zu lassen. Keine Vorsichtigkeit, keine Unschuld und keine Tugend kan dessen Nachstellungen entgehen. Einem Menschen, den man will fehlen sehen, kan man leicht eine Sache zum Verbrechen machen. Hier muste auch so gar die Treue des Grafens dessen Würckung erfahren.
Die Hertzogin von Salona hatte so gute Augen, als die Gräfin von Monteras: sie fand an dem Grafen von Rivera alle die Annehmlichkeiten, welche diese Gräfin an ihm entdecket hatte; sie stunde damahls eben gegen über dem Grafen, als er seine Augen so beständig nach ihrem grossen Spiegel-Glas hinwarf, welches diese schier auf die gedanken brachte, dass er, als ein andrer Narciss, in seine eigene Gestalt verliebt sein müste. Wie sehr aber war sie nicht verwundert, da sie, als sie sich darauf hinter ihn stellte, nicht ihn, sondern die Gräfin von Monteras im Spiegel erblickte: sie sah, wie diese Schöne ihre Augen, bald mit einer Entzündung auf dieses Glas hefftete, bald aber mit einiger Schamröte wieder niederschlug.
Die Hertzogin von Salona war in der Tat damahls die beste Partie in Panopolis: sie besass noch eine frische Schönheit, ohneracht sie bereits die dreissig Jahr zurück geleget hatte. Sie war noch nicht lang Wittbe, und hatte kaum noch ihren Trauer-Flor mit einem bunten Aufsatz verwechselt. Ihre Einkünffte sowohl als die Stelle eines Obristen Feldherrns, die ihr verstorbener Gemahl begleitet hatte, gaben ihr den ersten Rang bei hof. Es fehlte ihr weder an Feuer noch Verstand; allein, von den Empfindungen, die eine edle Seele ausmachen, hatte sie wenig. Ihre Art zu dencken war gemein. Wie ihr die Sachen am ersten vorkamen, so glaubte, so fasste sie solche. Weiter durchdrang sie nichts. Die Liebe gab ihr noch ein wenig Geist; ihr Stand und ihre Aufführung aber machte, dass man ihr noch weit mehr, als sie hatte, zuschriebe.
Sie hatte seit dem den Grafen öffters bei Hof und in den Gesellschafften gesehen; er schien ihr noch immer Liebens-würdiger zu sein; sie suchte deswegen alle ihre Reitzungen ins Feld zu stellen, um ihn ins Garn zu locken. Der Kopf wurde auf die sinnreichste Art geschmücket: Ihre Haar-Locken spielten auf ihrem blancken Hals, um welchen bald eine Schnur der auserlesensten Perlen, bald ein köstliches Geschmeide von doppelt-geschliffenen Diamanten, bald aber ein anders von flammigten Rubinen und Saphyren gläntzete. Die halb entblöste Brust schien von den geheimen Regungen aufgequollen, damit sie das Hertz ihres Geliebten zu entzünden suchte: in ihren Augen brannte das stärckste Feuer, wann sie auf den Gegenstand ihrer Liebe traffen: sie hatten mehr Beredtsamkeit, als ihre Lippen, welche noch eine gewisse Schamhafftigkeit verschlossen hielte.
Der Graf erkante bald die Neigung der Hertzogin; durch dessen demütige Bescheidenheit aber hielt er sie zurück, sich ihm näher zu erklären. Er sagte ihr alles, was die Höflichkeit einen artigen Hofmann kan sagen machen. Der Hertzogin aber schienen alle seine Reden kaltsinnig: sie waren ihr nicht verbindlich genug: sie beobachtete, dass er dergleichen auch andern Damen sagte: sie empfand darüber alles, was eine verschmähte Liebe einem hochmütigen Herzen kan empfindlich machen.
Corinna wurde endlich in dieser Angelegenheit zu Rat gezogen. Kluge Corinna, sprach sie zu ihr, wer sollte denken, dass ich die Schwachheit hätte, in dem Grafen von Rivera einen Undankbaren zu lieben? Ich schmeichelte mir sein Glück zu machen; allein, weder mein Stand, noch meine Liebe, noch die ansehnliche Güter, die ich besitze, vermögen ihn zu rühren: meine Augen haben für ihn keinen Liebreitz: er fliehet meine Blicke, die ihm das Geheimnüs meines Herzens zu entdecken suchen, und ausser einigen Höflichkeiten, die ihm der Wohlstand abnötiget, würde ich sagen, dass er mich verachte.
O gnädige Herzogin, unterbrach hier die mitleidige Corinna; sie sehen mir eben so aus, als ob man sie verachten könnte. Wie! eine Herzogin, wie Ew. Durchl. sind, die alle Vollkommenheiten in der Welt besitzet, und welche die gröste Fürstin um sich könnte seufzen machen, die sollte sich einbilden, dass man sie verachte? O das gehet zu weit.
Ich hatte mir selber geschmeichelt, fuhr die Herzogin fort, der Graf von Rivera würde meine Gunst-Bezeugungen für ein Glück halten: allein, ich komme zu spät; sein Herz ist bereits von einer andern Schönheit eingenommen. Er liebt die Gräfin von Monteras, und scheuet sich nicht einen Mitbuhler seines Königs abzugeben.
Wie, fing Corinna an, der Graf von Rivera liebt die Gräfin von Monteras? O was hör ich? sonder Zweiffel wird er auch von ihr geliebet? die Herzogin erzehlte hierauf der Corinna, was sie ehedessen in der Gesellschafft bei ihr mit eigenen Augen wahrgenommen hatte. Dieses waren für ein Weib, wie Corinna, ungemeine Neuigkeiten: sie schienen ihr so wichtig, dass sie dafür hielte, sie könnte ihren Verstand nicht würdiger beschäftigen, als wenn sie sich mit in dieses Spiel mengte.
Die Gräfin von Monteras, liess sich ihre plauderhafte Zunge vernehmen, ist eben keine Närrin. Der Graf ist ein schöner Herr; er ist artig, und kan schwätzen, was er will; wenn ich noch jung wär, so gefiel er mir auch. Denn wenn man es recht betrachtet, was ist doch eine Crone? wie war nicht unsre Hochselige Königin eine geplagte Frau? muste sie nicht ihr Leben in stetem Zwang, in tausend Sorgen und Unruh zubringen? dann