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Herzog, suchet die Sache mit diesem Hof auf eine andere Weise zu schlichten, und wann ihr mich liebt, so beweget eure Base, den Tron so ich ihr anbiete, nicht auszuschlagen.

Der Herzog war hierinn dem König gehorsamer, als er sich dazu hatte verbindlich gemacht: Werteste Base, redete er die Gräfin an, als sie aus dem Garten wieder in den Pallast zurück kame ich hoffe, ihr liebt mich ein wenig: ihr wisset, dass ich mir aus eurem Glück das gröste Vergnügen mache, und dass ihr dermaleins, weil ich keine Kinder habe, die einzige Erbin aller meiner Güter sein werdet. Darf ich mir nicht in einer wichtigen Sache euren Gehorsam versprechen? die Gräfin erblasste über diesen Vortrag: ihr Herz sagte ihr sogleich den Inhalt der ganzen Rede, welche ihr Vetter aus einem so rührenden Ton angefangen hatte. Sie antwortete deswegen nichts, und erwartete von demselben die Erklärung des Gehorsams, welchen er von ihr forderte.

Der Himmel, fuhr er fort, hat euch ein tugendhaftes Gemüt, und eure Frau Mutter eine recht glückliche Erziehung gegeben: eure Aufführung hat euch bisher die Hochachtung des ganzen Hofs erworben; der König selbst liebt euch. Nun komt es auf euch an liebste Base, eurem Haus die höchste Ehr und den grössten Glanz beizulegen. Der König bietet euch seine Crone an: ich habe ihm diese Gedanken suchen auszureden; alleine, ich hoffe, ihr werdet solche durch euren klugen Verstand und durch eure liebreizende Gestalt noch nehr zu befestigen wissen: last mich auf eine angenehme Art gezwungen werden, dergleichen Bündniss dem König einzugestehen, so sehr ich auch äusserlich ihm solches werde wiederraten müssen.

Die Gräfin schien über diesen Vortrag des Herzogs verwundert zu sein; sie schlug die Augen nieder, und wuste nicht was sie darauf antworten sollte. Ihr schweiget, liebste Base, sagte er zu ihr, was habt ihr vor einen Anstand euch zu erklären? rühret euch die Ehre eures Hauses nicht? Macht euch die Liebe eines jungen und huldreichen Königes nicht empfindlich? Ach, gnädiger Herr, liess sich endlich die Gräfin vernehmen, was soll ich ihnen antworten? ich bin voll Verwirrung: ich bin ihnes allen schuldig: ich liebe, ich verehre sie als meinen Vater; allein, darf ich mich erkühnen denenselben mein Gemüt frei zu entdecken? ich bin von natur zu einer stillen und ruhigen LebensArt geneigt. Ew. Gnaden haben mich zu sich genommen und mit unzehligen Wohltaten überschüttet. Sie haben mir öfters selbst den Verdruss entdecket, welchen ihr Gemüt über die Unordnungen des Königs empfunden hat. Dessen Ausschweiffungen und Schwelgereien haben solchen täglich erneuert. Ich habe dadurch mein Gemüt gewöhnet, den König nicht anders als einen lasterhafften Menschen zu betrachten. Ich habe mich gefürchtet ihn anzusehen; und wann ich mir seine böse Neigungen zusamt seiner Hoheit und Gewalt vorstellte, so erzitterte ich in dem innersten meines Herzens. Ich beklagte die Menschen, die seine Untertanen waren: ich beklagte sie, liebster Herr Oheim, dass sie das Verhängniss zu dessen ersten staates-Rat erhoben; und nun beklag ich uns beide zusammen, dass meine wenige Gestalt die unglückliche Reizungen gehabt, dem König zu gefallen. Ich mögte gern aus tiefster Ehrerbietung und Liebe für sie in alle dero Absichten eingehen. Allein, sie verzeihen mir: ich kan mich nicht verstellen; ich liebe den König nicht; er würde solches bald merken: er würde bald die Liebe in Hass verwandeln, und unsere Feinde sollten sodann leicht die gelegenheit finden uns beide zu stürtzen.

Der Herzog liess seine Base ganz ruhig ausreden. Seid ihr fertig? mein liebes Kind, fragte er sie darauf. Ich finde euch sehr klug: ihr habt alles wohl überlegt; allein, je mehr ihr mich durch eure Vorstellungen von meinen Anschlägen abzubringen suchte, je mehr befestiget ihr solche: euer Verstand überzeuget mich, dass ihr euch vollkommen zu einer Königin schicket. Ihr werdet dem König solche Neigungen einzuflösen wissen, die sowohl mit den Absichten eurer Tugend, als mit der Aufnahm eures Hauses überein stimmen. Liebt ihr den König nicht, so habt ihr doch keine ursache ihn zu hassen. Der Tron, den er euch anbietet, hätte auch Annehmlichkeiten genug, wenn ihn gleich kein so Liebenswürdiger Fürst, als unser König ist, begleitete. Dessen bissherige Ausschweifungen sind nur Kleinigkeiten und allgemeine Fehler der Jugend, vor welchen euch so sehr nicht eckeln muss. Man verzeihet solche dem jungen Adel, warum nicht einem noch jungen König, dem niemand zu befehlen hat. Ihr meinet, die Verstellung würde euch zu viel kosten; besinnet euch doch, setzte er scherzend hinzu, dass ihr von einem Geschlechte seid, dem die Verstellung so natürlich ist.

Dieses Gespräch wurde durch den Hofmeister unterbrochen, der dem Herzog meldete, wie man bereits zur Tafel gedienet hätte. Dieser gab also der Gräfin die Hand und führte sie in den Speise-Saal. Bei dem Abend-Essen muste die Gräfin von dem Hertzog sich noch wegen ihrer Unschuld und Redlichkeit aufziehen lassen; wozu eine gewisse Dame, welche der Gräfin ihre Gesellschaffts-fräulein besucht hatte, und sich bei der Tafel befande, das Ihrige mit beitrug, Die Gräfin, verdross solches heimlich; doch liess sie ihrem Oheim zu Gefallen sich solches nicht merken.

Dieses Weib hies Corinna: ob sie gleich ihre Jugend schon vorlängst zurück gelegt hatte, so wolte sie doch noch gerne gefallen; weil ihr aber ihr bejahrtes Fell darin zuwider war, so suchte sie dieses Unglück auf eine andere