. Nunmehr aber winkte er dem Herrn von Ridelo mit einem freundlichen blick, und versprach ihm hernach in seinem Laboratorio Dinge zu zeigen, darüber er erstaunen sollte. Unter andern rühmte er sich auch, dass er eine geschwinde Generation des Salpeters erfunden, darüber er bereits dem Herrn Commendanten die Eröffnung getan hätte. Dieser muste bekennen, dass man nicht leicht ein schöneres Gemengsel von allerhand elementarischen Feuer-Farben sehen könnte, als wenn man dem Herrn von Auertor ein Paar dukaten in den Tiegel schmiss: der Rauch allein von diesem glänzenden und Wunders-würdigen Chaos sei nicht nachzumahlen; und gäbe genugsam zu erkennen, dass die natur den Menschen nicht umsonst ihre verborgene Schönheiten zeigte.
Uber diesem Gespräch wurde der General geruffen; er beurlaubte sich deswegen von seinen Gästen, und bat sie, seinetwegen sich nicht zu stöhren. Man war einer solchen Freiheit auf dieser Festung gewohnt, dass ein jeder tat, was er wolte: einige blieben noch bei dem Wein an der Tafel; andere aber machten sich vor das Camin, rauchten eine Pfeiffe Toback und liessen sich dabei mit Caffee und Tee bedienen. Weil aber der Herr von Ridelo begierig war, die Begebenheit des Freiherrn von Riesenburg zu vernehmen, so begab er sich mit ihm auf des Grafens von Rivera Zimmer, da dann jener seine Erzehlung folgendergestalt anfieng.
Das sechste Buch.
Die begebenheiten des Freiherrn
von Riesenburg.
Es ist bereits ein halbes Jahr, da ich in gewissen Geschäften meines Vaters, eine Reise nach Monaco tun muste. Ich hatte mich mit meinem eignen Geschirr bis auf die nechste Post bringen und meinen Cammerdiener mit dem Gepäck auf der Landgutsche nachkommen lassen: ich hatte niemand als einen Diener bei mir, und ritte die Post: es wurde Nacht, ich war in einem Wald und hörte von weitem ein ängstliches Geschrei. Ich befahl meinem Postillon still zu halten. Ich hörte, dass es Weibsleute waren, deren kläglicher Ton durch das weite Gehölz erschallte. Ich hatte ehedessen den Don Quichott gelesen, und dachte hier an den ehrlichen Mann, wie bereitwillig er sich bei solcher gelegenheit erzeigte, den Notleidenden beizuspringen: ich wolte nicht weniger grossmütig sein: ich ergriff deswegen eine von meinen Pistolen, rannte damit voraus, und ermahnte meine beide Gefährden mir nachzufolgen: diese zitterten vor Furcht, und ich sah wohl, dass ich mit ihnen schlechte Helden-Taten verrichten würde.
Es war dunckel ehe ich michs versah, stiess ich auf Pferde, welche dadurch in Unordnung gerieten: ich hörte mich mit einem entsetzlichen Fluch, und einem kräftigen Streich einer klatschenden Peitsche bewillkommen: dass dich dieser und jener hohl, klungen ungefär die mit einer rauhen Kehle ausgestossene Worte, wer rennet mir da in die Pferde? ich merkte bald, dass ich hier meine Pistolen nicht würde nötig haben; ich steckte sie deswegen wiedeer an ihr Ort, und fragte, was da zu tun wäre? Seht ihr dann nicht, war die Antwort, dass hier eine Gutsche umgeworfen ist?
Ich sprang auf diese Nachricht hurtig vom Pferd und ging nach der Gutsche hin, woraus, so viel ich in der Finsterniss erkennen konte, drei Frauensleute nach einander oben aus dem Schlag gehoben wurden: ich leistete ihnen in dieser ängstlichen Bemühung hülfreiche Hand, und empfieng dafür von ihnen die höflichste Dancksagungen: die Gutsche wurde darauf wieder in die Höh gebracht, ich ritte an derselben her: wir kamen in einer kleinen Stunde an den Ort, wo die Post wechselte: das in der Gutschen befindliche Frauenzimmer stieg aus und fragte nach einem guten Quartier: ich hatte auch nicht Lust die Nacht weiter zu reisen; sondern liess mir gleichfalls in demselben haus ein Zimmer einräumen. Der Wirt fragte mich, ob ich mit dem Frauenzimmer, mit dem ich angekommen wäre, speisen würde? ich sagte, dass er sie deswegen um erlaubnis fragen sollte: ich erhielte solche; wiewohl sich die beide Damen entschuldigten, dass sie in ihren Nacht-Kleidern wären: das Frauenzimmer pfleget dergleichen Formalien nie zu vergessen; sie hatten nebst einem Cammermägdgen und einem Diener, auch einen Missionarium Apostolicum bei sich. Ich fand an der jüngsten eine ausserordentliche Schönheit, sie nannte die Alte ihre Mutter: ich vernahm, dass sie die Frei-Frau von Turris war, welche in der Absicht nach Monaco reisete, um ihre schöne Tochter allda in ein adeliches Jungfrauen-Closter zu bringen: ich fragte deswegen die fräulein, indem ich ihr scharf unter die Augen sah, ob sie denn so grosse Lust zum Closter-Leben hätte? sie errötete darüber, und konte einem Seufzer, den sie mit Gewalt zurück halten wolte, nicht verwehren, mir die wahre Beschaffenheit ihres Herzens zu entdecken: sie warf dabei ihre Augen auf ihre Frau Mutter, und liess sie für sich antworten.
Diese berichtete mir hierauf, dass ihr Sohn die Stamm-Güter von dem Turrischen Geschlecht besässe. Ihre älteste Tochter wäre bereits mit einem Cavallier verheiratet, dem sie aus den ParapharnalGütern, und was sie etwa eigenes ihrem seligen Herrn zugebracht hätte, einen kleinen Braut-Schatz zusammen gemacht und mitgegeben hätte; doch sollte dem ungeacht auch diese ihre ledige Tochter noch eine feine Mitgift ins Closter bekommen, damit sie darinnen an nichts Mangel haben mögte.
Die Damen erkundigten sich darauf auch nach mir, ich hatte meine Ursachen, mich ihnen nicht völlig zu erkennen zu geben: ich sagte, ich wär ein Austrasischer Edelmann, hiesse Rossan, und wolte nach Monaco reisen.
Die Frau von Turris sagte, dass sie sich erfreute,