zu empfinden, welches seinen Absichten gleichförmig sein möchte; allein, die Liebe hat ihre Eigensinnigkeiten: sie herrschet, wo sie einmal sich eingeschlichen, und bindet sich an nichts.
Der Herzog quälte die Gräfin täglich mit den wichtigsten Vorstellungen, dass sie die Liebe des Königs nicht ausschlagen sollte; täglich sah sie sich deswegen von dem König selbst verfolget: er tat alles in der Welt, um sich ihr gefällig zu machen; er rührte ihr Mitleiden: dieses war alles: zu mehr konte er sie nicht bewegen.
Ein solcher Zustand war beides für sie als für den König unerträglich: der Gräfin ihre Gesundheit litt darunter: ihr verborgenes Anliegen beunruhigte sie noch mehr: sie wurde unpässlich: die Aertzte brauchten ihr gegen allerhand Ubel, die sie nicht hatte, und ihr neue zuzogen: sie verlangte deswegen zu ihrer Frau Mutter auf das Land, um aus allen diesen Verwirrungen sich zu retten. Ihr Oheim vermogte sie nicht länger davon abzuhalten, sie nahm von ihm Abschied und verreiste.
Der König empfand ihre Abwesenheit mit vieler Unruh. Das Land-Gut ihrer Frau Mutter war nur eine Tag-Reise von Panopolis. Der König sandt schier täglich dahin, sich ihrer Gesundheit halben zu erkundigen: diese hatte sich gebessert, so bald sie von der Hof-Luft entfernet, und den Aerzten aus den Händen gekommen war. Weil sie aber besorgte, der König mögte ihren ruhigen Aufentalt auf dem land zu bald wieder stöhren, so hielt sie sich noch immer auf ihrem Schloss sehr eingezogen.
Doch, da sie in der Länge ihre Gesundheit vor ihren Leuten nicht konte verborgen halten, so hatte der König auch bald davon Nachricht; er machte sich auf den Weg, bei ihr einen Besuch abzulegen, und sandt einen Edelmann voraus, um solchen bei ihr anzumelden.
Er hatte niemand als den Grafen von Rivera bei sich: dieser war in kurtzer Zeit bei dem König zu solcher Gunst gelanget, dass er ihn immer um sich hatte. Des Königs Liebe für die Grafin war ihm kein Geheimnüs: der König vertraute ihm alles, und wolte, dass er ihm auch hierinn raten sollte. So sehr der Graf allhier von gleicher Neigung eingenommen war, so hielt er doch nicht für geziemend, seines Königs Mitbuhler zu sein; er gab deswegen seiner Vernunfft alle Stärke, deren sie fähig war, um seine Neigung für die Gräfin zu unterdrucken, und die Gewogenheit seines Herrn mit äusserster Treu zu erwiedern. Er sah mit einer vergnügten Bewunderung die glückliche Veränderungen, welche diese Liebe bei dem König verursachte: er urteilte daraus, dass die Vorsehung hier etwas würken wolte, die Laster des Königs und seiner Höflinge zu verbessern. Dieses bewog ihn um so vielmehr, dieser tugendhaften Neigung des Königs beizupflichten, und ihm selbst die beste Anschläge zu geben, wie er der Gräfin Gunst erlangen mögte.
Die Gräfin, als sie den König, von dem Grafen von Rivera begleitet, auf sich zukommen sah, konte darüber ihre Bestürzung nicht bergen. Diese beide Personen waren ihrer Ruh bisher allzunachteilig gewesen, als dass sie ihren Anblick ohne grosse Bewegung hätte vertragen können. Sie empfieng nichts destoweniger den König mit aller Wohlanständigkeit: Er sagte ihr bei dieser gelegenheit alles, was die heftigste leidenschaft demselben in den Mund legte: die Gräfin suchte im Gegenteil allen ihren Verstand zu gebrauchen, um dem König diese Neigung auszureden: sie versicherte denselben der allerehrerbietigsten Hochachtung: sie sagte, dass sie sich für unglücklich hielt, weil sie nicht diejenige Eigenschafften besässe, die notwendig dazu erfordert würden, einen so grossen König zu vergnügen: sie fügte hinzu, dass sie demselben gern ihren äussersten Gehorsam bezeigen wolte; allein, ihr Hertz litte keine Verstellung, sie könnte sich nicht überwinden, noch diejenige Furcht sich benehmen, die ihr bei Annehmung einer Crone, zu welcher sie nicht gebohren wär, mit der grössten Gefahr drohete.
Der König muste sich mit dieser Erklärung begnügen er konte mehr nicht aus ihr bringen. Er erzehlte dem Grafen unterwegs, da sie wieder nach Panopolis zurück kehrten, seine mit der Gräfin gehabte Unterredung. Der Graf, welcher die Gräfin, ohneracht aller Gewalt, die er sich antat, noch immer heimlich liebte, fand ihre Reden mit nichten so hart, als der König sich solche vorstellte. Nur noch ein wenig anhaltende Beständigkeit, sprach er, so haben Ew. Majestät gewonnen. Die Gräfin bekennet für dieselbe die gröste Hochachtung: sie ist um nichts mehr besorgt, als dass sie dieselben nicht vergnügen mögte, wann sie Dero Gemahlin werden sollte: sie ist darin mehr demütig als kaltsinnig; ja, wo ich nicht irre, so ist sie mehr in Sorgen, sich die Gunst ihres Königs beizubehalten, als die ihrige demselben strittig zu machen.
Man muss selbst lieben und von einer verborgenen Eifersucht eingenommen sein, so sinnreich, die Antworten einer geliebten Schönen zum Vorteil eines Mitbuhlers auszulegen. In der Tat waren solches nicht die Meinungen der Gräfin: sie ehrte den König und gedachte nur durch diese verbindliche Reden sich von demselben loszuwickeln. Der König merckte es auch wohl; wie man aber leicht zu bereden ist, etwas zu glauben, was man wünschet, so liess sich auch der König von dem Grafen mit dieser Hoffnung schmeicheln.
Bisher war alles für den Grafen von Rivera sehr gut gegangen: er sah sich nicht allein in des Königs Gnade; sondern wurde auch schier von jederman geehret und geliebet. Der Neid knirschte darüber heimlich die Zähne, und suchte gelegenheit, sich öffentlich gegen ihn heraus