und seine Verräterei mit den höchsten Aemtern meines Hofs vergelten? wo denket ihr hin? würde dieses nicht auch andere hinfort verleiten, mich ohn alle Scheu und Ehrfurcht zu beleidigen?
Ich habe alles wohl überlegt, allergnädigster König, antwortete hierauf der Hertzog. Meine Base hat mir aufrichtig das ganze Gespräch, welches sie mit dem Grafen zu Prato gehabt, erzehlet. Sie ruft den Himmel zum Zeugen an, dass der Graf nicht allein unschuldig; sondern, dass er auch Ew. Majestät eifrigster und getreuster Diener wär. Der Herzog berichtete bei dieser gelegenheit dem König den eigentlichen Verlauf dieser Sache, worauf der König sich zwar etwas ruhiger bezeigte; gleichwohl aber daraus auch so viel erkante, dass, wo der Graf ihn nicht hintergangen hätte, derselbe wenigstens doch von der Gräfin geliebet würde. Dieses machte ihn den Vorteil erkennen, den er durch die vorgeschlagene anderwärtige Vermählung des Grafens mit der Herzogin von Salona erlangen würde: er gab deswegen dem Herzog von Sandilien freie Macht, dieses Geschäft so bald als möglich, hinaus zu führen, und dem Grafen nicht nur die vorige Königliche Gnade, sondern auch die Ober-Falkenirer-Stelle anzubieten; im Fall er sich entschliessen würde, die Herzogin von Salona zu heiraten.
Der Herzog, als er wieder in seinen Pallast zurück kam, wuste lange nicht, wem er sich in diesem Geschäfte anvertrauen, noch durch wen er dem Grafen von seinen Absichten die Eröfnung sollte tun lassen: er sann hin und her: endlich fiel er mit seinen gedanken auf den Herrn von Ridelo. Vielleicht, sprach er bei sich selbst, ist dieses Herrn seine Freundschaft für den Grafen so gross, dass er, ihm zu gefallen, sich wohl entschliessen dürfte, diese Reise anzutreten: er fuhr deswegen zu ihm, nach seinem Pallast. Herr Intendant, redete ihn der Herzog an, nachdem ihn dieser in sein Cabinet geführt, ich weiss, dass sie ein aufrichtiger Freund von dem Grafen von Rivera sind. Sie können ihm davon eine neue probe geben, wenn sie sich wolten gefallen lassen, zu ihm nach der Vestung Rozzomonte zu reisen und demselben einen gewissen Vortrag zu tun, den ich sonst niemand wohl als ihnen anzuvertrauen wüste.
Ich und mein Haus, erklärte sich hierauf der Herr von Ridelo, sind dergestalt dem Grafen von Rivera mit Hochachtung und Freundschaft verbunden, dass ich keine gelegenheit verabsäumen werde, demselben alle nur möglichste Dienste zu erweisen, und dieses um so viel mehr, wenn Ew. Durchlaucht selbst dazu mich auffordern sollten.
Sie wissen, mein Herr Intendant, fuhr darauf der Hertzog fort, dass unseres Grafens Ungnade von einem unglücklich gefassten Argwohn des Königs herrühret: und dass, wo ich ihn nicht noch dem Eifer des Königs zu rechter Zeit entzogen hätte, es übel mit ihm würde ausgesehen haben. Ich muss gestehen, fuhr er fort, dass ich etwas an diesem jungen Cavallier gefunden, das mir gleich im ersten Anblick für denselben eine besondere Hochachtung gab. Ja, wann ich es sagen darf, so hätte ich niemand lieber, als ihm, meine Base gegönnet, wo nicht, zu meinem Verdruss der König darzwischen gekommen wär. Indessen wurde mir von sicherer Hand entdeckt, dass die Hertzogin von Salona ihm nicht ungeneigt wär: ich hab es auch bei ihr durch eine geheime Unterhandlung so weit gebracht, dass sie sich wirklich erkläret hat, ihn zu ihrem Gemahl anzunehmen. Der König gibt dazu seine Einwilligung; und damit er dieser hohen Partie nicht unwürdig scheinen mögte, so will ihn derselbe zum Ober-Falkenier ernennen, welche Stelle von unsern Hof-Aemtern den vierten Rang führet. Niemand, als sie, mein Herr, kan dieses Geschäfte besser zu stand bringen. Und weil wir den Grafen von Rivera beiderseits hochschätzen, so wird es ihnen, mein Herr Intendant, auch hoffentlich nicht misfallen, dass ich in dieser Angelegenheit mich niemand anders, als ihnen, anvertrauen mag.
Der Herr von Ridelo bezeigte sich dafür dem Hertzogen verbunden; und ob er gleich des Grafens Meinung wuste, und in dieser Sache wenig bei ihm auszurichten hofte; so begab er sich doch dem ungeacht gleich den folgenden Tag darauf nach Rozzomonte.
Der Graf von Rivera war auf das angenehmste bestürzt, als er den Herrn von Ridelo bei sich sah. Er fragte ihn, nachdem sie sich einander zärtlich umarmet hatten, wo er herkäme, und ob er einen Gefangenen besuchen wolte, deme seine Gefangenschafft so süsse gemacht würde, dass er schier seiner Freiheit darüber vergässe; ob man gleich sonst zu sagen pflegte, dass es keine schöne Gefängnüsse gäben. Es mag leicht sein, antwortete ihm der Herr von Ridelo, dass sie allhier ruhigere Stunden geniessen, als ihre Freunde zu Panopolis, die bisher ihrentwegen nicht wenig in Sorgen leben. Ich bring ihnen unterdessen viel Gutes, Herr Graf, sprach er zu demselben; ich furchte nur, sie mögten nicht alles annehmen: sie sind frei, und wieder in voriger Gnade bei dem König: er erkläret sie zugleich zum Ober-Falkenier: ja, sie sollen so gar die erste Heirat bei hof tun, und die Hertzogin von Salona zur Gemahlin bekommen. Der Hertzog von Sandilien, fügte er hinzu, hält dieses letzte vor das eintzige Mittel, die Eifersucht des Königes zu besänftigen, und das Glück des Herrn Grafens vollkommen zu machen.
Der Graf fand sich durch dieses Anerbieten äusserst beehrt: er dankte dem Herrn von Ridelo, dass er sich die Mühe genommen hätte, deswegen zu ihm zu reisen