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Gräfin dieses sagte, trat der Hertzog ins

Zimmer; und da er sah, dass sie sich besser befand, kont er ihr seine Freude darüber nicht genugsam ausdrucken. Er berichtete ihr, um sie völlig zu beruhigen, dass dem König seine Ubereilung mit dem Grafen von Rivera leid wäre; dass er ihm bekannt hätte, wie er sich in dieser Sache zu hurtig habe aufbringen lassen. Noch mehr sei ihm die Nachricht von ihrer Unpässlichkeit an das Hertze gedrungen. Er hätte deswegen seinen Leib-Aerzten befohlen, für dieselbe so viel Sorgfalt, als für sein eigen Leben zu haben. Auch sollte der Graf von Rivera, wo sie es verlangen würde, wieder auf freien Fuss gesetzt werden: es wär aber, fügte er hinzu, nicht ratsam, sich dieser gefälligkeit des Königes, zum Vorteil des gefangenen Grafens zu bedienen; denn die Ehre und Majestat des Königes litte darunter, wenn der Graf so bald wieder sollte frei gesprochen, und die Gerechtigkeit des Monarchens gleichsam dadurch eines Fehltritts beschuldiget werden. Der Hertzog versicherte dabei seine kranke Base, dass er den Grafen an einen so guten und sichern Ort hätte bringen lassen, dass er nirgendwo besser sein könnte.

Diese Nachrichten waren der betrübten Gräfin so angenehm, dass solche ihr besser, als alle bisherige Arzneien zuschlugen: ihre Augen wurden munterer, ihre schier erblasste Wangen durchzogen wieder ein wenig Farbe: ihre Lippen rührten sich zu einer holden Schmeichelei: sie ergriff den Hertzog bei der Hard und führte solche mit einer zarten Bewegung nach dem Mund. Der Hertzog beantwortete ihr diese Liebkosung, indem er ihr Haupt mit einem durchdrungenen Gemüt an seine Brust drückte: Ach! werdet nur wieder gesund, werteste Tochter, sprach er zu derselben, das übrige soll sich alles geben.

Die schlaue Corinna war unterdessen, dass die Gräfin ihrer Unpässlichkeit halber nicht aus dem Zimmer kam, auf allerhand Streiche bedacht, wie sie den Grafen wiederum in Freiheit setzen, und ihn der Hertzogin von Salona zuspielen möchte. Sie kam deswegen zu dem Hertzog von Sandilien: sie entdeckte ihm mit einer listigen Bescheidenheit, wie sie von allen begebenheiten des Grafens von Rivera Wissenschaft hätte; und wie sie auf einen Anschlag gekommen wär, den König mit guter Art von einem so gefährlichen Mitbuhler zu befreien. Der Herzog wolte sich anfänglich gegen dieses Weib nicht heraus lassen, noch dieselbe glauben machen, als ob seine Absichten mit seiner Basen bis auf den Tron gingen: allein, Corinna sah hier dem Herzog tiefer ins Herz, als er solches meinte: sie erklärte sich deshalben so schmeichelhaft: dass gleichwohl die ganze Welt die würdige Wahl des Königs billigte, und dass es endlich ihm selbst von dem König dürfte übel genommen werden, wenn er sich darin seiner Neigung wiedersetzen wolte. Kurz, der Herzog liess sich mit ihr ein: sie offenbarte ihm ihre Anschläge, den Grafen der Herzogin von Salona zu freien. Der Herzog fande solches wohl ausgedacht: er versprach ihr eine reiche Belohnung, wenn sie diese Heirat zu Stand bringen würde.

Die verschmitzte Corinna hatte ihm nicht gesagt, dass die Herzogin von Salona des Handels bereits einig wäre: sie ersann hundert Schwierigkeiten, um die Verdienste ihres Verstandes desto grösser zu machen, wenn sie die Herzogin dazu würde bereden können. Der Herzog im Gegenteil zweifelte gar nicht, der Graf würde ein solches Glück, welches das gröste wär, so er in der Welt machen könnte, mit beiden Händen ergreiffen; er hoffte dadurch die gröste Hindernüs zu heben, welche seine Base bishero noch gehindert hätte, ihre Liebe dem König zu wiedmen.

Corinna kam nach einigen Tagen wieder zu dem Herzogen, und berichtete ihm, dass die Sache mit der Herzogin von Salona so gut als richtig wär: dieselbe hätte zwar Anfangs, sagte sie, ihren Vortrag sehr verächtlich angehöret: sie hätte ihren hohen Rang, den Wohlstand ihres Geschlechts, nebst andern Schwierigkeiten vorgeschützet; dem ungeachtet aber war sie doch so glücklich gewesen, dieselbe zu bereden, dass sie sich entschlossen hätte, den Grafen von Rivera zu ihrem Gemahl anzunehmen: wenn nur der König ihm die Gnade tun würde, demselben eines von den Ober-Aemtern bei Hof zu geben; weil sie sonst, als eine Dame, die den Vortritt bei hof hätte, sich ohne Verletzung des Wohlstandes an einen blossen Cammerherrn nicht vermählen könnte; sie zweifelte auch nicht, der König würde solches, in Betrachtung der ganz besonderen Verdiensten dieses Cavalliers, gar leicht gewähren; wo anders ihre Durchlaucht, der Herzog von Sandilien, sich dieser Sache annehmen wolte.

Wenn wir sonst keine Schwierigkeit werden zu heben finden, als diese, antwortete hierauf der Herzog, so soll unser Anschlag bald einen guten Fortgang gewinnen. Er befahl damit der Corinna die Verschwiegenheit, und versicherte sie nochmahls aller Erkentlichkeit.

Der Herzog verfügte sich darauf zum König. Dieser war nicht zum besten auf: seine Leib-ärzte hatten an seiner Gesundheit angefangen zu künsteln, und bei den rauhen Winter-Tagen ihm verboten nicht aus seinem Zimmer zu gehen. Dem König fiel damit die Zeit lang: diese Langeweile machte ihn immer an seine Liebe denken, und dieses stete Denken, worin sich Argwohn, Eifer und sehnsucht mischten, verursachte ihm allerhand Beschwerlichkeiten.

Der Herzog fand den König in einem solchen Zustand, da er ihm seinen Vorschlag eröfnete: Er hatte aber kaum noch ausgeredet, als der König, voller Zorn und Unmut, heraus fuhr: wie, Hertzog! solt ich mich noch des Treu-losen Grafens von Rivera annehmen,