hatte.
Der Fürst von Voltera war falsch und schmeichlerisch: er hatte für niemand eine wahre Freundschaft, er suchte nichts als seine eigene Hoheit: er war ein Ur-Enkel des grossen Nicanors, der seinen GrossVater mit einer Beischläferin gezeuget hatte. Weil der König noch unvermählet, und dabei von schwächlicher natur war, so richtete er schon von weitem seine gedanken auf den Tron: er konte den Herzog von Sandilien nicht leiden: seine Feindschafft gegen denselben hatte sich schon bei verschiedenen Gelegenheiten bloss gegeben. Die ursache dieses Hasses machte dem Herzog viel Ehr: sie haftete auf dessen Treu gegen den König: die verstorbene Königin hatte ihm denselben auf ihrem Todtbett anbefohlen, und ihn zugleich mit Genehmhaltung der Stände, und ihres geheimen Rats, zum Vormund des Königs bestellet: dem Fürsten aber Lucodun zu seinem Aufentalt angewiesen. Dieser Fürst sah demnach hier den Grafen von Rivera zum erstenmahl: er bewunderte dessen vortrefliche Eigenschafften: er urteilte daraus, dass dessen Glück nicht mittelmässig bleiben würde, und suchte ihn deswegen zu seinem Freud zu machen.
Es stunde darauf, dass die Licatier weiter in das Königreich einbrechen, und die Grenz-Vestung Minopel wegnehmen wolten. Die Aquitanier fanden deswegen für nötig, einige tausend Mann in das Geburge zu legen, und ihnen dadurch den Pass abzuschneiden.
Der Graf von Lesbo, auf welchen alles hauptsächlich ankam, gedachte hier dem Grafen von Rivera die erste Falle zu stellen. Er zog aus allen Regimentern den zehenden Mann, und trug demselben darüber das Commando auf. Dieser merkte bald, dass der General für ihn keine günstige Absichten hatte. Er verbarg aber seinen geschöpften Argwohn und folgte dem Befehl. Doch bat er den Fürsten, ihn allenfalls mit nötiger Mannschaft zu unterstützen.
Er postirte sich sehr vorteilhaft: er hatte hinter sich eine Höhe mit einem dicht-bewachsenen Gehölz, und von vornen steile Abhänge, die bis in ein tiefes Tal herunter gingen. Der Grund war hart und felsigt: man konte mit der Schauffel nicht durchkommen: Der Graf liess deswegen ungesäumt die gröste Steine zusammen lesen, und damit auf beiden Seiten sich eine kleine Brustwehr machen, welche er mit einigen Feld-Stücken, die er bei sich hatte, bedeckte.
Es währte nicht lang, so gab es Lermen: man hörte von weitem das Rufen der Fuhrleute, und das Glatschen ihrer Peitschen in den hohlen Tälern erschallen. Die Vorwachen des Grafens gaben zu gleicher Zeit ihre Losung: ein paar hundert Reuter wurden ausgesandt, um nähere Kundschafft einzuziehen. Der Graf vernahm, dass es feindliche Pack-Fuhren wären, die nur eine kleine Bedeckung bei sich hätten; hinter welchen aber über fünftausend Mann im Anzug wären: der Graf merkte bald die Absicht dieser feindlichen Völker, und dass sie ihn deswegen mit seinen Leuten in das Gepäcke verwickeln wolten, um ihn hier zu überfallen, und dessen Lager zu hestürmen: er liess deswegen mit seinen Völkern zwar den Pass besetzen; jedoch mit dem ausdrücklichen Befehl, dass kein Soldat aus seinem Glied rücken, sondern nur auf die vorbeifahrende Karren Feuer geben sollte.
Als darauf die feindliche Hauffen selbst anmarschiret kamen, stunde der Graf in völliger Schlacht-Ordnung, und erwartete den Angriff: die Licatier aber, wie sie den Grafen in einer so guten Verfassung sahen, wolten solches nicht wagen: sie suchten dargegen eine gewisse Höhe einzunehmen, von welcher sie die Aquitanier mit ihren kanonen erreichen konnten: der Graf wolte solches verhindern, damit kam es zum Gefecht: die Begrüssung von beiden Teilen war feurig, man fochte lang und blutig, die Licatier behaupteten endlich den Posten und besetzten den unten im Tal zwischen den Bergen durch fliessenden Bach mit ihren Vorwachten. Der Graf sah bald, dass er hier ohne Entsatz schwerlich ungeklopft davon kommen würde; er hatte bereits verschiedene Boten deswegen an den Fürsten abgesandt; allein, es kam keine hülfe. Seine Leute dauerten ihn, sein Ruhm war in Gefahr: er schien von dieser ersten probe, die man von seiner Tapferkeit erwartete, abzuhängen: Seine Tugend hatte ihn, in Betrachtung der Ehre, noch nicht unempfindlich gemacht: die Herzhaftigkeit, dachte er bei sich selbst, wird mir nichts helfen: die Feinde sind mir weit überlegen; man schickt mir keine hülfe, ich werde schändlich fliehen, oder mit einem verzweiffelten Mut mich und meine Leute der Feinde Schwerd aufopfern müssen. Was Rats? wie soll ich hier meine Pflicht, meine Ehre und meine Leute retten? der einbrechende Abend schützet mich durch seine dunkle Schatten. Morgen aber werde im mich noch vor Aufgang der Sonne von dem Feind umringet sehen.
Dieses waren unter währendem Treffen die traurige Uberlegungen des Grafen; es wurde finster, man zog sich beiderseits wieder zurück. Der Graf befand sich nicht so bald in seinem Lager, so befahl er in der Still das meiste Gepäck aufzuladen und solches voraus nach dem Haupt-Quartier gehen zu lassen. Er teilte darauf seine Völker in drei Teile: einige versteckte er in das Gehölze: die andere liess er im Lager: mit den übrigen besetzte er den Pass.
Es wurde zum Aufbruch geblasen, und alles vorrätige Heu und Stroh in Brand gesteckt: die Dunkelheit der Nacht wurde dadurch erhellet: die Flammen umleuchteten als fackeln die ganze Gegend. Die Licatier liessen sich durch dieses Feuerwerk aus ihrem Lager locken, sie wolten den Grafen so nicht davon ziehen lassen: sie dachten ihn auf der Flucht zu erhaschen, und fielen ihm damit zu gleicher Zeit in den Hinterhalt und in das Lager.
Der Graf