zum Ausspülen der Gläser aus einem Kranen beständig das wasser spritzte.
Mitlerweile der Graf von Rivera alle diese Erfindungs-reiche Seltenheiten den Herrn von Ridelo hatte beobachten machen; kamen nach und nach auch die Kostgänger des Commendanten herbei, welche als Gefangene von einem gewissen Rang, von demselben gewöhnlich mit zur Tafel gezogen wurden.
Der erste war ein vornehmer Geistlicher: er kam mit abgemessenen Schritten, und einem steif-zurückgeschlagenen Haupt in den Saal getreten: seine Stirne zeigte einen stolzen Ernst, und aus seinen Augen leuchtete ein Feuer, welches allen denjenigen Zorn und Rache drohete, die seinen Meinungen sich widersetzen wolten. Nachdem er die Anwesende mit einer gezwungenen Demut begrüsset hatte, fragte der Herr von Ridelo heimlich den Commendanten, wie doch dieser ehrwürdige Mann auf die Vestung kommen sei. Der Commendant berichtete ihn, dass dieser Prälat seinen ganzen Sprenkel aufgewiegelt, und die Leute durch seine Streit-Predigten dergestalt in einander gehetzet hätte, dass darunter die gemeine Ruh und Sicherheit wäre verletzet worden. Man hätte ihn deswegen hier auf diese Vestung gebracht, dass er unter Leuten, die vom Krieg ihr Handwerk machten, den Frieden lernen sollte.
Der Herr von Ridelo fragte darauf weiter: wer ist dann dieser muntere Alte, der bei seinem elenden und magern körper doch einen so vergnügten Mut bezeiget? Es ist, antwortete der Commendant, unser berühmter Goldmacher, der die Cammer, unter dem Vorwand, die gemeine Berg-Erze durch den Mercurium zu lösen, und in lauter Silber zu verwandeln, um etliche Tonnen Gold gebracht hat: er ist sonst der ehrlichste Mann von der Welt, und es wird nicht lang anstehen, so wird er ihnen sein Vergnügen über die Entdeckung eines neu-erfundenen Geheimnisses offenbaren.
Indem sie sich noch bei diesem Goldmacher aufhielten, kam ein Obrist-Wachtmeister von einem Dragoner-Regiment: er hatte ein trotziges und wildes Ansehen; es schien, als ob er auf die andere nur seine Blicke warf, um sie vor ihm in Furcht zu setzen: Dieser Tersites hatte sich bei seinem Regiment nicht Fried-liebender, als der obgemeldte Prälat in seinem Kirchspiel aufgeführet, und etlichmahl wider das Königliche Duell-Mandat sich herumgebalget.
Es kam darauf ein vierter, welcher die Freundlichkeit selbst zu sein schien: er machte allen Anwesenden zehen Reverenze für einen, fragte, wie sie sich befänden, wie sie geruhet hätten, was sie neues wüsten, und dergleichen; dem Herrn von Ridelo aber kont er seine Freude nicht genugsam ausdrücken, dass er die Ehre hätte, demselben hier seine Aufwartung zu machen. Dieses war der Ritter Bonadi, der deswegen dem Herrn Commendanten in die Kost war gegeben worden: weil er sich, zur Schande seines Hauses, welches jetzt mit einem Herzoglichen Titul pranget, an eine leichtfertige Metze gehängt, und dieselbe geheiratet hatte.
Ein fünfter unterbrach diesen Ritter, welchen der Herr von Ridelo alsobald für den Freiherrn von Riesenburg erkante: er umarmte ihn, als einen Cavallier, der ehedessen eine Zeitlang bei hof gewesen war, und der zuweilen auch in den Gesellschaften bei seiner Frauen sich mit eingefunden hatte. So lieb es mir ist, mein Herr Baron, sagte der Herr von Ridelo, sie zu sehen, so wünschte ich doch nicht, dass ich diese Ehre an einem Ort haben mögte, wo ich sie ihrer Freiheit beraubet finde. Ich hoffe, antwortete ihm dieser, solche bald wieder zu erlangen, und ich werde nach Tisch mir die erlaubnis ausbitten, ihnen meine ganze Begebenheit umständlich zu erzehlen.
Zuletzt kamen noch einige Officiers von der auf der Vestung liegenden Besatzung, nebst ihrem Regiments-Caplan. Die Tafel war rund und das Gespräch allgemein. Der Goldmacher, weil er nebst dem Ritter Bonadi am aufgeräumtesten war, muste dismahl dazu den Stoff hergeben. Unser Herr von Auertor, so nannte sich derselbe, wird sonder Zweifel, sagte der Commendant, wieder ein gutes Experiment gemacht haben; dann er siehet mir heute ungemein vergnügt aus. Ja, antwortete ihm dieser, ihre Excellenz geben mir wohl Kohlen und Tiegel, aber die dukaten, die dukaten sind ihnen noch zu lieb: aus nichts aber kommt nichts. Unterdessen sollen doch heute Ew. Excellenz an einem gewissen Process von Wein-Geist ihren Wunder sehen, den ich dermassen geläutert habe, dass er, wenn er angebrannt wird, nebst den allerglänzendsten Farben, auch gewisse Creuz-Figuren vorspiegelt, welche man ohne die äusserste Andacht nicht betrachten kan.
Darf ich mir, fragte ihn hier der Herr von Ridelo, dieses Chymische Kunst-Stück mit anzusehen, die erlaubnis ausbitten? ich bin ehedessen auch ein Liebhaber dieser edlen Kunst gewesen. Wie! gewesen, wiederhohlte hierüber der Herr von Auertor ganz bestürzt, Ew. Excellentz verzeihen mir, wer einmal sich mit der geheimen Philosophie als ein Liebhaber eingelassen, der kan, so lang er lebet, nicht aufhören, ein solcher beständig zu sein. Ich bin es auch noch, versetzte darauf der Herr von Ridelo, um den schier erzürnten Weisen wieder zu begütigen. Es ist noch nicht gar lang, fuhr er fort, dass ich selbst ein Particular erfunden, Venerem in veram lunam vermittelst eines Mercurialischen Menstrui zu verwandeln: es fehlet mir noch an einem guten Fermento.
Der Herr von Auertor war ganz entzückt, an dem Intendanten einen solchen Kenner seiner Wissenschaften anzutreffen: denn man hatte bisher seine geheime Redens-Arten nicht verstanden; obgleich der General ihm zur Kurzweil, Oefen, Brennkolben, Tiegel und Kohlen nach Verlangen herbeischaffen liess