1740_Lon_068_33.txt

hassen, dem die Gräfin von Monteras in ihrem Herzen einen solchen empfindlichen Vorzug gibt: Könige sind gewohnt über alles zu herrschen, und wer ihrer Gewalt etwas in den Weg leget, oder vor ihnen sich einigen Vorzug erwirbet, der ist ihr Feind, und der hat sich allentalben in acht zu nehmen, dass er nicht das Opfer ihrer beleidigten Hoheit werde.

Ich verstehe sie, hochgeschätzter Freund! erklärte sich hierauf der Graf; ich beklage von Herzen, dass ich meinem König, dem ich sonst mit äusserster Treu und Liebe zugetan bin, Anlass gegeben habe, auf mich ungnädig zu werden: Bitten sie doch deswegen den Herzog von Sandilien, dass er, zur Beruhigung des Königes, mich auf dieser Vestung lasse: sagen sie ihm, dass ich ihm für eine so süsse Gefangenschaft verbunden wäre, und dass ich, so lang ich lebe, ein aufrichtiger Diener von ihm und seinem ganzen haus bleiben werde: oder will man einen Unschuldigen nicht mit dem Verlust seiner Freiheit strafen, so verbiete man mir auf allezeit den Hof, und lasse mich davon entfernet, in der Verborgenheit, auf meinen Gütern leben: ich werde dem König auch abwesend meine Ehrfurcht, meinen Gehorsam und meine Redlichkeit zeigen.

Nach dieser Erklärung des Grafens, trat der alte General ins Zimmer, und bewillkomte den Herrn von Ridelo nach seiner gewöhnlichen Höflichkeit. Meine Herren, sprach er darauf zu ihnen, es ist bald Mittag; gefällt es ihnen, allein, oder mit der Gesellschaft zu speisen? Der Herr von Ridelo wolte das erste wehlen; allein, der Graf fiel ihm in die Rede: Nein, wertester Herr Intendant, sagte er zu ihm, sie müssen sich dismahl nach unserer Weise bequemen und auch sehen, wie hier die Gefangene leben. Auf dieser Vestung, fuhr er fort, herschet ein eigner Stern, der lauter muntere und angenehme Einflüsse hat; die unglückseligste Menschen vergessen hier ihren Kummer: die Strafe der Gefangenschaft, womit sie die Gerechtigkeit, oder ein widriges Schicksal beleget, verwandelt hier ihre sonst gewöhnliche Härte in eine ganz vergnügte Lebens-Art. Sie werden sich gefallen lassen, davon einen Zeugen abzugeben.

Der General muste von Herzen über des Grafens Einfälle lachen: dieser alte Soldat hatte denselben binnen den vierzehen Tagen, als er sein Gefangener war, ungemein lieb gewonnen: es schienen gleichsam seine Kräfte sich zu verjüngen, um sich nach dessen Jugend einzurichten und ihrer Anmut sich mit teilhaftig zu machen. Der König hätte keinen sinnreichern Mann finden können, diejenige aufzumuntern, welche den Verlust ihrer Freiheit beklagten, und öfters fürchten mussten, um alle Vorteile dieses Lebens zu kommen.

Der General führte darauf seine beide vornehme Gäste in einen grossen Speise-Saal, welcher eigentlich eine Art des Gewächs-Hauses war, wohin im Winter die Pomeranzen-Bäume gebracht wurden. Dieser hatte viel merkwürdiges in sich: die vier JahrsZeiten waren darin auf eine besondere sinnreiche Art entworffen. In der Mitten zeigte sich der Winter mit einem grossen Camin, darin, weil noch die Kälte regierte, ein starkes Feuer brante. Die Aufsätze auf den Gesimsen bestunden aus verschiedenen kleinen Figuren, welche die kalte Nord-Länder vorstellten, die teils mit Renntieren auf Schlitten fuhren, teils mit Schritt-Schuhen schliffen, teils Holz, teils Felle von allerhand Tieren trugen, in der Umfassung stunden verschiedene Geschirre von feinem Porcellan; und das darin entaltene Gemähld zeigte auf eine sehr künstliche Art die vornehmste Beschäftigungen und Kurzweile, die man zu Winters-Zeit vorzunehmen pfleget.

Zur Rechten Seiten dieses Saals sah man den Frühling in einem ordentlichen Winter und Lust-Garten vorgestellt, welcher mit einer zierlichen Balustrade von dem Saal unterschieden war. Man sah hier das schönste Blumen-Stück mit untermengten Taxis, Lorbeer, Pomeranzen, und Citronen-Bäumen; welche teils zwischen kraus-gezogenen Bux, und einem von Muscheln, Sand und Kohlen bundfärbigten Grund aus der Erden wuchsen; teils in Kasten und Geschirren nach der Ordnung mit eingeschoben waren, und durch verborgene eiserne Röhren, welche der Rauch aus geheitzten Oefen warm hielte, vor der Kälte geschützet wurden. In der Mitten dieses in vier Ländergen eingeteilten Stuben- und Winter-Gartens, sah man ein Springwerk, welches mit einem schlorfenden Zischen in die Höh spielte, und mit einem schallenden Rausch in einen kleinen Behälter niedersprudelte.

Der Sommer zeigte sich auf der andern Seiten in einer kleinen Landschaft, welche eine feine Drat-Arbeit von dem Saal absonderte. Es war hier alles grün: die Bäume bestunden aus Tannen, Fichten, Taxis und Wachholder-Gesträuchen: in der Vertiefung sah man ein künstlich erhabenes Gebürge, mit Sand, Steinen und Mos bedecket, von dessen Höhe ein kleiner wasser-Fall herunter lief, der hernach auf einem von Blei verfertigten Canal, als ein klarer Bach, zwischen den Gesträuchen und einem frisch belegten Wasen-Grund durchfloss. Das Zwitsern und Singen der hier unter einander fliegenden Vögel belebten diesen durch die Kunst verfertigten Wald auf eine Art, dass man auch die Schönheit der natur in der blosen Abschilderung bewundern muste.

Der Trink-Tisch, welcher dem Camin gegen über stunde, war eine Abbildung des Herbsts: man sah in der Mitten Bachum mit Epheu und Trauben-Blättern becränzet und sich auf Silenen stützen: um ihn herum waren die Wald-Götter mit den kleinen Bachus-Kindern, welche teils Trauben und Trinck-Geschirre trugen, teils auf Sackpfeifen und Dudelsäcken spielten. Unten zeigte sich ein kleines Grottenwerk mit einem alabastern Kumpen, worin