ihn deswegen sehr, bei dieser ihm bevorstehenden Gefahr auf seiner Hut zu sein, und ein wenig mistrauischer zu werden.
Diese beide Herren waren immer beisammen: das neue Regiment war bald angeworden: sie fanden allein auf ihren beiden Herrschaften bei zwei hundert Mann auserlesen Volk. Die übrige Befehlshaber waren auf verschiedene Werb-Plätze ausgeteilet: der Name des Grafens von Rivera war allentalben beliebt: seine Vorfahren hatten sich bereits im Krieg sehr hervorgetan, und erfüllten seine Ahnen-Tafel mit den tapfersten Helden; das Volk lief häufig zu; in Zeit von ein paar Monaten war das ganze Regiment auf den Beinen und im Stand zu marschiren. Die Armut auf dem Land war durchgehends so gross, dass sich Soldaten genug fanden, wo nur Geld war.
Der Graf hatte in dem krieges-Wesen verschiedene Dinge beobachtet, die er bei seinem Regiment zu ändern und zu verbessern suchte: er hatte insonderheit wahrgenommen, dass die so nötige krieges-Zucht fast durchgängig versäumet wurde; und dass man dem Soldaten, sowohl auf Zügen, als im Feld, allen Mutwillen und alle Leichtfertigkeit verstattete; wodurch die Unordnung, die Schwelgerei, die Trägheit, die Grausamkeit und die Verachtung der wahren Ehre eingeführet, mitin der Soldat besser abgerichtet wurde, die Menschen zu plagen, als zu beschützen. Diesem Unheil suchte der Graf auf alle Weise abzuhelfen, und durch die Einführung einer rechtschaffenen KriegsZucht bei seinem Regiment, andern ein glückliches Beispiel zur Nachahmung zu geben.
Bei der Musterung schoss er alle Pursche aus, die nicht wohl gewachsen waren; oder die ein wildes und viehisches Ansehen hatten. Denen, die zu seiner Fahne schwuren, liess er durch den Regimentse Richter den Eid nicht allein vorlesen, sondern auch auf das deutlichste erklären; er selbst ermahnte sie bei dieser gelegenheit, dass sie sich als rechtschaffene redliche krieges-Männer aufführen, und stets bedenken sollten, dass das Leben eines meineidigen und ehrlosen Menschens viel abscheulicher sei, als der Tod.
Seine Leutseligkeit und Menschen-Liebe fesselte bald die Herzen seiner Soldaten: er fragte einen jeden, ob er auch in seinem Dienst vergnügt wär, ob er seine Besoldungen, seine Kleider, sein Brod und alles, was ihm gehörte, richtig empfieng? diesem fügte er immer einige Aufmunterungs-Worte mit hinzu, dass man sich sollte wohl halten und dem König getreu und mit gutem Herzen dienen. Er sprach auf diese Weise mit allen seinen Soldaten: er besuchte sie, wie ein Freund den andern: er ging in seinem Lager von Zelt zu Zelt: dieses waren seine angenehmste Spatzier-Gänge: den Kranken reichte er Arznei und Geld, den Gesunden aber gab er zuweilen ein kleines fest und etwas auf seine Gesundheit zu vertrinken: alle Spiele um Geld waren unter ihm bei ernstlicher Straf verbotten: hingegen liess er seine Leute im Lauffen, Rennen, Schiessen, Werfen, Ballschlagen, Kegeln und dergleichen sich üben: weil diese Bewegungen der Gesundheit zuträglich sind, den Müssiggang unterbrechen, den Geist munter, die Glieder lenksam, und den ganzen Leib geschickt, hurtig und stark machen. Es wurden dabei den Soldaten gewisse Stunden des tages ausgesetzt, darinnen sie ihr ordentliches Gebet verrichten mussten, und noch andere, da man ihnen etwas aus den KriegsGeschichten vorlas und darüber allerhand Urteile fällte; bei welcher gelegenheit ein jeder seine Meinung frei entdecken, oder gewisse fragen auf die Bahn bringen konte. Die Andachts-Ubungen hielte der Feld-Caplan, die anderen aber, ein jeder, der Lust und Wissenschafft hatte, etwas nützliches zu lesen und vorzutragen.
Nebst dem Mangel der krieges-Zucht, hatte der Graf unter den Königlichen Truppen noch andere Fehler bemerket, die er gleichfalls bei seinem Regiment abzustellen suchte: darunter rechnete er auch das grosse Geschlepp von Dienern, Weibern, Marketendern, Trossbuben und Pferden, welche den Soldaten insgemein die nötige Lebens-Mittel vor dem mund wegzehren, und die Züge noch einmal so schwer und unordentlich machen. Er wolte deswegen nicht zugeben, dass ein Unterhauptmann und Fähndrich mehr als ein Pferd, und ein Hauptmann mehr als zwei bis drei, mit ins Feld nehmen sollte. Wegen des Gepäcks aber wurden von ihm die Anstalten gemacht, dass man solches meistenteils auf eine gewisse Anzahl Pferd und Maultiere lud, womit man die Geburge leicht besteigen, und der vielen Wägen und Vorspann-Fuhren entbehren konte.
In dieser Verfassung kam der Graf mit seinem neugeworbenen Regiment in das Königliche Lager. Der Fürst von Voltera, als Oberster Feldherr, empfieng ihn auf das freundlichste; der Graf Lesbo aber, der unter diesem Fürsten die Armee commandiren sollte, machte ihm eine ziemlich spröde Mine. Dieser General war bei den Waffen grau worden und verstund den Krieg nach der bisherigen verdorbenen Einrichtung nicht übel, er hatte deswegen bei dem König über die neue Vorschläge des Grafens von Rivera, welche die Verbesserung des Soldaten-Standes betraffen, ehedessen das meiste Gespött getrieben: er war sonst ein rauher, boshafter und listiger Mann. Der König hatte ihm heimlich zu verstehen gegeben, dass er den Grafen von Rivera ein wenig in die Schule führen und zu gefährlichen Unternehmungen brauchen sollte. Er hatte genug an diesem Unterricht; er wuste schon, wie die Carten bei hof gemischet waren.
Die Eifersucht dieses Generals war ungemein, als er das überaus schöne Regiment des Grafens von Rivera ankommen und in das angewiesene Lager einrükken sah: Waffen-Rüstung, Mannschafft, Kleidung, alles war leichter, sauberer, ordentlicher und kriegerischer, als man solches bisher an andern wahrgenommen