ob es noch nicht bald Zeit wäre zur Tafel zu gehen, und ob Asmenie nicht bald wieder kommen würde?
Diese erschien endlich, und fand ihre Gräfin in einer ganz andern Stellung, als sie solche verlassen hatte: sie fragte dieselbe, was ihr wäre; die Gräfin aber schützte eine kleine Unpässlichkeit vor, und nötigte darauf den Grafen, das Gespräch in Gegenwart der Asmenien zu verändern, bis man ihnen andeutete, dass die Tafel bereit wär.
Der andere Tag wurde meist bei der alten Gräfin zugebracht, welcher der Graf die Absichten des Königes in Ansehung ihrer Gräfin Tochter entdeckte. Sie hatte Anfangs vieles darwider einzuwenden, welches aber hauptsächlich dahin auslief, dass ihre Tochter in der Einsamkeit wär erzogen worden, und sich besorglich deswegen nicht allzuwohl für eine Königin schikken möchte; und hernach, dass der König nicht ihres Glaubens wär.
Auf das erste antwortete der Graf, dass ihre Gräfin Tochter alle hohe erforderliche Eigenschafften besässe, welche den Tron zieren und eine vollkommene Königin ausmachen könnten. An Ansehung der Religion aber sei der Unterscheid nicht so gross, als man meine. Der Streit wär nur unter den Gelehrten, da immer einer es besser als der andere wissen wolte. Die verschiedene Ceremonien und Kirchen Gebräuche, machten auch keinen wirklichen Unterscheid in dem Glauben selbst, welcher keinen andern Grund hätte, als die einfältige Lehren Christi, die von beiden Teilen angenommen würden. Der Hertzog von Sandilien, nebst vielen andern vornehmen Herren seien ebenfalls ihrer Kirche zugetan und litten deswegen doch nicht die geringste Beeinträchtigung. Wie vielmehr, fügte der Graf hinzu, wurde es ihren GlaubensGenossen zu statten kommen, wenn sie erstlich eine ihrer Religion zugetane Königin haben sollten.
Wenn man endlich noch dieses zu hoffen hätte, liess sich die für ihren Glauben eiffrende alte Gräfin hierüber vernehmen, so wäre die Sache wegen meiner Tochter noch zu überlegen. Ach gnädige Frau Mutter! unterbrach allhier die junge Gräfin ganz erschrocken: wäre mir dann dabei nicht auch erlaubet, meine eigne Neigung mit zu Rat zu ziehen? allerdings, antwortete der Gräfin Frau Mutter, mit einem liebreichen Wesen; ich bin aber der Meinung, es dürffte euch, meine Tochter nicht schwer ankommen, den König zu lieben und den Tron zu besteigen. Die Gräfin errötete über diese Worte, und warf mit einem tiefgehohlten Seufzer einen durchdringenden blick auf den Grafen.
Die Könige, lies sich dieser darauf vernehmen, haben allzuviel Eigenschafften, die sie können lieben machen, und man wird wenig Exempel finden, dass eine Schöne ihr Hertz einem Monarchen sollte verweigert haben. Ich weiss nicht, versetzte die junge Gräfin, ob sich Könige und Fürsten dessen mehr als andere zu rühmen haben: unser Geschlecht ist ein wenig eitel und liebt insgemein an hohen Häuptern mehr den äusserlichen Glantz und ihre Erhebung, als derselben ihre eigene Personen. Ich wolte sagen, gnädige Gräfin, erwiderte der Graf, beide Stücke wären allhier dergestalt mit einander verbunden, dass man das eine nicht wohl ohne das andere lieben könnte. Ew. Gnaden, fuhr er deswegen fort, machen davon die probe und lassen mich kein unglücklicher Bote eines liebens-würdigsten Königs sein.
Man ging darauf zur Tafel: der Gräfin Hof-Prediger speiste mit an derselben: er war ein sachtsinniger und frommer Mann. Die Gräfin erzehlte demselben, wie sich der Graf bei ihr so gleichgültig über die Religion erkläret hätte. Sie begleitete diese Erzehlung mit demjenigen Eiffer, der ihr natürlich war, wenn sie von Religions-Sachen redete. Der Geistliche, an statt ihre Partie gegen den Grafen zu nehmen, billigte mit einer demütigen Bescheidenheit dessen Meinungen: er fügte hinzu, dass nur eine wahre Kirche sei: diese gründete sich auf einen einfältigen Glauben und auf die Treu, mit welcher man Christo im Leben und Wandel zugetan wär. Diese Kirche, als die unsichtbare, hätte ihre Glieder und Bekenner in der ganzen Welt; sie sei weder an das alte noch neue Rom gebunden. Hieraus aber folge nicht, dass nicht auch eine äusserliche Kirche in der Christenheit start finden müste: solche wäre zur Unterhaltung guter Zucht und Ordnung, auch notdürftiger Unterweisung ganz unentbehrlich: er wünschte nur, fügte er hinzu, dass solche mehr nach Apostolischer Lehr eingerichtet und in eine reinere und den Absichten GOttes gemasere Verfassung möchte gebracht werden; so wurde um so viel leichter das anhaltende Gezänck darin gehoben, und die durch so viele Spaltungen getrennte Gemeinen unter ihrem eintzigen Herrn und Haupt vereiniget werden können.
Der Abend wurde hierauf von dieser Gesellschaft teils mit allerhand Gesprächen, teils auch mit einem kleinen Spiel vergnügt zugebracht. Der Graf von Rivera unterhielte sich die meiste Zeit mit der jungen Gräfin bei einem Camin-Feuer allein. Nachdem er derselben wegen des Königs Liebe alle nur mögliche Vorstellungen getan hatte, und die Gräfin in keinerlei Vorschläge sich einlassen wolte; so fragte sie endlich der Graf, was dann ihr Befehl wär, dass er dem König ihrentwegen sagen sollte? Sagen sie ihm, Herr Graf, war ihre Antwort, dass ich sehr eigensinnig wär? dass ich mich zu nichts weniges als zu einer Königin schickte, und dass sie deswegen Sr. Majest. rieten, seine hohe Neigungen auf einen würdigern Gegenstand zu lenken.
Der Graf hatte sich keiner andern Erklärung von der Gräfin vermutet. Seine Beredtsamkeit blieb hier ohne Nachdruck, seine Gegenwart selbst half ihre sonst gewöhnliche wirkung hintertreiben. Ach! kommen sie doch lange nicht wieder, Herr Graf! sagte sie zu ihm, wenn sie mir nur immer von der Liebe des Königs reden