an mir einen Reis-Gefährden zu haben; weil sie ebenfalls ihren Weg dahin nehmen würde. Ich weiss nicht, was derselben an mir gefiel: sie hatte eine Geheimnissvolle Bildung: ihre Stirn war voller Strich und Runzeln; die Augen lagen ihr tief im Kopf: ihr Gesicht bestund aus Haut und Knochen; man sah an ihr nicht den geringsten Uberbleibsel, dass sie jemahls wäre schön gewesen. Saturnus herrschte in ihrer ganzen Bildung, der plauderhafte Mercurius aber auf ihren Lippen: wir hatten in diesem Stück einerlei Planeten: sie sprach gern, und ich blieb nicht leicht eine Antwort schuldig: meine Gesellschaft war ihr also angenehm. Sie nötigte mich den andern Morgen einen Platz in ihrer Gutsche zu nehmen, und das Cammermägdgen muste sich bequemen, mir ihre Stelle einzuräumen, und sich unten im Schlag zu meinen Füssen zu setzen.
Ich hatte hier die schöne fräulein beständig im Gesicht: man wird nie hurtiger zusammen vertraulich als auf der Reise: eine jede Meile, die wir zusammen zurück legten, war für uns so viel als ein Jahr Bekantschafft. Die fräulein, welche ich auf alle Weise aufzumuntern suchte, wurde immer trauriger: ihre Augen, die sie öfters mit einer schamhaftigen, aber durchdringenden Art, auf mich heftete, suchten bei mir ein Mitleiden zu erwecken, welches ich schon hatte. Die Mutter, so finster sie auch unter der Stirne aussah, war um desto aufgeräumter: sie hatte die artigste Einfälle und ihre Lebhaftigkeit forderte gleichsam die meinige heraus.
Ach hatte meine Hand in der Gutsch an einem Riemen hangen: ich merkte, dass die Frau von Turris mit ihren Augen dahin sah: ihre Raschetten, Herr von Rossan, sprach sie, sind recht gut; sie werden ein alter Mann werden: als sie dieses sagte, reichte ich ihr meine Hand und bat, sie mögte mir etwas gutes prophezeien: sie besah darauf meine Lineamenten; allein, nachdem sie meinen montem Solarem und die Satellites mit fürchterlichen Blicken durchgangen, schüttelte sie den Kopf, und sagte mir, ich mögte mich vor dem Frauenzimmer in acht nehmen; dann eine gewisse Conjunction des Martis drohete mir in der Liebe mit Unglück. Wir scherzten darüber: ich besah darauf auch der fräulein ihre Hand: ich muss bekennen, dass ich die Tage meines Lebens keine schönere gesehen: Alle Haupt-Lineamenten zeigten etwas grosses und glückliches. Ich gab mir das Ansehen eines Erz-Wahrsagers; alle Worte dieser geheimen Wissenschaft waren mir bekannt, und was noch mehr, ich verstunde mich ein wenig auf die Augen. Ich prophezeite also der fräulein ganz das Gegenteil von dem, was mir ihre Mutter angedeutet hatte. Ihr Mons Veneris, fing ich an, schönste fräulein, ist von einer unvergleichlichen Erhöhung; und ich sterbe, wenn sie die Planeten zu etwas anders, als zu der vollkommensten Liebe gezeuget haben. Die gute fräulein wolte mir solches nicht glauben, sie sagte mit Seufzen, ihr Beruf ging ins Closter, und die Planeten könnten in den Wegen der Vorsehung nichts ändern.
Wir kamen damit an den Ort, wo wir das Mittagmahl hielten: man setzte sich zu Tische. Die zum Closter gewidmete Schöne hatte wahrgenommen, dass ich mich nicht, wie sie, nach verrichtetem stillen Gebet, mit dem Creuz segnete. Wie sind sie so wenig andächtig? sprach sie zu mir, mit einem unschuldigen Wesen, sie schämen sich vielleicht, sich fromm zu stellen; oder sind sie wohl gar ein Ketzer? Ich lächelte darüber und sagte nichts: sie erkant daraus, dass ich nicht von ihrer Kirchen war: dieses verursachte bei ihr ein trauriges Nachdenken, davon sie die Empfindlichkeit nicht bergen konte. Mir sassen kaum zusammen wieder in der Gutsche, als ich wieder mit der schönen fräulein anband. Ich fragte sie ganz ernstlich, was sie doch gedächte im Closter zu machen? ich werde, sprach sie mit einer Errötung, darin tun, was einem geistlichen Ordens-Frauenzimmer geziemet: ich fragte sie weiter, ob sie denn einen solchen geistlichen Beruf wirklich bei sich empfände, und dessen überzeugt wäre? sie sah darüber aber mahl ihre Frau Mutter an, und überliess ihr darauf zu antworten: diese schien über meine fragen böse zu werden, und sagte mir, ich sollte ihre Tochter ungequält lassen.
Gnädige Frau, fuhr ich fort, sie verzeihen mir, sie sind eine so kluge Dame, ich kan mir nicht einbilden, dass sie bei ihrer fräulein Tochter einen Closter-Beruf sollten entdecket haben: sie ist viel zu schön geschaffen, als dass man mit gutem Gewissen sie in einen Schleier verhüllen, und in die vier Mauren einsperren sollte. Die natur hat mit ihr dergleichen Absichten nicht gehabt; unglückliche, hesliche Missgeburten, die derselben in der Zeugung misslungen, und andern Menschen nur zum Spott, zum Aergerniss und zur Straffe leben, die sollte man in die Clöster sperren, und solche nicht zur Schande ihres Geschlechtes auf den Schau-Platz der Welt ausstellen.
Die Frau von Turris muste, so sehr sie sich auch zwingen wolte, über meine Einfälle lachen: ihre fräulein hingegen war noch immer traurig: ich sagte ihr deswegen, sie sollte nicht ins Closter gehen: sie würde darinnen nur die Geistlichen in ihrer Andacht stöhren, und dadurch mehr Sünde tun, als wenn sie in der Welt bleiben wurde: ja, was noch mehr, sie würde alle erlaubte Ergötzlichkeiten dieses Lebens im Closter verliehren, und dargegen noch alles Böse, so die Menschen unglücklich macht, darinnen finden.
Der