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Behälter mit einem süssen Gemürmel ausstürzten, schien diesen stillen Ort gleichsam zu beleben.

Hier entdeckte der Graf dem Herrn von Bellamont, dass ihn der König nach hof berufen, und zu seinem Cammer-Herrn ernannt hätte; und dass er desswegen zu ihm gekommen war, in einer so wichtigen Sache sich seines guten Rahts zu bedienen. Der Herr von Bellamont schien über diese Nachricht verwundert zu sein; der König, sprach er, hat bisher nur lasterhafte und wilde junge Leute geliebet; was ist ihm ankommen, dass er den Grafen von Rivera bei sich haben will? Er befahl darauf seinen Leuten, ihn mit dem Grafen allein zu lassen, und nur ein kleines Abend-Essen für sie beide aufzutragen.

Die Sonne war bereits hinter den Gebirgen. Ein lieblich-falbes Grau schimmerte auf den unbegränzten Tiefen des Oceans. Auf dem land war es finster; doch glänzte noch auf den Gipfeln der Berge ein Gold-gelbes mit Purpur vermengtes Licht, welches nach und nach in rote Strahlen sich verwandelte und seine klarheit auf der andern Seite des Horizonts abdruckte. Es wurde Nacht. Die Sterne loderten mit einem funckelnden Schein. Der Mond stieg als eine feurige Kugel aus dem weiten Busen des Meers, und warf seine auf den Fluten spielende Strahlen in einer schiessenden Länge bis an das Ufer.

Niemals hatte noch der Graf von Rivera einen lebhaftern Eindruck von der Schönheit der natur bei sich empfunden. O mehr als angenehmes Land! fing er darüber seufzend an auszurufen; O süsses FeldLeben! soll ich dich verlassen? Der Herr von Bellamont lachte über diese lebhafte Entzückung des Grafens. Meinen sie denn, Herr Graf, sagte er, der Hof habe nicht auch seine Annehmlichkeiten? Bilden sie sich ein, dass die Sonne dort nicht so schön unterging, oder dass der Mond mit weniger Anmut den dunklen Erden-Kreiss beleuchtete? sollten sie nicht noch andere Belustigungen allda finden, welche diejenige, die man auf dem land hat, noch weit übertreffen? Halten sie die schöne Künste und Wissenschaften, die daselbst bis zur Vollkommenheit getrieben werden; wie auch die Schauspiele, die Aufzüge, dem Umgang mit allerhand Menschen, nebst unzehligen Veränderungen und Lustbarkeiten für eitel solche Dinge, die ein Weiser verachten müsse? Ich glaube, fuhr der Herr von Bellamont fort, wir können hierinnen leicht zu ernstaft und zu gezwungen sein; Man verschmähet insgemein aus Hochmut, was andere preisen. Man will sich über alle äusserliche. Dinge hinaus setzen, und dadurch die Grösse seines Geistes zeigen, dessen ganze Tugend doch öfters nur darin bestehet, dass er sich selbst gefällt und desswegen alles andere gering schätzet, was nicht zu seiner eigenen Erhöhung dienet. Wie glücklich wären wir nicht, wenn wir in allen Dingen nur das Böse absonderten und das Gute allein uns zu Nutz zu machen wüssten?

Also raten sie mir, fragte hierauf der Graf den Herrn von Bellamont, dass ich dem Beruf des Königs folgen, und mich nach Hof begeben soll? Allerdings, erklärte sich dieser. So sehr ich auch von den Annehmlichkeiten ihres bisherigen Umgangs eingenommen bin, und so wehrt mir auch ihre Freundschaft ist, deren Genuss ich einigermassen durch dero Abwesenheit verliehren muss, so kan ich doch mit gutem Gewissen ihnen solches nicht wohl abraten. GOtt hat ihnen, allem Ansehen nach, so grosse und besondere Gaben, als sie besitzen, nicht zu dem Ende verliehen, dass sie solche auf ihren Gütern vergraben sollen; Ich merke allzu deutlich, dass sie zu etwas grösseres geschaffen sind. Es ist wahr, sprach der Herr von Bellamont weiter, das Land-Leben hat etwas überaus süsses für einen Geist, welcher die Unschuld, die Freiheit und die Ruhe liebt; Allein, wenn alle tugendhafte und geschickte Leute nur bloss auf ihre eigene Vergnügung denken und auf dem land leben wolten, wer würde in der Welt durch seine Beispiele andere erbauen? Wer würde den Ausbrüchen der wildesten Laster Einhalt tun? Wer würde den Hof, das Land und den Staat regieren helfen? helfen? Ich bin zwar nicht der Meinung, fügte der Herr von Bellamont hinzu, dass man sein eigenes Vergnügen dabei aus den Augen setzen müsse. Ich habe vielmehr gefunden, dass diese Art zu denken insgemein einen verborgenen Hochmut zum grund hat, und die sicherste Heuchler zu machen pfleget. Es ist nichts natürlicher und den Absichten des Schöpfers gemässer, als dass ein jeder Mensch seine Glückseligkeit zu befördern sucht. Es gibt aber auch zugleich einige grosse Gemüter die das mit für ihre Glückseligkeit halten, wenn sie andre können helfen glückselig machen. Man nennet solche Leute Helden, und es ist gewiss, dass ihr Eifer von dem Himmel selbst entzündet wird. Man siehet sie mit einem tapfern Mut wider die Bosheit und Tyrannei sich waffnen, und für die Rechte der Menschheit streiten. Man siehet sie immer geschäfftig, den einreissenden Unordnungen zu steuren und den allgemeinen Wohlstand des staates zu befördern. Sie tun desgleichen, mein wertester Herr Graf, sie gehen nach Hof, sie bewerben sich um die Gunst des Königs; Er hat sich von den Lastern einnehmen lassen, machen sie, dass er zurück kehre und die Tugend liebe. Mit diesen und dergleichen Gesprächen verbrachten diese beide Herren den Abend mit dem grössten Vergnügen.

Nach einigen Tagen besuchte der Herr von Bellamont nebst seiner Gemahlin und dessen noch unerwachsenen einzigen Sohn, den Grafen und dessen Frau Mutter zu Rivera. Der Graf war ihnen die Hälfte des weges entgegen gefahren; Er sass auf einem offenen Wagen den zwei Apfelgraue