiderseits viel Leute: Der Graf bejammerte den Verlust einiger seiner besten Officierer. Er selbst bekam eine leichte Wunde am rechten Backen, und verlohr ein Pferd unter dem leib: Endlich zwang er den Feind, ihm diesen Posten einzuräumen. Kaum aber, dass er solchen behauptet hatte, so schickte