, dass die Gräfin von Monteras zu Panopolis sich so übel befand, war der Graf von Rivera binnen vier und zwanzig Stunden, vermittelst beständiger Abwechselung der Post-Pferde, glücklich auf der Vestung Rozzomonte angekommen. Er sah hier mehr ein irrdisches Paradies, als ein Gefängnüs.
Die Vestung liegt auf einem ziemlich hohen Felsen, dessen obere Fläche man in einer halben Stunde kaum umgehen kan: rings umher entdeckte man ein weit offenes Land, und in der Ferne einen breiten Arm von der Abendländischen See, welchen ein daran stossendes blaue Gebürge in einen unvergleichlichen Schatten setzte: ein breiter Strohm, der unten an dem Fuss des Bergs vorbei floss, zerteilte sich durch das platte Land in viele kleine Gewässer. Man bemerkte hier die angenehmste himmels-Gegend: man sah allentalben bebaute Felder, grüne Weiden, fette Triften, lustige Gehölze und schöne Gärten; das ganze Land war voller Einwohner: wo ein Flecken sich endigte, da fing ein andrer an: eine Hof-Städte, eine Meierei lag hier bei der andern. Kurz, es war gleichsam dieses die einzige Landschaft von dem ganzen Königreich, welche die allgemeine Not nicht mit empfand, und deren Einwohner sich dargegen durch ihren Acker-Bau und durch ihre gute Wirtschaft noch geschützet hatten.
Auf der Vestung selbst war ein vortrefflicher Garten: er umringte den Hof und die Gebäude, ihn selbst aber bedeckten die Vestungs-Werke. Auf den kleinen Wällen sah man die schönste Baum-Alleen.
Die Gemächer waren meist Königlich ausgezieret, und schien mehr für die glücklichste Menschen, als für Gefangene zu sein, welche in des Königs Ungnade gefallen waren. Was noch mehr, so beherrschte diese Vestung ein General, welcher alle Eigenschaften besass, seinen Gefangenen die Wiederwärtigkeiten ihres Glückes auf die angenehmste Weise zu versüssen: er war schon alt, er hatte aber einen desto munteren und aufgeweckten Kopf, je schwächer bei ihm die Füsse waren.
Er empfieng den Grafen von Rivera, als ob er ihm längst wäre bekant gewesen; er fiel ihm um den Hals: Ihr Unglück, mein Herr, redete er ihn an, welches sie sonder Zweifel hieher bringet, ist mir leid: doch, haben sie nur einen guten Mut: ich werde suchen, ihre Gefangenschaft ihnen nicht beschwerlich zu machen.
Der Officier, welcher den Grafen begleitet hatte, überreichte hierauf diesem Obersten Befehlshaber ein Schreiben von dem Hertzog von Sandilien.
Als der General solches gelesen, umfieng er den Grafen aufs neue, und konte ihm seine Freude nicht bergen, die er hatte, ihn kennen zu lernen; zumahl, da er aus dem Brief des Hertzogs von Sandilien so viel ersehen konnte, dass dessen Verbrechen von ganz keiner Bedeutung sein müsse.
Der General stützte darauf seinen baufälligen körper auf seinen Stecken, und führte den Grafen, mit halb-gebrochenen Schritten, durch die vornehmste Gemächer des Schlosses; unter welchen er denselben bat, die annehmlichsten sich zu seinem Quartier zu wehlen. Der Graf tat solches, und als er darauf etwas von speisen zu sich genommen hatte, begab er sich mit einem gelassnen Sinn zur Ruh.
Die arme Gräfin von Monteras hatte keine so gute Nacht, als der Graf. Man hatte ihr zur Ader gelassen; dem ungeacht war die Hitze bei ihr dergestalt gestiegen, dass sie irrte. Der Hertzog schien darüber untröstbar, und Asmenie konte nichts als weinen: man schickte eilends nach ihrer Frau Mutter; sechs der besten Pferde, aus dem Hertzoglichen Stall, wurden ihr mit einem Gutscher und Reit-Knecht nach Prato gesandt: die Pferde liefen bis dahin in einem Traben, die alte Gräfin warf sich voller Schrecken, auf die erhaltene Nachricht von dem Zustand ihrer Tochter, in ihre Gutsche: sie fuhr in einem Rennen und so schnell die Pferde lauffen konnten, nach Panopolis. Auf der Helffte des weges wurden sie mit einem frischen Gespann verwechselt, die eben so hurtig vom Weg trabten als die vorige.
Die Gräfin fand ihre Tochter noch abwesend; die Aertzte hatten ihr ein gewisses Pulver beigebracht, welches die unordentliche Hitze und Wallungen im Geblüt zu dämpfen pflegte: solches tat seine Wirckung: Sie ruhete darauf einige Stunden; und da sie die Augen wieder aufschlug, war sie wieder bei sich selbst. Hier wurde sie mit innigster Freude ihrer Frau Mutter gewahr, die unten bei ihr auf dem Bette sass: sie ergriff alsobald derselben ihre Hand, führte sie nach dem Mund, und wolte sich aufrichten; allein ihre Mattigkeit liess solches nicht zu: ihre Frau Mutter küste sie auf das zärtlichste: woher kommt euch, liebste Tochter, redete sie dieselbe an, ein so hefftiger Zufall? man hat mir gesagt, eine ausserordentliche Gemüts-Bewegung habe solchen bei euch verursacht? ach! setzte sie hinzu, Hab ich euch nicht immer ermahnet, euch davor in acht zu nehmen?
Aber, liebste Frau Mutter, liess diese sich mit schwacher stimme vernehmen, wenn ich daran ursache ware, dass der unschuldigste Mensch von der Welt um sein Leben kommen sollte? Lasset, euch mein Kind, diese Furcht aus den gedanken reden, antwortete der Gräfin Mutter. Man bringet einen Cavallier, wie der Graf von Rivera ist, so hurtig nicht ums Lebens: Euer Oheim, der Hertzog, hat ihn bereits der ersten Wut des Königs entrissen, und denselben in völlige Sicherheit gebracht: Ach! gnädige Frau Mutter, versetzte darauf die beängstigte Gräfin, ich kenne die Eifersucht des Königes; ich habe ursache alles von ihm zu fürchten.
Als die