, ist es ihr Geist, oder sind sie es selbst? was machen sie hier in unsrer Kirchen? ich erkante sie sogleich für die fräulein von Turris: ich wolte aufstehen, und ihr meine Ehrerbietung bezeigen; sie aber bat mich in meiner Stellung zu bleiben: sie sagte: so gefiel ich ihr wohl, und sie wünschte nichts mehr, als mich hier in Ernst andächtig zu sehen: ich versicherte sie, dass ich solches wär, und dass ich mich glücklich schätzte, sie dabei zum Zeugen zu haben.
Ach mögt ich sie doch bekehren! sagte sie zu mir, aus dem besten Herzen von der Welt, was wolt ich nicht darum geben? dieses ist sehr grossmütig, gnädige fräulein, war meine Antwort; allein, würden sie sich auch meines zeitlichen Wohlseins gleichfalls annehmen? sie erklärte sich darauf, dass es ihr leid wär, mir in diesem Fall mit nichts anders, als mit ihrem Gebet dienen zu können. So wollen sie denn doch eine Nonne werden? fragte ich sie weiter. Sie kehrte hierauf ihre Augen nach mir und seufzete: ich verwies ihr dieses Stillschweigen; sie fragte, was ich ihr denn riete zu tun? sie hätte ausser mir in der Welt noch niemand gefunden, der ihr diesen Beruf schwer gemacht hätte.
Diese Worte rührten mich: ich konte mich länger nicht zurückhalten, ihr meine Liebe zu erkennen zu geben. Wohlan, schönste fräulein, sagt ich ihr, so bleiben sie denn für mich in der Welt und lieben mich. Diese Erklärung setzte das gute Kind in eine ungemeine Bewegung: sie reichte mir mit Zittern ihre rechte Hand, und sagte mir mit dem allerernstlichsten blick: ich beschwöre sie bei dem GOtt, den wir beide hier verehren, dass sie meiner Neigung, die ich ihnen auch wider meinen Willen zeige, nicht missbrauchen. An statt ihr darauf zu antworten, neigte ich meinen Mund, und küste ihre Hand: sie zog solche mit ihrem Schnuptuch in die Höh, wischte damit die Tränen ab, welche ihr in die Augen drangen, und bat, ich sollte mich in acht nehmen, weil man uns beobachten könnte.
Wir stunden auf: ich hatte mit der fräulein abgeredt, uns einander hinführo mehr an diesem Ort anzutreffen. Ich führte sie damit auf ihre Gutsche; ich besuchte darauf auch ihre Frau Mutter. Mein Cammerdiener war unterdessen mit meinen Sachen angekommen; ich ging also zu einigen Hofräten, bei welchen ich das Geschäfte meines Vaters zu treiben hatte: ich versprach ihnen in seinem Namen eine nachdrückliche Erkenntlichkeit, wenn sie ihm bald würden Recht wiederfahren lassen: diese Herren lobten meine Höflichkeit, und binnen 14. Tagen hatte ich meine Ausfertigung.
So lang ich konte, hielt ich meinen wahrhaften Namen bei der Frau von Turris und ihrer fräulein Tochter verborgen: ich bediente mich keiner Gutsche und keiner prächtigen Kleidung, ob ich gleich deren welche mit mir genommen hatte, um bei hof zu erscheinen: ich machte mich bei ihnen so klein und so unvermögend, als es immer der Wohlstand leiden mochte: ich wolte dadurch die fräulein und ihre Frau Mutter auf die probe stellen, ob sie mir auch aufrichtig wohl wolten.
Ich hatte das Vergnügen, dass mir die Mutter antrug, mich, wenn ich Lust hätte, an dem Monakkischen, oder auch an dem Licatischen hof in Diensten zu bringen; weil sie, wie sie sagte, wichtige Freunde an diesen beiden Höfen hätte. Ich küste ihr für diese grossmütige Sorgfalt die Hand: ich sagte ihr aber zugleich, dass ich wohl wüste, dass man an diesen Höfen keine Kertzer in Diensten nehme. Ja, antwortete sie halb im Scherz, Monsier Rossan müste sich bekehren. Bekehren! wiederholte ich, gnädige Frau, mich bekehren von einer Secte zur andern, was würde dadurch mein Herz gebessert werden? dem ungeacht setzte ich dazu, wolte ich mich allenfalls so betragen, dass ich niemand keinen Anstoss geben würde.
Sie liess mich darauf mit ihrer Tochter allein: ich fragte sie, ob sie den Rossan noch ein wenig liebte? nur allzuviel für meine Ruh, gab sie mir zur Antwort: wenn ich denselben aber könnte glücklich machen, so würde ich so vergnügt sein, als viel ich jetzt leide: wie so, werteste fräulein, erwiderte ich, wenn sie mich lieben, so ist mein Glück schon gemacht, denn ich suche bei ihnen nichts anders. Was wollen wir aber anfangen, fuhr sie seufzend fort? wie sie sagen, so haben sie kein Vermögen; und obgleich meine Frau Mutter ihnen bereits gesagt hat, dass ich von ihr, besonders aber von ihrer Schwester, der Gräfin von Iserlo, noch etwas zu hoffen hätte, so ist doch die Unbarmhertzigkeit und der Eigennutz meiner beiden Geschwister dermassen gross, dass sie mich deswegen ins Closter tun wollen, um dermahleinst die Erbschaft unter sich allein zu teilen. Meine Frau Mutter, fügte sie hinzu, könnte ihnen allenfalls wohl zu einem Dienst bei hof verhelfen; allein, sie sind nicht von unsrer Religion, und also wird es damit schwer hergehen: wolten sie mir zu Liebe ihren Glauben ändern, so weiss ich nicht, was mich zurück hält, ihnen solches zu raten: es scheinet mir dieses für einen verständigen Edelmann, wie sie sind, zu niederträchtig; zumahl, da sie die Irrtümer von unsrer Kirchen wissen, und mir zu aufrichtig scheinen sich zu verstellen.
Das erhabene Gemüt und die reine Vernunft, welche mir meine geliebte Mariane, so nannte sich die