, wird als ein Gefangener nach Tunis gebracht, gewinnet die Gunst des Bay, unterredet sich mit ihm vom christlichen Glauben und erhält endlich dessen Tochter, welche aber kurz darauf in Sicilien stirbt. Er verheuratet sich zum andernmahl, aber unglücklich, und verlässt darauf den Hof, seine Frau und Sicilien.
Inhalt des Sechszehenden buches.
Der König hält mit der neuen Königin in Panapolis einen prächtigen Einzug, und erblicket an einem Fenster die Gräfin von Monteras: der Graf hat eine starcke Partei gegen sich, und entfernet sich desswegen eine Zeitlang von hof: Er sucht die Alpiner, welche zu ihm ihre Zuflucht genommen hatten, in ihren innerlichen Misshelligkeiten aus einander zu setzen, wobei die üble Ratschläge eines Bürgerlichen Regiments und ihre unglückliche Folgen vorgestellet werden.
Inhalt des Siebenzehenden buches.
Der Graf gewinnet bei Hof die zwei geschickteste staates-Bediente, welche ihm bissher entgegen waren: dessen Heurat mit der Gräfin von Monteras wird fest gestellet: Ein lächerlicher Zufall zwischen ihr und dem König, beschleuniget solche. Der Graf bezeiget seine Grossmut gegen den jungen Edelmann welcher bissher in seinen Diensten gestanden hatte, und freiet ihm die fräulein von Bellamont. Dieser Edelmann erzehlet dem Grafen die Geschichten seiner Vorfahren: Ihrer beider Vermählung geschiehet zugleich auf einen Tag, und der Graf erhält die Würden, Güter und Titul des Hertzogs von Sandilien.
Die begebenheiten des Grafens
von Rivera.
Erstes Buch.
Es wohnte nächst an den Adriatischen See-Küsten ein junger Graf, Namens Menander von Rivera. Die natur hatte ihm alle grosse Eigenschaften gegeben welche einen Menschen über andere erheben. Er war von einer überaus angenehmen Bildung, von einer etwas mehr als mittelmässigen Länge und durchaus schön gewachsen. Aus seinen Augen blitzte so viel Anmut als Ernst. Wer ihn sah, der fand sich von etwas gerühret; er konte einem nicht wohl gleichgültig sein. Man musste mit ihm die Annehmlichkeiten teilen, wenn er vergnügt war und man empfand nicht minder eine gewisse Unruh, wenn man ihn leiden sah. So künstlich flösste die natur dasjenige andern ein, was bei ihm die Gerechtigkeit und Liebe wirkten. Er war nicht allein in den Wissenschaften des staates, sondern auch in der Welt-Weisheit und schönen Künsten gründlich gelehrt. Sein Verstand war zu allem aufgelegt, er besass so viel Witz, als Einsicht und Uberlegung: er hatte dabei das beste Herz, und dessen Neigungen waren um so viel reiner und tugendhafter, weil sie durch eine verborgene Gottesfurcht regieret wurden.
Nachdem er einige fremde Länder gesehen und darauf eine Zeitlang sich an dem Aquitanischen Hof aufgehalten hatte; zog ihn die Begierde zu den Studien wieder nach seiner herrschaft zurück. Er hatte bereits ein Jahr darauf in süssester Ruhe zugebracht, als der König von Aquitanien sich seiner erinnerte, und ihn verlangte bei sich an hof zu haben. Er übersandte ihm zu dem Ende den güldnen Schlüssel, und machte ihn zu seinem wirklichen Cammer-Herrn.
Dieses war den Absichten des Grafens ganz entgegen. Er liebte die Freiheit, die Bücher und das LandLeben. Die Göttliche Vorsehung aber lässt nicht leicht grosse Gemüter gebohren werden, ohne sich ihrer zu wichtigen Sachen in der Welt zu bedienen; Sie hatte den Grafen von Rivera zu einem Werkzeug bestimmet, einen lasterhaften Hof zu verbessern und ein ganzes Reich glücklich zu machen.
Doch wie der Graf wenig von sich selbsten hielt, so waren ihm auch dergleichen hohe Absichten von Seiten der Vorsehung verborgen. Er wurde also über diesen unverhofften Beruf bestürzt, und konte sich nicht entschliessen, sein angenehmes Land-Leben zu verlassen. Was soll ich, sprach er bei sich selbst, am hof machen, wo man derjenigen Einfalt spottet, die ich liebe; und wo Man keine Sitten für verächtlicher hält, als die nach der Redlichkeit und Tugend schmekken? O nein! geliebtes Feld, du vergnügest mich mehr als aller unruhige Pracht des Hofs, und als alle gezwungene Hoheit deiner blinden Anbeter.
In diesen zweifelhaften Gedanken liess sich der Graf ein paar Pferde sattlen, und ritt in Begleitung eines Dieners nach dem Schloss des Herrn von Bellamont, welches ungefehr zwo Stunden von dem seinigen entfernet lag. Dieser Cavallier war schier von Jugend auf bei hof gewesen, und besass, nebst der dabei erlangten Erfahrung, alle Eigenschaften eines klugen und aufrichtigen Mannes. Der Graf liebte ihn als seinen Vater: er fand ihn längst dem Ufer des Meers in tiefen Gedanken. Er warf sich ihm um den Hals, da dieser ihn noch kaum hatte auf sich zukommen sehen. Der Herr von Bellamont empfand darüber einen angenehmen Schrecken: er gab dem Grafen seine Freude über dessen Ankunft mit den lebhaftesten Ausdrücken zu erkennen; und führte ihn darauf nach seinem Wohn-Sitz.
Man wird nicht leicht in der Welt ein so bequemes Land-Haus und eine so lustreiche Gegend finden; man komt dahin durch einen breit ausgehauenen Weg, der einen kleinen Wald durchschneidet. Sehr hohe Bäume bedecken den Hof von Seiten des Mittags. In dessen Eingang zeiget sich ein zwar niedliches aber doch nicht gar kostbares Gebäude, welches von hinten nach der Abend-Seite, über einen abhängigen Lust-Garten, eine entzuckende Aussicht in die offene See entdecket.
Der Herr von Bellamont brachte den Grafen in einen Saal dessen Fenster bis zur Erden reichten, ein mit grünen Wasen und kraussen Bux zierlich durchschlungener Pomerantzen-Garten stiess hier bis an die breite Schwellen des Saals: das sprudelnde Geräusch einiger durch Kunst geleiteten wasser-Röhren, welche sich teils in kleine Kumpen von Alabaster, teils in einen grossen