und sie bat aufzumachen; sie rief mit leiser stimme: es wär gar ein schöner Herr da; sie wolte sie hurtig aufsetzen, damit sie sich könnte sehen lassen: die fräulein machte ihr in der Ungedult auf, und wolte sie eben darüber ausschelten, dass sie einen fremden Herrn wider ihren Befehl herauf gelassen hätte; als ich ihr um den Hals fiel. Erkennet mich, liebste Mariane, redete ich sie an, ich werde euch ja unter dem Namen von Riesenburg nicht abscheulicher vorkommen, als unter dem von Rossan. Wie! fragte sie ganz bestürzt, Rosson ist nicht Rossan mehr? er kan mich betrügen? o unglückselige Mariane.
Sie setzte sich darauf auf einen Stuhl, legte ihr Haupt in ihre Hand auf den Tisch und wolte mich nicht ansehen: ich setzte mich neben sie: was wollen sie sagen? meine werteste fräulein, sprach ich zu ihr. Ich habe mir eingebildet, sie liebten mich, und nicht meinen Namen. Ich erzehlte ihr darauf alles, was meinen Zustand betraff: ich vermeinte sie dadurch in eine angenehme Verwunderung zu setzen: allein die Tränen kamen ihr in die Augen, sie weinte: ich wuste nicht, was ich ihr sagen sollte. Ich habe gehofft, mein Herr, fing sie an, ich würde ihr Glück machen, und sie dadurch so fest an mich verbinden: dass sie notwendig dafür mich lieben müsten: Mit dieser süssen hoffnung hab ich mir nun vergeblich geschmeichelt: Rossan ist nicht Rossan mehr, er kan sich verstellen: er kan eine andere person annehmen: der Freiherr von Riesenburg wird sich nun so viel Mühe nicht mehr um mich machen.
Die Tränen rollten ihr noch von ihren schönen Wangen, als ihre Mutter zu uns kam. Wie, Monsieur Rossan! redete sie mich verwundernd an, was soll dieses bedeuten? wie so prächtig, und unter welchem Namen erscheinen sie hier? Gnädige Frau, war meine Antwort, nachdem sie mir die Gnad erwiesen, und mir die unvergleichliche Mariane versprochen haben; so kan ich nicht wohl geringer aufziehen: eine kleine herrschaft Rossan, davon ich mich bisher genennet, wird ihnen verhoffentlich den einzigen Sohn das Freiherrn von Riesenburg, Ober-Befehlshaber in Australien, nicht zuwider machen. Ich erklärte ihr darauf dieses geheimnis deutlicher, und sie schien mit dieser kleinen Erhöhung ihres zukünftigen Tochtermanns nicht übel zufrieden zu sein; zumahl, da sie dadurch der Sorgen entsetzet wurde, mich an einem Hof unterzubringen, und um meine und ihrer Tochter Lebsucht sich zu bekümmern.
Ich fuhr darauf nach Hof: man erwies mir daselbst viel Ehre. Die übrige Zeit verbracht ich meistens bei meiner liebsten Marianen: ich fuhr etlichemahl des Abends mit ihr spatzieren; sonst aber hielten wir unsern Umgang so geheim, als es möglich war. Nachdem ich also 6. Wochen in Monaco mit gröstem Vergnügen zugebracht hatte, machte ich Anstalten zu verreisen.
Ich nahm von Marianen Abschied. Ich erinnere mich dessen nie ohne äusserster Bewegung: sie blieb ganz erstarret vor mir stehen, sie sprach kein Wort, sie vergoss keine Tränen: die Säfte waren in ihren Augen wie vertrocknet: ich hätte sie lieber weinen sehen: ich küste sie, und sie druckte mir die Hand: darinne bestunde ihre ganze Bewegung. Ich schlich mich unvermerkt von ihr weg: die Frau von Turris war so erweicht, dass sie weinen muste: sie begleitete mich bis an die Treppe: ich empfahl ihr Marianen und verreiste.
Das Herz war mir so dick, und ich fühlte in der beklemten Brust eine solche ungewöhnliche Unruh, dass ich nicht sah, wo ich hinfuhr. Ich kam den andern Tag glücklich zu meinem Vater, der sich damahls auf seiner herrschaft, unweit Auracum, befand. Dieser wolte Anfangs meine Liebe zu der fräulein von Turris durchaus nicht guteissen; er hatte mit mir andere Absichten: die beste Gründe gelten nicht, wo einmal der Verstand mit Vorurteilen eingenommen ist: dem ungeacht, so bracht ich es endlich durch meine Vorstellungen so weit, dass er auf gewisse Bedingungen darein willigte.
Mein darüber empfundenes Vergnügen dauerte nicht lang: ich hatte an die fräulein von Turris gleich nach meiner Ankunft geschrieben, und von ihr noch keine Antwort bekommen. Dieses war unserer gepflogenen Abrede ganz zuwider: ich sandt deswegen meinen Cammerdiener nach Monaco: dieser kam nach einigen Tagen, weil er die Post geritten war, wieder zurück, und brachte mir die grausamste Zeitung von der Welt, dass die fräulein von Turris von ihrem Bruder wär entführet worden, und dass niemand, auch sogar ihre Frau Mutter nicht wüste, wo er sie hingebracht hätte. Diese Dame war darüber in Verzweiffelung, und liess mich bitten, so bald es mir möglich sein könnte, nach Monaco zurück zu kommen.
Ich war über diese Nachricht dermassen bestürzt, dass ich alle Müh von der Welt hatte, einen Entschluss zu fassen, der meinem Mut und meiner Pflicht gemäss war. Ich befahl meinem Cammerdiener, nichts von allem dem, was er wüste, meinem Vater zu entdecken: einige Stunden hernach liess ich mir meine beste Pferde satlen; ich sagte, ich wolte auf die Jagd reiten: mein Cammerdiener, ein Jäger und ein Reitknecht mit einem Hand-Pferd begleiteten mich, ich nahm meinen Weeg gerade nach Monaco: ich kam spät in ein Nachtlager: ich fand unten in der Gast-Stuben einen Bedienten, welcher die Turrische Liberei hatte: ich fragte ihn, wem er zugehörte? er sagte, dem Freiherrn von Turris: auf mein ferneres