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waren einheimische, dann auswärtige Händel: bald muste sie mit Geistlichen, bald mit Weltlichen zu Rate geben. Sie muste sich immer verstellen; Leuten freundlich sein, die sie nicht leiden konte, und mit denen, die ihr lieb waren, verbot ihr die Hoheit vertraulich umzugehen. Sie hatte zwar alles in Uberfluss; aber dieser Uberfluss machte ihr mehr Sorgen als andern Dürfftigkeit. O, man schencke mir keine Crone! aber ein solcher Graf wär mir recht. Doch besann sich endlich das schwätzhaffte Weib, wo gerat ich hin? was rede ich? ich wolte sagen, die hochmütige Gräfin von Monteras schicke sich besser für den König. Ew. Durchlaucht aber, welche die Güte und Freundlichkeit selbsten sind, besser für den Grafen; und ich muss nicht Corinna heissen, wenn ich ihn nicht in ihre hände spiele.

Mit dieser lebhafften Versicherung nahm die dienstfertige Corinna ihren Abschied von der Hertzogin, welche sich fest einbildete, sie würde durch die Geschicklichkeit dieses Weibes in ihrem Wünschen glücklich werden.

Corinna stunde mit dem ersten Cammerdiener des Königs und mit dessen Frau in naher Bekantschafft. Diese waren gleichfalls von der Art Leute, die ihr Glück durch lauter Praticken zu machen pflegten. Corinna erzehlte ihnen die Mutmassungen, welche sie von der Gräfin von Monteras und dem Grafen von Rivera hatte: man beschloss deswegen, diesen beiden allentalben auf den Dienst zu lauren. Gefährliche Ausspäher, die allenfalls, wo sie nur einen Schatten fanden, etwas wesentliches daraus zu machen wusten.

Das vierte Buch.

Die Frau von Ridelo hatte unterdessen die Neigung des Grafens ausgeforscht: er konte ihr solche nicht länger verbergen: das Frauenzimmer hat insgemein in solchen Sachen besondere scharfe Einsichten. Die Angelegenheiten der Verliebten sind demselbigen die wichtigsten: es entdecket solche leicht, und menget sich auch gerne mit hinein; doch hatte der Graf die Vorsichtigkeit, nicht eher der Frau von Ridelo sich zu vertrauen, als bis er sowohl ihrer Verschwiegenheit als ihrer Redlichkeit versichert war.

Diese Dame hatte viele von den guten Eigenschafften ihres Vaters; sie war vernünftig, liebreich und von einem immer gleich aufgeräumten Wesen; sie brachte die Annehmlichkeit und die Freude mit sich, wo sie hinkam. Niemand wüste etwas artiger zu erzehlen, und sinnreicher auszudrucken: sie war dabei aufrichtig und verschwiegen; welche Tugend man nicht immer diesem Geschlecht zuzuschreiben pflegt.

Die Freundschafft ihres Vaters für den Grafen von Rivera hatte sich auch ihrem Gemüte mit eingedruckt: sie liebte ihn als ihren Bruder; und wünschte nichts mehr, als denselben durch eine Heirat mit der schönen Gräfin von Monteras glücklich zu sehen. Sie wuste sich zu dem Ende auf eine sehr anständige Art in die Vertraulichkeit dieser Schönen zu bringen, und den Grafen dermassen fest in ihre Gunst zu setzen, dass sie demselben ihr ganzes herz wiedmete; allein, in diesen schmeichelenden Umständen für den Grafen, äusserte sich die Liebe des Königs für die Gräfin; der Graf muste demnach einem so mächtigen Mitbuhler aus dem Weg gehen, als er eben im Begriff war, mit der Gräfin sich völlig zu erklären.

Eine heimliche Schwermut hatte denselben eingenommen, seit dem er mit dem König zu Prato bei der Gräfin von Monteras gewesen war. Er sah, dass nun für ihn keine Hoffnung mehr übrig wär, weil die Liebe des Königs begunte ernstafter zu werden. Er fand die Gräfin allzureitzend und seinen Verlust allzuempfindlich. Er kam in dieser traurigen Verfassung seines Gemüts zu seiner lebhaften Wirtin. Wie! Herr Graf, redete ihn diese an, wie hängen sie den Kopf? wo ist die Welt-Weisheit? ich meinte, der Graf von Rivera wär über alle Empfindungen starker Leidenschaften schon weit hinaus.

Ach! gnädige Frau, lies sich der Graf vernehmen, wir sind insgemein gute Welt-Weise, wenn wir keine Versuchungen haben: die gut Lehren und Lebens-Regeln machen sich im Kopf, bis Leidenschaften aber im Herzen. Ich find mich in den verwirrtesten Umständen von der Welt der König raubet mir die Gräfin von Monteras, und macht mich zugleich in dieser Angelegenheit zu seinem Vertrauten: dieses ist noch nicht genug: Graf, spricht er, ihr habt die Gabe, die Leute zu bereden, die Gräfin scheinet euch gewogen zu sein, gehet, reiset nach Prato und macht derselben alle ersinnliche Vorstellungen, dass sie meine Liebe annehmen und meine Gemahlin werden mögte. Ich hatte gut ihm dargegen vorzustellen, dass ich mich zu einem solchen Geschäfte am allerwenigsten schickte; dass die Gräfin sich mir darin nicht anvertrauen würde; dass er sich dazu am besten ihres Oheims, des Herzogs von Sandilien, bedienen würde; der König blieb einmal bei seiner Meinung, ich sollte nach Prato gehen und das Gemüt seiner Geliebten gegen ihn auszuforschen suchen.

Ew. Gnaden, fuhr hierauf der Graf fort, urteilen, wie mir hierbei zu Mut sein müsse. Die Frau von Ridelo konte nicht läugnen, dass der Graf sich in schlüpfrigen Umständen gesetzt fände; sie suchte ihn aber um desto mehr aufzumuntern. Grosse Gemüter, sprach sie, haben auch grosse Anfechtungen. Man hat in der Welt nicht, was man will: die stärkste Neigungen sind nicht allezeit die glücklichsten: sie treten deswegen dem König dasjenige mit guter Art ab, was sie doch gegen ihn nicht behaupten können: die ganze Welt hat noch Schönen für sie: ihr herz ist nicht allein für die Monteras geschaffen. Erinnern sie sich nur bei ihrer jetzigen Neigung, dass der König ihr Mitbuhler ist, und dass das geringste, was sie ihm aufzuopfern haben,