1740_Lon_068_27.txt

Saals, worinn sich eure Baase mit dem Grafen allein befand: Der Graf nötigte sie zwar Anfangs, sich für mich zu erklären; als ihm aber dieselbige ihr Missfallen mit einigem Eiffer zu erkennen gab, und ihn einen Undanckbaren schalt, so warf der Graf sich zu ihren Füssen, küste ihr die hände und gab ihr alle Merckmahle einer äussersten Liebe.

Indem der König dieses also dem Hertzog erzehlte, sah er mit einem ergrimmten blick nach dem Cammerdiener. Silon, sprach er, Silon, es kostet dir den Hals, wo du mich hier mit einiger Unwahrheit berichtest. Dieser zitterte vor dem Hertzog, bekräftigte aber gleichwohl vor demselben dasjenige, was er dem König gesagt hatte, indem er jenen deswegen zugleich auf das demütigste um Verzeihung bat.

Der Hertzog war über diese Nachricht so voller Bestürzung, dass er nicht gleich wuste, was er sagen sollte. Der Graf von Rivera war einer der angenehmsten und liebens-würdigsten Cavallier; und seine Base schien ihm eben kein herz zu haben, das unempfindlich wär. Er urteilte hieraus, dass die Begebenheit, die man dem König hinterbracht hätte, wohl wahr sein könnte. Dem Grafen Gewalt anzutun und die Sache dadurch ruchtbar zu machen, hielt er nicht für ratsam: seine Base, dachte er, würde auf solche Weise beschimpfet, der Anhang des Grafens wider ihn aufgebracht und sein Vorhaben um so vielweniger erreichet werden.

Nach dieser kurzen Uberlegung bat er den König, ihm diese ganze Sache zu überlassen, mit der Versicherung, dass er darunter seines Königs Ehre schon würde zu retten wissen. Der König fiel ihm darauf um den Hals, nannt ihn, seiner Gewohnheit nach, seinen Vater: gehet, sprach er, denket, dass man mich beleidiget, dass ich König bin, und dass ich eure Base liebe. Damit ging der König wieder in sein Cabinet, und wolte niemand weiter vor sich kommen lassen.

Als den folgenden Tag darauf der Graf von Rivera wieder von Prato nach Panopolis kam, so fuhr er alsobald nach hof, um dem König noch bei dem AbendEssen die Aufwartung zu machen. Er war nicht wenig verwundert, da er alle Zimmer auf der Burg dunkel und leer von Menschen fand: er fragte den Hauptmann von der Leib-Wach, was dieses zu bedeuten hätte? dieser berichtete ihm, dass der König sich nicht wohl auf befänd, und dass er deswegen heute niemand würde zu sich lassen. Der Graf wolte dem ungeachtet sich dem Schlaf-Gemach des Königs nähern, als Silon, der nebst einem Cammer-Junker vor der tür stunde, demselben entgegen kam, und ihm andeutete, dass er diesen Abend den König nicht sprechen könnte. Den Grafen verdross die hochmütige Art, womit dieser Mann ihm solches anzeigte; er fragte ihn, ob er ausdrücklichen Befehl vom König hätte, auch ihn nicht einzulassen? der Cammer-Junker bekräftigte solches: dieses machte dem Grafen einiges Nachdenken: er begab sich also, ohne ein Wort weiter zu reden, wieder nach Haus.

Den andern Morgen meldete sich bei ihm ein Befehlshaber von des Königs Leib-Regiment, und kündigte ihm an, dass er, ohne fernerer Erlaubnüs, nicht aus dem Haus gehen sollte. Dem Grafen war dieses ein Rätsel: er war sich nicht des geringsten Verbrechens bewust: er tröstete sich also mit seiner Unschuld: er gedachte, dass er keiner bessern Verteidigung als dieser würde vonnöten haben: er bildete sich ein, dass ein blosses Missverständnüs hierunter verborgen sein müsse, und dass eine nähere Untersuchung alles klar machen würde.

Nachmittag kam ein Königl. Geheim-Schreiber und befahl dem Grafen im Namen des Königes, sich fertig zu machen, um, so bald es Nacht sein würde, von Panopolis aufzubrechen, und sich, als ein staates-Gefangener, nach der Vestung Rozzomonte bringen zu lassen. ihr Majestät der König, setzte der GeheimSchreiber hinzu, wolte nicht gern mit dieser Gefangennehmung des Grafens ein aufsehen machen, weil er dessen, was er beschuldiget würde, noch nicht überführet wär, der König auch solches selbst nicht glaubte; gleichwohl aber wären die Umstände also beschaffen, dass der König nicht anders könnte, als bis zu der Sachen näheren Untersuchung, ihn nach besagter Vestung zu schicken: woselbst er mittlerweile alle die Bequemlichkeiten, wie in seiner eigenen Behausung, finden würde. Ein Befehlshaber von der LeibWache würde mit einigen Reutern vor dem Tor seiner warten und ihn begleiten.

Der Graf von Rivera, so verwundert er auch war, sagte zu allem diesem nichts, als, er würde seines Königes Befehl wissen nachzuleben; und sollten ihr Majestät seinetwegen sich nur nicht beunruhigen lassen.

Die Nacht kam herbei: die Post-Pferde wurden vor des Grafens Reis-Wagen gespannt, und der Graf nahm von seinem bisherigen lieben Wirt, dem Herrn von Ridelo, wie auch von dessen Gemahlin und der jungen Marianen Abschied.

Die Frau von Ridelo konte, nach ihrer natürlichen Lebhäfftigkeit, ihren Schmertzen über diesen Unfall des Grafens nicht zurück halten: Die Tränen flossen ihr aus den Augen: Sie rung die hände: sie schrie: Ach, mein Vater! wie wird ihm zu Mute sein, wenn er dieses Unglück vernehmen wird, welches seinen liebsten Freund betrifft? wie sehr wird er sich betrüben, dass er ihm den Rat gegeben hat, nach hof zu gehen? Ach Hof! Ach unglückseliger Hof! fuhr sie mit gleicher Bewegung fort, du kanst keine tugendhaffte, du kanst keine redliche Gemüter leiden. Es sind