wollen. Mein Gemüt ist für solche hohe Dinge viel zu niedrig gestellt; wann dieses ein Zeichen ihrer Freundschaft sein soll, dass sie mich dazu bereden wollen, so erlaub ich ihnen, mich ein wenig zu hassen. Wie nun der Graf sah, dass die Gräfin durchaus auf ihrer Meinung beharrte und sich nichts mehr wolte einreden lassen; so nahm er, wiewohl nicht ohne lebhafte Empfindung, von derselben Abschied, und reiste den andern Tag wieder nach Panopolis.
Man hatte unterdessen dem Grafen bei hof die gefährlichste Netze gestellet. Silon war zu gleicher Zeit mit dem Grafen zu Prato gewesen, und hatte in dem Schloss-Garten sich an die Fenster des UnterSaals geschlichen, worin der Graf und die Gräfin sich befanden: er hatte nicht allein ihr ganzes Gespräch mit angehöret, sondern auch durch eine kleine Oefnung im Vorhang die Gräfin in der äussersten Bewegung und den Grafen zu ihren Füssen gesehen. Dieses war seinem Bedünken nach genug, dem Grafen seinen Fall zu bereiten. Er säumte sich nicht länger, sondern ging nach dem Wirts-Haus, das im Flecken war, zurück, liess sich eilends sein Pferd sattlen, und ritte damit bei dunkler Nacht wieder nach Panopolis zurück.
Er kam des Morgens bei guter Zeit nach Haus; sogleich wurde mit der Corinna und seiner Frauen Rat gehalten. Silon elzehlte ihr, was er zu Prato gesehen und gehöret hatte. Die Sache schien der Corinna für den Grafen gefährlich: sie hatte denselben der Herzogin von Salona versprochen; deswegen war sie allhier darauf bedacht, wie sie den Grafen aus dieser Schlinge ziehen, und die Sache dahin vermitteln mögte, dass sie der Hertzogin ihr Wort halten könnte. Silon aber, der solche Maass-Regeln nicht zu beobachten hatte, und den Grafen zu stürzen suchte, wolte sich hierinn nichts einreden lassen: er nahm die Treue für seinen König zu seinem Vorwand, und vergiftete alle Umstände von dieser Begebenheit. Corinna bat ihn, so sehr sie immer konte, seinem Eifer gegen den Grafen ein wenig Einhalt zu tun: sie stellte ihm vor, dass derselbe bei hof einen grossen und mächtigen Anhang hätte, dass er des Königs Liebling wäre, dass man ihm die Sache läugnen könnte, dass alles, was er gesehen und gehöret hätte, eine ganz unschuldige Auslegung litte; und endlich, dass, indem er den Grafen um den Kopf bringen wolte, er den seinigen dabei in Gefahr setzen würde; allein, alle diese Vorstellungen wolten bei dem falschen Silon nichts verfangen: er hielt den Grafen für seinen Feind, weil er dem König gute Ratschläge gab, und die Unordnungen bei Hof abzuschaffen suchte, worinn dieser seinen grössten Nutzen fand. Er blieb demnach auf seinem wilden Kopf, der König müste alles wissen, es mögte auch daraus entstehen, was da wolte.
Es war Nachmittag, als Silon nach hof ging: er lauerte die gelegenheit ab, dem König bei der Tafel vor das Gesicht zu kommen. Der König sah ihm bald, und weil er denselben Tag bei ihm nicht die Aufwartung hatte; so fragte er ihn, wo er herkäme, und warum er so sträubig um den Kopf herum aussähe? Ich bin, gab er dem König zur Antwort, diese Nacht mit Erlaubnis des Herrn Ober-Cämmerers, einige Meilen von hier auf dem land gewesen, und wann es Ew. Majestät nach der Tafel allergnädigst erlauben, so werde ich deroselben von meinen Verrichtungen untertänigsten Bericht abstatten. Der König war nicht so bald von der Tafel aufgestanden, so ging er mit Silon in sein Cabinet, da dieser ihm alles erzehlete, was er zu Prato gesehen und gehöret hatte.
Der König war in diesem Punct, wie alle grosse Herren, mehr als empfindlich: er geriet darüber in eine Wut, die dem guten Grafen, wenn er wäre zugegen gewesen, das Leben würde gekostet haben. Zu gutem Glück kam gleich darauf der Hertzog von Sandilien nach hof. Der König fragte ihn voller Eiffer bei dem Eintritt ins Zimmer, was wohl ein Cavallier verdienet hätte, dem er bisher die höchste Gunst erwiesen, und der sein ihm bezeigtes Vertrauen mit der grössten Verräterei belohnte? Der Hertzog war über diese Frage sowohl, als über das aufgebrachte Wesen des Königs sehr bestürtzt: ich wüste, antwortete derselbe, keinen solchen in Euer Majestät Diensten, und ich fürchte billig, demjenigen die gröste Beleidigung anzutun, den ich darüber argwohnen sollte. Es ist der Graf von Rivera, brach der König mit einem entflammten Zorn heraus. Ich bitte Ew. Majestät alleruntertänigst, warf der Hertzog dargegen ein, sie wollen sich nicht übereilen, und dero Eiffer bis zu näherer Untersuchung der Sache mässigen: der Graf von Rivera wird für den klügsten und aufrichtigsten Cavalier des Hofes gehalten: man kan Ew. Majestät unrecht berichtet haben. Was, unrecht berichtet? fuhr der König heraus: Der Untreue, der Verräter! ich habe mich durch seinen lebhafften und schmeichelenden Verstand einnehmen lassen: ich habe geglaubet, wie er alle Leute bereden könnte, was er wolte; so würde er auch eure Baase dahin bringen können, mich zu lieben und meine Gemahlin zu werden. Ich habe denselben in dieser Absicht nach Prato gesandt; Silon aber, der einige Spuren entdecket hatte, dass der Graf mit der Gräfin von Monteras ein geheimes Verständnüss haben sollte, suchte in dieser Sache eine nähere Gewissheit zu erlangen, und reisste zu gleicher Zeit in verstellter Kleidung, dem Grafen nach: er schlich bei dunckler Nacht sich vor die Fenster eines