ihre Liebe sei.
Der Graf verreisete hierauf nach Prato: so bald aber war derselbe nicht vor den Toren der Stadt; so hatte sich auch Silon auf den Weg gemacht, und kam vermittelst seines guten Pferds, und weil er die Fusssteige ritte, noch vor dem Grafen daselbst an; er hatte sich in einen Forst-Knecht verkleidet und mit falschen Haaren bedecket, dass ihn also niemand, auch von des Grafens Leuten, erkante. Er nahm sogleich bei seiner Ankunfft das Schloss in Augenschein und bemerkte alle dessen Zugänge: er fande hinten an dem Garten, der mit einem trockenen Hayn-Graben umgeben war, in dem Zaun eine kleine Oeffnung, da man mit leichter Müh durchbrechen, und sich den Fenstern des Schlosses unvermerkt nahern konte.
Es war Winter, der Abend hatte alles mit Dunkelheit überzogen, und auf dem Schloss herschte eine so tieffe Stille, dass es schien, als ob es unbewohnet war. Nur von Seiten des Gartens sah man unten zur Erden einige Zimmer erhellet. Die alte Gräfin war eine Gottsfürchtige Dame, sie unterhielt sich mit ihrer Tochter und Asmenien in einem erbaulichen Gespräch, als ein Diener ins Zimmer trat und die Ankunfft des Grafens von Rivera meldete. Sowohl die Gräfin als ihre Tochter waren darüber erschrocken. Asmenie aber stunde hurtig auf und suchte das nötige zu diesem Besuch zu veranstalten.
Man liess dem Grafen wissen, dass er würde angenehm sein. Asmenie empfieng ihn und führte ihn in ein Neben-Zimmer, wo sich gleich darauf auch die junge Gräfin einfand; weil jene sich bald wieder weg begab, so sahen sich der Graf und die Gräfin allein. Sie waren beide zusammen in ziemlicher Verwirrung, und wuste der Graf lange nicht, wie er der Gräfin seinen Vortrag tun sollte.
Welchem Zufall, fing endlich die Gräfin an, haben wir denn das Glück zu danken, den Herrn Grafen bei uns in unserer Einsamkeit zu sehen? Ew. Gnaden, antwortete dieser, können sich nicht wohl einen Ort in der Welt zu ihrem Aufentalt erwehlen, wo sie nicht die Menschen nach sich ziehen werden, und wenn sie auf solche Weise die Ruhe suchen wolten, so müsten sie zuvor alle die Annehmlichkeiten ablegen, welche anderen ihre Ruhe stören. Die Gräfin errötete über diese verbindliche Worte des Grafens: ihre Augen gaben ihm darüber ihr heimliches Vergnügen zu erkennen; dann sie glaubte nicht anders, als er wolte hier von sich selbst reden. Ich dachte nicht, Herr Graf, war ihre Antwort, dass sie so viel nach meinem jetzigen Aufentalt fragen würden: weil ich mich erinnere, dass sie eine Zeiter sich meiner Gegenwart, gleichsam als mit Fleiss entzogen haben. Gnädigste Gräfin, versetzte der Graf, wo Könige hinkommen, da darf sich kein Untertan melden. Was hat aber unterdessen, fragte der Graf, derjenige von Ew. Gnaden zu hoffen, der dieselbe mit der grössten Beständigkeit verehret? Ich glaubte, erklärte sich die Gräfin mit einem liebreitzenden blick, dass ihnen meine Meinung bekant sein werden. Der König aber, fuhr jener fort, ist damit nicht zufrieden: er hat gehofft, seine für dieselbe hegende ganz ausnehmende Liebe verdiene ein wenig mehr Erkänntlichkeit. Darüber, unterbrach die Gräfin, haben sich ja der Herr Graf von Rivera nicht ursache zu beklagen. Der Graf von Rivera, wiederholte dieser, hat nun nichts mehr zu hoffen: es bleibet ihm nichts übrig, als die tiefste Ehrerbietung für die Geliebte seines Königes; er vergisset bei dieser grausamen Pflicht alles dasjenige, womit die Hoffnung eines allzuhohen Glücks bisher seinen Neigungen geschmeichelt hat. Ich komm, und bitte Ew. Gnaden, meinen König zu lieben.
Wie, undanckbarer Graf! fuhr hier die bestürtzte Gräfin voller Bewegung heraus, soll meine ihnen bezeigte Freundschafft dazu dienen, dass sie mich zu einem mir verhassten Bündnüss bereden wollen? Solcher Niederträchtigkeit hätt ich mich von dem Grafen von Rivera nicht versehen. Die Gräfin wolte damit von ihrem Stuhl aufstehen und suchte mit einem Tuch die Tränen zu verbergen, die ihr darüber in die Augen drangen. Der Graf aber warf sich zu ihren Füssen, küste ihr die hände und wuste vor empfindlichen Schmertzen nicht, was er ihr sagen sollte.
Ach! schönste Gräfin; waren endlich seine Worte, hören sie mich doch: ich bin wenigstens so unschuldig, als unglücklich. Sie erinnern sich, welcher grausame Wohlstand damahls noch ihre Zunge band, sich völlig für mich zu erklären, als der König kam, und uns in unserem Gespräch verstöhrte. Die Neigung des Königs blieb nicht lang verborgen, der ganze Hof merckte solche: mein Hertz empörte sich dargegen; allein, ich sah bald, dass mein Seufzer vergebens waren, und dass Könige nur zu gebieten haben. Das Vertrauen, so mir unterdessen in dieser Sache mein König bezeiget, gibt mir gleichsam einen Anteil mit an dero würdigsten Erhöhung. Solches gehet so weit, dass er mir anbefohlen hat mich anhero zu verfügen, um dieselbe durch meine aufrichtige Vorstellungen, zur Annehmung der Crone zu bewegen. Ich will also mich für glückselig achten, wann ich nur meinen König und meine Gräfin vergnügt sehen werde.
Die Gräfin hörte alle diese Reden des Grafens mit einer kaltsinnigen Verachtung an: ich bin nicht so ehrsüchtig, sagte sie mit einer verstellten Gelassenheit, eine Crone zu verlangen, noch so scharfsinnig, allhier die Grossmut des Herrn Grafens zu bewundern. Sie würdigte ihn schier darauf keiner Antwort mehr: und ging etlichmahl nach der Tür des Vorgemachs, um ihre Leute zu fragen,