Schutz und Beistand. Doch, wie ein Vater allzeit Vater ist, so vernehm ich jetzt, dass er sich ins Mittel geschlagen hat; und dass also mein Process ehestens zu Ende gehen werde.
Das siebende Buch.
Nachdem der Herr von Riesenburg hiemit seine Erzehlung zu Ende gebracht hatte, verfügte sich der Herr von Ridelo mit dem Grafen auf sein Zimmer, und wiederhohlte demselben alles, was er ihm bereits bei seiner Ankunft eröffnet hatte, mit beigefügter Bitte, er mögte sich die Nacht wohl darüber beschlafen, und ihn morgen mit einer guten Antwort abfertigen.
Der andere Tag erschien, aber nicht zu des Herrn von Ridelo vermeinter Abreise. Der General hatte sich denselben noch ausgebeten, und diesem Herrn zu Ehren eine grosse Gesellschaft des benachbarten Adels auf das Schloss bitten lassen. Man speisete Mittags in einem grossen Saal, dessen Wände mit feinem Wachstuch bekleidet waren, worauf man die vornehmste Schlachten und krieges-Taten der vorigen Königen, sehr kunstreich abgemahlet sah. Unter währender Tafel liess sich eine vortrefliche Music hören: die Gesellschaft war sehr zahlreich: es befanden sich darunter allerhand Menschen, von beiderlei Geschlecht: man blieb bis in die Nacht beisammen: man belustigte sich, teils mit Spielen, teils mit Tanzen, teils aber mit allerhand Gesprächen.
Der Graf von Rivera ging von einem Hauffen zum andern; er vernahm allerhand Urteile und Meinungen; er sah, dass unter so viel Personen sich wenige fanden, die von einer Sache sich richtige Begriffe machen konnten, und die folglich vermögend waren, eine Wahrheit gründlich einzusehen. Die Einbildung, die ein jeglicher von sich selbst und seiner eigenen Vortreflichkeit hatte, war die Quelle, woraus auch bei dieser Zusammenkunft die meiste Reden flossen: es suchte immer einer den andern in die Schule zu führen, oder gar lächerlich zu machen; und wer am meisten sprach, und durch seine Torheiten andere lachen machte, der gab sich selbst die stimme, dass er unstreitig der Klügste von allen sei. O unglückseliger Verstand! seufzete hier der Graf bei sich selbst, ist dieses der würdige Gebrauch einer so edlen Gabe, damit uns GOtt von den unvernünftigen Tieren unterschieden hat?
Der Herr von Ridelo machte sich, ehe er den Grafen verliess, noch einmal an denselben: er setzte seinen vorigen Beweg-Gründen, damit er ihn zur Unterwerfung in des Königs Willen zu bereden suchte, noch andere hinzu; allein, es war umsonst: der Graf sagte ihm; er wolte sich gern in allen Stücken weisen lassen, und dem König seinen Gehorsam erzeigen, sein Herz aber litt durchaus keinen Zwang: er hielt dafür: ein redlicher Mann müste sich nicht anders, als aus Neigung heiraten: der König hätte über alle seine Handlungen zu befehlen, die nicht wider die Aufrichtigkeit des Herzens stritten; er hielt die Eh für einen Stand, worinn nicht nur die genaueste Liebe und Vertraulichkeit herrschen sollten; sondern wo zugleich auch die notwendigste Pflichten der menschlichen Gesellschaft zu beobachten vorkämen. Es könnte sein, setzte er hinzu, dass diese Art zu denken, nach der heutigen Welt, etwas gemeines und niederträchtiges hätte. Unterdessen aber könnte er um so viel weniger andern Lebens-Regeln folgen, weil sie ihm noch weit gefährlicher als diese schienen.
Der Herr von Ridelo beklagte die Unschuld des Grafens so sehr, als er dessen Tugend bewunderte. Er nahm von ihm Abschied, und als er sich seine beständige Freundschaft ausgebeten, und ihn auf das zärtlichste umarmet hatte, reiste er ziemlich missvergnügt, wegen seiner schlechten Verrichtung, wieder nach Panopolis.
Gleich nach seiner Ankunft fuhr er zu dem Herzog von Sandilien. Dieser war übel zu frieden, da er hörte, dass sein Anschlag nicht glücklicher von statten gehen wolte. Der eigensinnige Graf, stiess er aus Unmut heraus, ist selber Schuld an seinem Unglück. Ich habe es recht gut mit ihm gemeint: ich weiss nicht, wie ich die Sache dem König soll vorbringen, dass er darüber nicht von neuem wider ihn aufgebracht werde; ja ich besorge anjetzo die Ausbrüche seines Zorns noch mehr als zuvor; weil der Graf dessen gröste GnadenBezeugungen so trotzig ausschlägt, und dadurch den König destomehr in seinem gegen ihn gefasten Argwohn stärket. Der Herr von Ridelo suchte alles in der Welt zu des Grafens Entschuldigung anzuführen: er bat, und beschwur den Herzog, diesen tugendhaften Cavalier in seinen Schutz zu nehmen, und verliess ihn nicht eher, als bis ihm der Herzog solches versprach.
Der König verlangte sehr zu vernehmen, was der Herr von Ridelo bei dem Grafen von Rivera würde ausgerichtet haben. Der Herzog von Sandilien suchte demselben die Sache so glimpflich, als es ihm nur möglich war, vorzutragen; allein der König liebte, er war eifersüchtig, und hatte es ursache zu sein. Dieses bedrohete den Grafen mit der äussersten Gefahr.
Der Herzog wuste nicht, wie er sich diese Begebenheit bei seiner Base zu Nutz machen sollte: er hatte den Herrn von Ridelo gebeten, die Sache verborgen zu halten; und weil der sonst plauderhaften Corinna selbst daran gelegen war, dass davon nichts bekant würde; so suchte er seine Base glauben zu machen, der Graf würde sich mit der Herzogin von Salona vermählen. Er hofte sie dadurch zu bewegen, dass sie sich desto leichter für den König erklären sollte. Die Gräfin von Monteras aber schützte ihre fortdaurende Unpäslichkeit vor, und begab sich wieder nach Prato zu ihrer Frau Mutter.
Des Königs Zorn wuchs durch die Kaltsinnigkeit der Gräfin und durch ihre Abreise. Dessen Eifersucht gegen den