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erhohlen. Ich antwortete ihnen beiden, dass ich schon die Ehre gehabt hätte, diesen Cavallier gestern in der Gesellschaft bei der Herzogin von Salona zu sehen, und dass es mir lieb wär an ihm einen Freund des Herrn von Bellamont kennen zu lernen, von dem ich jederzeit so viel rühmliches gehöret hätte, dass man von seinen Freunden nichts anders als gute Meinungen haben könnte.

Der Graf schien vergnügt zu sein, dass ich mich seiner erinnerte: er sagte mir mit der verbindlichsten Art von der Welt, dass er sich nimmer so viel geschmeichelt hätte, von einer person, wie ich wär, beobachtet zu werden: er hätte nichts so sehr beklagt, als dass er keine gelegenheit gehabt, mir seine Ehrerbietung zu erkennen zu geben. kurz, ich sah, oder schmeichelte mir wenigstens damit, dass ich ihm nicht ganz missfiel. Wir sprachen darauf von allerhand Dingen. Ich fand, dass der Graf nicht weniger Verstand, als äusserliche Annehmlichkeiten besass: seine Reden hatten etwas freies und doch bescheidenes: er widerlegte unsre Meinungen, und sagte uns gleichwohl alles, was wir gern hörten; die Art, womit er eine Sache vorbrachte, zwang uns zum Beifall, wo wir solches am wenigsten gedachten. Ich gab ihm deswegen in meinem herzen einen gewissen Rang vor andern Manns-Personen: ich fühlte bei mir ein heimliches Verlangen, ihm so sehr zu gefallen, als er mir gefiel.

Ich hatte ihn darauf nur einmal wieder allein gesprochen, als wir vor einigen Tagen, auf des Königs Geburts-fest, bei hof uns antraffen. Er tantzte mit mir und zog mich darauf an ein Fenster, um ein wenig Kühlung zu schöpfen: er hatte mir kaum einige Schmeicheleien vorgesagt, die mir eine Neigung für mich zu erkennen gaben; als zu meinem Unglück der König zu uns trat. Er hatte schon vorher, wenn ich mich in Gesellschafft fand, mir etlichmahl scharf unter die Augen gesehen und mich allein zu sprechen gesucht; dissmahl konnte ich ihm nicht ausweichen: er betrachtete mich mit der grössten Aufmercksamkeit, und gab mir sehr deutlich zu verstehen, dass er etwas an mir fand, so ihm gefiel; Er forderte mich zum Tantz auf: der Graf schien mir darüber betrübt zu sein: er fliehet seit dem meine Gegenwart, da im Gegenteil der König mit seiner Liebe mich verfolget.

Ach Asmenie! fuhr die Gräfin seuffzend fort, was macht mir diese Kaltsinnigkeit des Grafens vor Unruh? ich mag den König nicht ansehen: meine Augen suchen nur den Grafen, die Seinigen aber verweisen mich an den König. Diese Aufführung verschmähet mich ungemein: ich wolte ihm bei verschiedener gelegenheit wieder um meine Kaltsinnigkeit zeigen, aber er tut nicht einmal, als ob er solches merckte.

Ich bin deswegen auf nichts mehr bedacht, als diese Torheiten mir aus dem Sinn zu schlagen und den hochmütigen Grafen zu vergessen.

Es wird ihnen dieses, meine liebste Gräfin, antwortete Asmenie, schwerer fallen, als sie sich solches einbilden: dergleichen Leidenschaften gehen nicht so hurtig weg, als sie kommen. Der Graf von Rivera hat etwas greiffendes und an sich ziehendes in seinem Wesen: sie erkennen schon allzuviel, dass er liebenswürdig ist: wär der König nicht mit ins Spiel gekommen, so würde ich ihnen selbst raten, ihrer Neigung für ihn Gehör zu geben: er könnte sie allem Ansehen nach glücklich machen, und sie könnten an unserm hof keine Manns-person würdiger lieben; allein, der König ist eine wichtige Hindernüs, und wenn er für sie, meine liebste Gräfin, eine wahre Zuneigung heeget, so können sie ihm nicht entgegen sein.

Ich glaube, offenherzig von der sache zu reden, erklärte sich hierauf die Gräfin, wenn ich den Grafen von Rivera nicht gesehen hätte, so würde ich vielleicht so viel Ehrsucht haben, den König zu lieben; nun aber ist mein Hertz von einer andern Neigung eingenommen: Cron und Scepter scheinen mir nicht so annehmlich, als die Zuneigung, die der Graf für mich hat spühren lassen.

Die Gräfin, als sie auf solche Art der Asmenien ihr Geheimnüs gestund, wurde darauf voller Scham und Verwirrung: sie wolte es nicht gesagt haben, sie bat, ihr nichts mehr davon zu reden: sie nahm sich gänzlich vor, den Grafen zu vergessen; sie umfieng darauf Asmenien und begab sich zur Ruh.

Der Hertzog von Sandilien war unterdessen mit der Aufführung seiner schönen Base nicht wohl zufrieden; weil er sie aber sehr liebte, so wolte er auch ihre Neigung nicht zwingen; er schmeichelte sich vielmehr, der König würde durch die Kaltsinnigkeit seiner Basen desto mehr Feuer fangen, und sich um so vielmehr angelegen sein lassen, derselben zu gefallen.

In der Tat gab der Gräfin ihr ernstafftes Bezeigen dem König einen neuen Lieb-Reitz: Er wurde durch ihre Sittsamkeit weit hefftiger gerühret, als durch die freche Gefälligkeiten anderer Schönen. Seine Hoheit fand hier noch etwas zu übersteigen, das ihn niedriger machte. Die grossmütige Tugend der Gräfin bewegte denjenigen selbst zur Ehrerbietung, den sonst alle Menschen mit der grössten Ehrfurcht betrachteten. Alle Lustbarkeiten bei hof wurden ihr allein zu Ehren angestellt. Der König richtete sich darin ganz nach ihrer Gemüts-Art: man sah in den Schauspielen eine gewisse Ehrbarkeit herrschen, die man zuvor darin nicht wahrgenommen hatte. Der König selbst lebte eingezogener und mässiger. Die Gräfin merkte bald, dass der König ihr durch diese Aufführung zu gefallen suchte: sie litte darunter, und wünschte oft selbst etwas für den König