fräulein, bei dieser gelegenheit blicken liess, machten mich zum zärtlichsten Liebhaber von der Welt. Wir waren beiderseits von der Heftigkeit unserer leidenschaft dermassen eingenommen, dass wir uns einander eine immerwährende Treue schwuren, es mögte auch kommen, wie es wolte. Ich konte mich nicht entalten, diese Versicherungen mit einigen Liebkosungen zu begleiten.
Die Frau von Turris trat eben ins Zimmer, da ich ihre Tochter umarmte. Wie! sprach sie, meine Tochter, wie! seid ihr mit dem Herrn von Rossan so vertraulich? sie wolte uns darüber ihre Verachtung zu erkennen geben, als wir beide uns zu ihren Knien warfen, und sie mit den beweglichsten Gebehrden ersuchten, unserer unschuldigen Liebe nicht zuwider zu sein.
Ihr Kinder! fing sie darauf mit einem besänftigten Wesen an: eure Liebe verblendet euch: dergleichen Sachen lassen sich so geschwinde nicht tun. Es ist nicht genug, mein lieber Herr von Rossan, dass sie meine Tochter als ein tugendhafter Edelmann lieben: wovon wollen sie leben? sie werden schwerlich ihre Religion verändern wollen, und ohne dieses Mittel sehe ich keine Hoffnung, sie hier am hof unterzubringen.
Die gröste Schwierigkeit ist, fuhr sie fort, dass ich meinem Sohn und meiner ältesten Tochter das Wort gegeben habe, Marianen allhier ins Closter zu bringen. Mein Sohn ist insonderheit ein gar wilder und ungestümmer Mensch, der keine Vernunft und keine Billigkeit verstehet. Mariane im Gegenteil ist das beste Gemüt von der Welt: man hat von Jugend auf bei ihr eine gewisse Gottesfurcht und Sittsamkeit gespüret, woraus man geschlossen, dass sie sich für nichts anders als für das Closter schicke; sie war bei meiner Schwester in der Einsamkeit und in lauter Andachts-Ubungen erzogen worden: sie kante also die Welt nicht, und meinte deswegen auch darin nicht viel zu verliehren: ich merkte aber bald, dass sie ein heimlicher Kummer nagte; und als die Zeit herbei kam, dass ich sie hieher bringen wolte, um ihr ProbJahr anzufangen; so bekante sie mir, mit Ausstürzung vieler Tränen, dass sie einen Abscheu vor dem Closter hätte. Meine Mariane dauerte mich von Herzen: ich konte mich nicht entschliessen, ihr die geringste Gewalt anzutun: ich furchte mich nur vor meinem unartigen Sohn.
Ich brachte sie also hieher, in der Absicht, sie zwar in das Closter zu führen; unterdessen aber mit meiner Schwester auf Mittel zu sinnen, wie wir sie, vor ihrer Einkleidung, von einem ihr so verhasten Gelübde noch befreien mögten. Ich glaubte, der Himmel habe mir solche durch sie, mein lieber Herr von Rossan, entdecken wollen: sie haben Verstand und Wissenschaften: ich hätte ihnen hier bei hof Freunde und Schutz erwerben wollen; allein, so sind sie nicht von unserer Religion, dieses verwirret mir alle meine gemachte Anschläge.
Ich dankte der Frau von Turris auf das verbindlichste für diese so gütige Erklärung: ich sagte, ihr Herr Sohn würde sich gleichwohl müssen weisen lassen, wenn man seine Gerechtsame nicht antasten würde. Ach! liebster Herr von Rossan, sagte Mariane: sie kennen meinen Bruder nicht, er ist ein ganz abscheulicher Mensch; und sie werden hier kaum sicher sein, wann er erfahren sollte, dass sie bei uns einen so freien Zutritt hätten.
Wir nahmen darauf unsere Abrede, dass ich, so bald mein Geschäft bei hof zu Ende sein würde, mich wieder nach haus begeben, die fräulein aber zum Schein einige Wochen ins Closter gehen sollte. Nach Verfliessung einiger Wochen sollte sich die fräulein beklagen, dass sie sich nicht wohl befände, und dadurch ihre Frau Mutter nötigen, sie wieder nach ihrer Schwester, der Gräfin von Iserlo, zu bringen. Biss dahin sollte ich mich bei meinem Hof um einen guten Dienst bewerben, und alsdan ihre Tochter bei obgemeldeter Gräfin abholen.
Also war mein Handel mit dieser fräulein geschlossen, da ich kaum noch drei Wochen in Monaco mich aufgehalten hatte. Ich glaubte, dass es nun Zeit sein würde, mich derselben näher zu entdecken.
Ich liess zu dem Ende für mich eine prächtige Gutsche mieten, nahm zu meinem Leibdiener noch einen Lehn-Laquayen, und gab ihm gleiche Liberei mit dem meinigen, sie war rot mit buntfärbigen und silbernen Schnüren reich besetzt; ich hatte ein Kleid, welches für eines der schönsten und kostbarsten auch selbst zu Panopolis gehalten wurde. Eh ich also nach Hof fuhr, liess ich mich des Morgens bei der Frau von Turris unter meinem rechten Namen melden. Weil mein Vater Ober-Befehlshaber in Australien ist, so waren wenig Leute vom stand in Monaco, die meinen Namen nicht kanten. Die Frau von Turris erschrack demnach, wie man ihr sagte, der Freiherr von Riesenburg hielte vor ihrer Tür, und wolte bei ihr seine Aufwartung machen.
Weder sie, noch ihre Tochter, waren also angekleidet, dass sie sich vor einem fremden Cavalier wolten sehen lassen; sie schlugen deswegen meinen Besuch ab, und baten sich die Ehr auf ein ander mahl aus. Ich war aber schon ausgestiegen und ging der Treppen hinauf: die Bedienten erkanten mich; ich winkte ihnen, sie sollen nichts sagen: ich trat also in der Frau von Turris ihr Zimmer; sie aber floh zu der einen und ihre Tochter zu der andern Tür hinaus: beide setzten sich an ihren Nacht-Tisch, und suchten erstlich vor ihrem Spiegel sich zu beraten, ob sie vor einem so kühnen Fremdling sich wolten sehen lassen.
Mariane war noch in dieser Bestürzung, als das Cammermägdgen bei ihr anklopfte,